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Brechend volle Bäume im Kreis Tübingen

Die Obsternte fällt dieses Jahr ganz besonders üppig aus

Von brutal bis bratzelt voll schwankt die Beschreibung für den Fruchtbehang an Pflaume und Zwetschge. So war es schon bei den Kirschen in diesem Jahr. Und auch bei den Äpfeln und Birnen ist eine gute bis sehr gute Ernte zu erwarten. Dafür brechen jetzt viele Äste unter der Last und ganze Bäume kippen um.

24.07.2014
  • Mario Beisswenger

Kreis Tübingen. „Da hast du fast Angst, dass sie zu viel haben.“ Dieses Gefühl beschleicht Hans Wener, wenn er übervolle Zwetschgenbäume sieht. Der Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins Mössingen hat so einen Behang noch nicht gesehen. Joachim Löckelt ist als Kreisfachberater für den Obstbau etwas vorsichtiger mit dieser Einschätzung. Aber so einen Massenertrag, das habe es sicher zehn oder zwanzig Jahre nicht gegeben.

Erklärbar sind für beide Pomologen die sich biegenden Äste bei allen Arten von Steinobst von Kirschen bis zu Pflaumen. Die Ernten der beiden Vorjahre „waren nicht so berauschend“ (Löckelt), der Blütenansatz für dieses Jahr deshalb gut. Zudem war es 2014 zur Blüte dauerhaft trocken und warm. Die Bestäuber konnten ganze Arbeit leisten. „Ich hab’ den Eindruck, dass jede Blüte befruchtet wurde“, sagt Gärtnermeister Joachim Reutter vom Botanischen Garten in Tübingen.

Die Last auf den Bäumen hat aber Folgen. Zwetschgen und Pflaumen sind an sich schon bruchgefährdeter als anderes Obst. Abknackende Äste sind bei diesem üppigen Ansatz also zu erwarten. Doch im Botanischen Garten ist dieses Jahr sogar ein völlig gesunder Pflaumenbaum samt seiner süßen Überlast komplett aus dem Boden gekippt. Ältere Bäume brechen am Stammfuß oder die Krone zerlegt sich.

Eigentlich, so sagt der Kreisberater, schützt vor Astbruch der richtige Schnitt, der auf starke, relativ steil ansteigende tragende Verzweigung abzielt. Wer eher traditionell mit flach nach außen gezogenen Baumgerüst arbeitet, sei dieses Jahr gut beraten die Äste abzustützen.

So viele Kirschen, so groß und ohne Maden

Die Schwemme beim Steinobst setzte diesen Sommer schon mit der Kirschenernte ein. Bei einem Rundgang mit Kirschenexperten in der Mössinger Sortensammlung hörte Löckelt schon ungläubige Kommentare. „Was ist da passiert?“ hieß es. Es gab nicht nur viele Kirschen, die Exemplare waren auch noch überdurchschnittlich groß. „Und die Kirschen waren nicht mal vermadet“, berichtet Wener. In anderen Jahren ist die Larve der Kirschfruchtfliege sonst ein Problem. Sie grüßt als Wurm in der Kirsche die Obstesser. Dieses Jahr gab es Kirschen rein vegetarisch. „Für Streuobstbesitzer hat es wunderbar gepasst“, sagt Löckelt.

Erwerbsobstbauern leiden etwas unter der Schwemme. Benedikt Hennegriff, vom familiengeführten badischen Obstbaubetrieb, räumt auf dem Tübinger Wochenmarkt ein, „dass der Preis schon auch stimmen muss“, wenn eine große Ernte verkauft werden will. Dazu kommt für ihn noch, dass sich wegen des warmen Frühjahrs die Erntefenster zusammenschieben. Gerade hat er die Pfirsich-Sorte Redhaven im Angebot. Eigentlich sollte die erst Mitte August reifen. Jetzt kommt sie schon mit den frühen Sorten auf den Markt.

Was die Apfel- und Birnenernte angeht, möchte Löckelt noch keine Schwemme ausrufen. Die offiziellen Ernteschätzungen laufen derzeit noch. Er geht von einer „gefühlt mittelguten Ernte“ aus. Was ihn überrascht, ist, wie unterschiedlich Äpfel und Birne Früchte tragen. „Es gibt Bäume mit viel Früchten neben solchen ohne. Ich führe das ein bisschen auf den Hagel zurück.“ Das gelte für die Flecken im Landkreis, die vergangenes Jahr besonders hart vom Hagelschlag betroffen waren.

Siehe auch www.tagblatt.de/obstbörse

Die Obsternte fällt dieses Jahr ganz besonders üppig aus
Wie dieser umgestürzte Pflaumenbaum auf dem Steinenberg gingen in den letzten Tagen viele Obstbäume unter der Last ihrer Früchte zu Boden.Bild: Metz

Wer der Zwetschgenschwemme Herr werden will, kann neben Gsälz auch Dörrobst machen – oder die Früchte in einem Fass vergären. Volker Theurer, versierter Brenner und Wirt im „Lamm“ in Unterjesingen, empfiehlt dazu die traditionellen, aromatischen Sorten. „Es kommt da nicht auf Größe an.“ Vollreif sollte das Erntegut sein und ohne Schimmel. Die Vergärung sollte rasch starten unter Zuhilfenahme von Reinzuchthefe. Leichtes Andätschen mit Zwetschgenquirl ist hilfreich. Niedere Gärtemperatur und rasches Brennen gewährleisten einen guten Schnaps, wenn der Brenner sorgsam das edle Herzstück des Brandes abtrennt. Langes Lagern hilft bei schlechtem Schnaps nicht. „Nach einem Jahr sollte der rund sein.“ Äpfel und Birnen lassen sich am einfachsten versaften. Seit es die Bag-in-Box-Lösung gibt, braucht man kein Mostfass mehr im Gewölbekeller, um eine größere Ernte unterzubringen. Die Tübinger Mosterei Gugel rüstet sich schon für einen größeren Ansturm. Obwohl, sagt Helmut Gugel, „man soll eigentlich nur damit rechnen, wenn man den Apfel schon im Sack hat.“

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24.07.2014, 12:00 Uhr

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