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Grüne Augen und Hörner

Die Original Baisinger Narren stellten ihr Häs vor

Bisher hatte Baisingen keine eigene Fasnetfigur. Wer narret war, lief in einer Laufgruppe mit. Jetzt ist alles anders: Es gibt einen Verein, und es gibt eine Figur: das Hopfa-Deifele.

14.09.2012
  • Gert Fleischer

Baisingen. Das Laufgruppen-Leben stiftete auf Dauer offenbar zu wenig Identität. Die Idee, ein eigenes Häs zu entwerfen und sich richtig zu organisieren, wurde immer mächtiger. Im Mai gründeten sieben Baisinger/innen den Verein „Original Baisinger Narren“. Fabian Heinzelmann wurde Erster Vorsitzender. Er ist 26 und Diplom-Ingenieur. Vereinszweck ist Erhalt, Förderung und Pflege des Brauchtums. Viel zu erhalten und zu pflegen gibt es bisher nicht (siehe Kasten), aber das soll sich ändern.

Mitglied kann derzeit nur werden, wer mindestens 18 Jahre alt ist. „Wir haben keine Zeit, uns um Kinder zu kümmern.“ Wenn der Verein etwas gewachsen ist und sich gefestigt hat, soll auch der Narrensamen kommen. Maximal 20 Prozent der Mitglieder dürfen Nicht-Baisinger sein. Diese Regelung ist die Folge aus dem wohl gescheiterten Versuch, mit einer Narrenzunft Oberes Gäu eine Flecken-übergreifende Vereinigung zu bilden. Die Zunft gibt es noch, sie hat ihren Sitz in Baisingen, aber nur ein Baisinger ist Mitglied. Da war die örtliche Laufgruppe, der die jetzigen Vereinsgründer entstammen, lebendiger. 30 bis 40 Leute seien mitgesprungen. Vielen ist noch die Verkleidung als Bierkästen in Erinnerung.

Wer Mitglied wird bei den „Original Baisinger Narren“, muss ein Jahr Probezeit überstehen. Aktive investieren am Anfang einiges an Geld. Die Maske kostet 330 Euro, das Fell 50 Euro und das Häs, komplett von der Schneiderin auf Maß gefertigt, 320 bis 350 Euro. Der Betrag für die Maske ist als Kaution zu betrachten. Denn diese Insignie der künftigen Baisinger Fasnet gibt‘s nur leihweise. Wer den Verein verlässt, muss die Larve zurückgeben und erhält sein Geld wieder.

Über verschiedene örtliche Legenden, die die Vereinsgründer nicht überzeugten, kamen sie auf das Teufele oder Deifele. Das fanden sie ganz passend, gibt es doch die Brauerei im Dorf, deren Inhaber-Familie Teufel heißt. Wer sich das geschnitzte Deifele-Antlitz genau ansieht, entdeckt darin die Gesichtszüge eines Löwen.

Da schließt sich der Kreis: Die Brauerei heißt Löwen-Brauerei. Auf dem Etikett ihres neuesten Bierprodukts ist ein Gesicht, das dem des närrischen Hopfa-Deifeles sehr ähnelt. Ein Sponsoring des Vereins durch die Brauerei scheint unumgänglich.

Weil die hiesigen Maskenschnitzer großteils ausgelastet sind mit Schnitz-Arbeit, beauftragten die Baisinger den Holzbildhauer Simon Stiegeler in Grafenhausen im Südschwarzwald. Zufällig riecht es dort auch ziemlich nach Hopfen, Malz und Bier: Die Badische Staatsbrauerei Rothaus steht nur drei Kilometer entfernt von der Schnitzerwerkstatt.

Maximal 16 Masken kann Stiegeler bis zum Beginn der Fasnet schnitzen. In vier Umzügen in der Umgebung wollen die Baisinger vorm Schmotziga mitlaufen, in vier weiteren während der tollen Tage. Auch das Jahr über will sich der Narrenverein nützlich machen. An eine Jux-Olympiade ist gedacht, auch an ein Angebot fürs Sommerferienprogramm.

Baisingens Ortsvorsteher Horst Schuh trat dem Verein gleich als passives Mitglied bei, als der sich dieser Tage vorstellte. „Baisingen war das Hopfenzentrum“, sagte er durchaus in Abgrenzung zu Rottenburg. 1963 habe der letzte Hopfenbauer Josef Kiefer aufgehört.

Die Original Baisinger Narren stellten ihr Häs vor
Vier vom Verein Original Baisinger Narren: Erster Vorsitzender Fabian Heinzelmann, Schriftführerin und Häswartin Stefanie Stopper, Zweite Vorsitzende Desiree Ottmar und Kassiererin Corinna Richter. Stopper hat die Maske des Hopfa-Deifele in den Armen, neben ihr steht das mit Hopfenranken besetzte, fast schwarze Häs. Bild: Fleischer

Ganz neu ist die Fasnet in Baisingen nicht.Wie in den meisten katholischen Ortschaften der Gegend gab früher auch in Baisingen einen Fasnetsbrauch, der nur dort ausgeübt wurde. Der in Wurmlingen geborene Volkskundler Anton Birlinger beschreibt in seinem 1861 erschienenen Buch „Volksthümliches aus Schwaben“ einen Fasnetsbrauch in Baisingen. Demnach wurde dort bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts zum Ausklang der Fasnet die sogenannte Kartenlitanei gesungen.

Anton Birlinger schreibt dazu: „Auf einem Schubkarren voll Stroh sitzt Einer, die ‚Schella Sau‘ geheißen; der betet eine sonderbare Litanei vor, worauf die Anderen erwidern: ‚Nix für uns‘. Der Brauch wurde von einer bunt bekleideten Gruppe ausgeführt, die sich jedes Jahr zusammenfand. Die Kartenlitanei wurde von einer kleinen Gruppe humorvoller und witziger Ortsbewohner geschrieben. ru

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14.09.2012, 12:00 Uhr

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