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Eine sehr attraktive Dame

Die Philharmoniker probten erstmals in der neuen Stadthalle

Der Endspurt in der Stadthalle hat begonnen. Am Freitag und Samstag durften die Reutlinger Philharmoniker den Konzertsaal erstmals bespielen – mit durchweg positiver Resonanz.

05.11.2012
  • uschi kurz

Reutlingen. Bei der ersten Probe am Freitag war das Orchester in der etwas staubigen guten Stube mehr oder weniger unter sich. Am Samstag war dann jede Menge Prominenz in den noch unbestuhlten Rängen. Allen voran der Schweizer Stararchitekt Max Dudler, der die Stadthalle entworfen hat und der Berliner Akustikprofessor Edelbert Schaffert, der für ihren guten Ton und die perfekte Nachhallzeit verantwortlich zeichnet.

So „jungfräulich“ wie der Saal noch sei, klinge es schon richtig super, lobte Schaffert: „Das ist schon eine sehr attraktive Dame“. Die Stadthalle sei ein Kleinod in der näheren und weiteren Umgebung. „Qualität wird Qualität fördern“, ist er überzeugt. Um die fehlende Bestuhlung und das Publikum auszugleichen wurden die Wände der attraktiven Dame für die Probe mit großen schwarzen Tüchern verhüllt. Natürlich, erklärt Schaffert, könne man einen voll besetzten Saal nicht absolut realistisch simulieren, es klinge immer etwas „synthetisch“.

Es klinge aber schon viel besser als erwartet, freut sich WPR-Intendant Cornelius Grube, „jetzt können wir an die Feinabstimmung gehen“. Das ganze sei ein Prozess, aber „wir haben eine positive Basis auf der wir arbeiten können.“ Grube war zunächst etwas skeptisch ob man, wie vom Akustiker empfohlen, auf das Dachsegel verzichten könne. Nach wenigen Hörproben ist auch er überzeugt: „Das kriegen wir so hin.“ Am Freitag waren bereits Umbesetzungen im Wortsinn vorgenommen worden. Die Sitzpositionen der Pauken, Hörner und Celli wurden verändert, die Holzbläser wegen der besseren Resonanz auf Podeste gesetzt. Anders als dies in der Listhalle der Fall war, lässt die große Bühne Varianten zu und bietet überdies Platz für einen großen Chor wie er beispielsweise beim Eröffnungskonzert im Januar dabei sein wird.

Während das Orchester in kleiner Besetzung Schuberts 5. Sinfonie probt, werden die Akustikwände ausprobiert, die sich schräg in die Bühne fahren lassen. Die große Bühne wird so fast zur Muschel. WPR-Chefdirigent Ola Rudner springt immer wieder in den Zuschauerraum. „Das Holz ist jetzt kräftiger“, ist er schließlich mit dem Ergebnis zufrieden. Auch die Gäste, die im ganzen Saal umherwandeln, zeigen sich von dem Hörerlebnis beeindruckt.

Gegen Ende der Probe, steht Max Dudler mit gefalteten Händen auf der Empore und lauscht andächtig dem satten Sound. Das Interessante, sagt er hinterher, sei für ihn: „Wir haben hier so viel Technik und trotzdem funktioniert der Raum als Architektur immer noch.“

„Ich bin auf Wolke sieben“ – Oberbürgermeisterin Barbara Bosch hält mit ihrer Begeisterung nicht hinterm Berg: „Es ist alles wunderbar.“ Auch ihren Stammplatz hat sie bereits ausgeguckt. Irgendwo vorne am Rand, weil sie es nach dem Altenrat immer nur „kurz auf knapp“ ins Sinfoniekonzert schaffe. Aber auf jeden Fall „neben Herrn Grube“. Ein wenig Fachsimpelei muss sein. „Es ist einfach eine neue Dimension für uns.“ Bisher hätten die Reutlinger nach Wien oder Luzern fahren müssen, um so ein tolles Ambiente zu haben, „jetzt haben sie es zu Hause“. Auch Ola Rudner ist bereits nach wenigen Stunden am neuen Arbeitsplatz begeistert, obwohl sein Podium noch fehlt: „Der erste Eindruck ist sensationell und es wird noch viel besser werden.“

Ein erstes Probekonzert wird es am 4. Dezember für den Freundeskreis der Philharmonie geben. Noch ohne Originalbestuhlung, die Stühle kommen erst Mitte Dezember. Ansonsten läuft jetzt alles wie am Schnürchen. Besser gesagt, am Schnurbäumchen: Morgen werden die ersten Schnurbäume gesetzt.

Die Philharmoniker probten erstmals in der neuen Stadthalle
Die gute Stube war aus akustischen Gründen noch mit schwarzen Tüchern verhüllt. Die Hörprobe am Samstag fand gleichwohl Gefallen bei allen. Von links nach rechts: WPR-Intendant Cornelius Grube, OB Barbara Bosch, Projektleiter Klaus Kessler, Baubürgermeisterin Ulrike Hotz und Architekt Max Dudler.Bild: Haas

„Wenn die Musiker zufrieden sind“, weiß WPR-Intendant Cornelius Grube, „dann tragen sie die positive Resonanz nach außen.“ Und das scheint in der neuen Stadthalle der Fall zu sein.
„Ich höre mich richtig gut“, sagt Catherine Pietsch (Violine), die den Saal auch architektonisch sehr interessant findet.
Martin Künstner (Oboe) freut sich, „dass wir endlich Platz haben“.
Mariette Leners (Violine) beschreibt den Klang als sehr persönlich, „mit dem kann sich das Orchester identifizieren.“
„Die Streicher klingen wunderbar. Aber das Holz ist noch etwas leise“, findet Nastasja Nürnberger (Querflöte), die schon lange bei der WPR spielt. Sie empfand bei der Probe eine große Freude und hofft, dass sich die Qualität herumspricht und die neue Stadthalle ein Magnet wird. Der Posaunist Jürgen Jubl brachte es auf den Punkt. Er sagte zu OB Barbara Bosch: Es sei, wie wenn man von einem rostigen alten Auto auf einen Porsche umsteige.

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05.11.2012, 12:00 Uhr

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