Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Vollstrecker des Regimes

Die Polizei im NS-Staat – eine Ausstellung in der Volkshochschule

Um die Polizei als zentrales Herrschaftsinstrument des Nationalsozialismus geht es in der Ausstellung „Ordnung und Vernichtung – Die Polizei im NS-Staat“ in der Volkshochschule Tübingen. Widerstand leisteten nur ganz wenige Beamte.

16.11.2015
  • DOROTHEE HERMANN

Tübingen. Es war nicht allein die berüchtigte Gestapo, die im Namen des NS-Regimes politische und weltanschauliche Gegner terrorisierte. Alle Sparten der Polizei waren beteiligt. „Nach Kriegsbeginn beging die deutsche Polizei besonders in Osteuropa massenhaft Verbrechen gegen die Zivilbevölkerung“, sagte Patricia Ober von der Volkshochschule bei der Ausstellungseröffnung am Freitagabend vor etwa 40 Interessierten.

Deutsche Polizeibataillons erschossen in der Ukraine, in Weißrussland und der Sowjetunion 500 000 Menschen. In dieser Zahl seien die mit Hilfe der Polizei Deportierten und in Konzentrationslagern Ermordeten noch nicht berücksichtigt, sagte Andreas Beier von der Hochschule für Polizei in Villingen/Schwenningen. „Die Gestapo koordinierte die Deportation der Juden. Die Kriminalpolizei die der Sinti und Roma.“

Die Ausstellung „Ordnung und Vernichtung – Die Polizei im NS-Staat“ wurde von der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster und dem Deutschen Historischen Museum in Berlin zusammengestellt. In der Volkshochschule ist eine komprimierte Version zu sehen. Sie dokumentiert, wie sich die Gewaltexzesse innerhalb der Polizei steigerten, je länger das Regime bestand, von brutalen Verhörmethoden bis zum organisierten Massenmord in den besetzen Ländern.

Polizisten stellten das Wachpersonal für die Deportationszüge und überwachten die Ghettos, die nach der Besetzung durch die deutsche Wehrmacht in Polen und anderen osteuropäischen Ländern errichtet wurden. In großen Ghettos wie in Lodz oder Warschau mussten mehrere hunderttausend Juden auf engstem Raum ausharren. Geschwächt durch Zwangsarbeit, Hunger und Epidemien, „prägte Polizeiterror den Alltag der Ghettoinsassen“, heißt es auf einer der Schautafeln, die durch Landkarten voller Tatorte und Fotos bedrückend anschaulich werden. Wer aus den Ghettos zu fliehen versuchte, musste damit rechnen, von den polizeilichen Bewachern erschossen zu werden.

Einer der wenigen, die sich widersetzten, war der Kriminalbeamte Paul Kreber in Wuppertal. „Als Anfang 1943 die Deportationen der Sinti und Roma begannen, strich er die ihm bekannte Familie Weiss von der Deportationsliste“, heißt es in der Ausstellung. Zeitweise versteckte er die siebenköpfige Familie auch in seiner Dienstwohnung..

Nach Kriegsende seien nur ganz wenige Täter verfolgt und zur Rechenschaft gezogen worden, sagte Beier. Eine Besucherin wollte etwas anderes wissen: „Gibt es irgendwann eine Ausstellung über den NSU und die Polizei?“ Das Projekt Polizeigeschichte an der Hochschule Villingen/Schwenningen solle bis in die Gegenwart fortgesetzt werden, bestätigte Wedler-Krebs. Der Deutsche Herbst und Stuttgart 21 würden berücksichtigt.

Info Bis 15. Dezember, Volkshochschule Tübingen, Katharinenstraße 18. Mo bis Fr, 8.30 bis 21 Uhr; samstags 9 bis 17 Uhr. Am Donnerstag, 26. November, beleuchten Sigrid Brüggemann und Roland Maier Verbrechen der Gestapo in der Region (20.15 Uhr, VHS-Saal).

Die Polizei im NS-Staat – eine Ausstellung in der Volkshochschule
Zum nationalsozialistischen Polizei-Apparat gehörte nicht nur die Gestapo: Am Freitagabend war Ausstellungseröffnung in der Volkshochschule.Bild:Sommer

Die Auseinandersetzung mit der NS-Geschichte gehört zum Selbstverständnis der Polizei in einem demokratischen Staat, sagte Caroline Wedler-Krebs von der Hochschule für Polizei in Villingen/Schwenningen am Freitagabend in der Volkshochschule. Die Ausstellung sei außer für die interessierte Öffentlichkeit auch für die Weiterbildung von Polizeibeamten gedacht. Am Freitag, 20. November, bietet sie mit ihrem Kollegen Andreas Beier zwei Führungen an: Um 10 Uhr für Schüler und um 13.30 Uhr für Bürger. Die Teilnahme ist gratis. Bitte vorab anmelden unter Telefon 0 70 71 / 56 03 29 oder unter anmeldung@vhs-tuebingen.de.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

16.11.2015, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball