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Festlich darf es sein, aber kein Speiselokal

Die Nutzung der Alten Aula ist streng geregelt

Seit die Alte Aula im Frühjahr dieses Jahres nach jahrelanger Sanierung wiedereröffnet wurde, richten sich Neugierde und Begehrlichkeiten auf das repräsentative Gebäude. Doch der Zugang wird gedrosselt, und für den Zugriff auf den Saal gelten klare Regeln.

04.08.2012
  • Ulrike Pfeil

Tübingen. Manche regelmäßigen Besucher der sommerlichen Stadtführungen „Kennen Sie Tübingen?“ wurden vor Enttäuschung pampig, als sie erfuhren, dass sie am kommenden Montag keinen Zugang zur Führung durch die Alte Aula mehr bekommen. Die Teilnehmerzahl ist in diesem Fall auf 25 beschränkt – zu den offenen Führungen strömen aber meistens weit mehr als hundert Leute.

„25 haben sich als eine praktikable Höchstzahl erwiesen“, sagt Bernd Selbmann, der Leiter des staatlichen Bau- und Vermögensamts. Das 1547 nach einem Brand wiedererrichtete „Mutterhaus“ der Universität wird schließlich auch für den laufenden akademischen Betrieb genutzt; es befinden sich dort Seminarräume, Büros und die erziehungswissenschaftliche Bibliothek mit 60 000 Bänden. Zwischen deren Regalen ist für größere Gruppen kein Platz, ganz abgesehen von der Störung.

Andererseits sind viele Bürger sehr neugierig auf dieses wichtige historische Gebäude, das während der viereinhalbjährigen Sanierungszeit den Blicken durch Gerüste und Planen weitgehend entzogen war. Der große Saal mit restaurierten Deckenmalereien und einem fantastischem Ausblick durch Fenster an drei Seiten wurde als neue „gute Stube der Universität“ angekündigt. 5,3 Millionen Euro kostete das Gesamtprojekt, das vom Land finanziert wurde – also aus Steuergeldern.

Aber wer einen Blick davon erhaschen möchte, muss Glück haben. Die seltenen öffentlichen Führungen (zuletzt im Juni beim „Tag der Architektur“) sind immer im Nu ausgebucht. Und die wenigen allgemein zugänglichen Vorträge, die bisher dort stattfanden, hatten eher spezialisierte Themen, wie etwa eine Tagung zum europäischen Schicksalsjahr 1812, ebenfalls im Juni.

Die Alte Aula ist zwar während der Bibliothekszeiten unter der Woche geöffnet, aber vom Treppenhaus sieht man nicht richtig in den Saal, und die alte Arrestzelle etwa ist nur mit Ausweis über die Bibliothek zugänglich. Die nächste sich abzeichnende Gelegenheit zur Besichtigung dürfte ebenfalls schnell vergeben sein: Am Sonntag, 9. September, beim „Tag des offenen Denkmals“ gibt es zwei Führungen in der Alten Aula, um 15 und um 16 Uhr, auch wieder beschränkt auf insgesamt 50 Personen (Anmeldung beim Stadtarchiv, 0 70 71 / 2 04 17 05).

Das mit der „guten Stube“ hatten auch die Veranstalter des Um brisch-Provenzalischen Markts (13. bis 16. September) missverstanden: Da der Sitzungssaal des Rathauses wegen dessen Sanierung in diesem Jahr nicht zur Verfügung steht, wandte sich der Handel- und Gewerbeverein (HGV) mit dem Gesuch an die Universität, den Saal in der Alten Aula für den Empfang der Marktbeschicker und Gäste aus den Partnerstädten nutzen zu dürfen – und für die viertägige Bewirtung des Publikums durch Köche aus Perugia. Beides fand bisher immer im Ratssaal statt.

Alexander Stagl, der Geschäftsführer des Hotels „Krone“, der die um brische Verköstigung organisiert, fand die Idee „eigentlich prima“. Die Uni-Leitung jedoch nicht. Zwar wurde beim Umbau der Alten Aula an eine kleine Küche für eventuellen Catering-Bedarf gedacht, doch die Nutzungsbedingungen schließen eine Bewirtung mit warmen Speisen ausdrücklich aus. Ein öffentlicher Restaurantbetrieb mit entsprechenden Gerüchen und Geräuschen in einem Gebäude, in dem gleichzeitig (Donnerstag bis Samstag) in der Bibliothek wissenschaftlich gearbeitet wird, das passt aus nachvollziehbaren Gründen nicht.

Auch die Zwecke der Saalvergabe sind in den Nutzungsbedingungen eindeutig und ausschließlich umschrieben: Er wird nur für akademische Feiern und für festliche Veranstaltungen oder für Tagungen zur Verfügung gestellt. Eine Festveranstaltung ist der Empfang für die Partnerstädte; den hat die Uni in diesem Jahr in der Alten Aula genehmigt – unter der Auflage, dass das Büffet ein kaltes ist.

Der Punkt umbrisches Restaurant wurde ersatzlos aus dem Marktprogramm gestrichen. Auch übers Essen führt also den Bürger kein Weg ins Innere der Alten Aula. Am besten, man meldet sich zu einer akademischen Veranstaltung an, zum Beispiel dem „Platelets International Symposium“ der Kardiologen im Oktober. Während er unverständlichen englischsprachigen Vorträgen lauscht, könnte der kardiologische Laie in Ruhe die Kassettendecke studieren.

Die Nutzung der Alten Aula ist streng geregelt
Die Alte Aula, jüngst saniert, Modernes und Altes im großen Veranstaltungsraum im Erdgeschoss (von der Münzgasse aus gesehen). Glas, Stein, aber auch viel, viel Holz. Das älteste Holz hier wurde 1547 verbaut.Archivbild: Sommer

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04.08.2012, 12:00 Uhr

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