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Viel Programm für wenig Geld

Die Provisional Players - eine der ältesten Studentenbühnen

Über siebzig Produktionen in den vergangenen fünfundzwanzig Jahren: Die Provisional Players feierten jetzt runden Geburtstag mit einer Collage aus vielen verschiedenen eigenen Stücken.

17.07.2012
  • Moritz Schildge

Die Provisional Players sind die vielleicht bunteste Studententheatergruppe am Brechtbau mit dem vielleicht schwärzesten Humor – und sicher eine der ältesten. Die Gruppe ging 1987 aus einer sprachpraktischen Übung der Amerikanistik hervor. Zunächst hatte sie sich auf das zeitgenössische amerikanische Drama spezialisiert, mit den Jahren aber immer mehr Mut zum Experiment entwickelt.

Das in der vergangenen Woche aufgeführte „This Time, it‘s the End of the World“ nahm Bezug auf die hauseigene Produktion „It‘s not the End of the World“ aus dem Jahr 2006. Das Stück besteht hauptsächlich aus selbst geschriebenen Stücken, die zu einem großen Bohei arrangiert wurden.

„Viel Programm für wenig Geld“, so beschreibt Regisseur Oliver Schroeder, was die Provisional Players auszeichnet. „Wir brauchen jeden Abend zwanzig Zuschauer, bevor wir den ersten Tropfen Farbe verstreichen können.“ Durch eine Kooperation mit dem Landestheater Tübingen konnte immerhin ein neuer Bühnenboden finanziert werden – wovon alle Studententheatergruppen profitiert haben.

Da der größte Kostenfaktor die Rechte an den Stücken sind, haben die „Provis“ aus der Not eine Tugend gemacht und immer mehr Texte eigenhändig produziert. Dies hat wiederum zur Folge, dass diesmal bei 23 Einzelstücken für 23 Schauspieler gute Organisation gefragt ist: „Wir haben dieses Mal einen Stage-Manager gebraucht, um den Überblick zu behalten.“

Dabei schätzt Oliver Schroeder gerade die kleine Bühne im Brechtbau, da sie eine größere Intensität, eine größere Nähe zum Publikum erlaubt: „Manchmal hat man das Gefühl, man spielt gegen eine Wand. Manchmal geht das Publikum voll mit. Die Stücke sind jeden Abends anders, weil das Publikum anders ist.“ Es verwundert ihn manchmal, wie gut seine Schauspieler seien. Er führt das auf die Konkurrenzsituation mit anderen Brechtbau-Theater zurück. Der Anspruch sei hoch.

Oliver Schroeder ist seit 2006 bei den Provis, kennt die Gruppe aber schon viel länger. In den letzten Jahren hat er für mehrere Gruppen in über 30 Produktionen mitgewirkt, seit 2010 führt er Regie. Im Programmheft figuriert der hauptberufliche IT-Berater als „der armselige Mistkerl, der die Verantwortung zu tragen glaubt“. Die „Provis“ haben einen ausgeprägten Hang zur Selbstironie.

Die Brechtbau-Gruppen würden sich über die Veranstaltungen empfehlen, so Schroeder: „Die Leute kommen aufgrund dessen, was sie sehen und gesehen haben.“ Ähnlich familiär geht es auch innerhalb der Truppe zu. Kristine Hannak ist seit 1995 und damit inzwischen am längsten dabei: „Ich hab mindestens schon viermal endgültig aufgehört“.

Trotz Unterbrechungen halten viele der Gruppe die Treue: „Wir haben als Studenten angefangen und sind dann rausgewachsen“, meint die promovierte Germanistin. Die Gruppe ist „bunt gemischt“, mit Schauspielern zwischen 20 und 25 Jahren, und dank vieler Austauschstudenten immer sehr international besetzt. Mit Jonathan Sharp ist in der aktuellen Besetzung auch ein Dozent der Amerikanistik vertreten.

„Die Gruppe sieht jedes Jahr anders aus und hat trotzdem einen festen Kern“ – das assoziiert Kristine Hannak mit dem Namen der Gruppe. Immer ein bisschen provisorisch, immer ein bisschen improvisiert. Ähnlich denkt Stefanie Giebert, die seit 2004 dabei ist: „Es gibt sehr viel perfektionistischere Theatergruppen.“ Häufig würden die Provisional Players mit Professional Players verwechselt, so die promovierte Anglistin.

Tatsächlich liegen das Professionelle und das Provisorische hier nah beieinander. „Der Name passt einfach“, meint Elif Celikoglu. Die studierte Ethnologin macht seit 2003 mit. Sie habe sich vom ersten Tag an wie zu Hause gefühlt und gedacht: „Hier bleibt ich – die Leute haben auch so verrückte Ideen wie ich.“ Dabei ist ihr auch das Englische entgegengekommen. Es fühle sich „natürlicher“an.

Info: Im Dezember führen die Provisional Players „Arsen und Spitzenhäubchen“ von Joseph Kesselring auf.

Die Provisional Players - eine der ältesten Studentenbühnen
Zupackendes Studententheater: Der Boss (Jonathan Sharp) hat Bruce (Kai Blin) im Griff.

Die Provisional Players - eine der ältesten Studentenbühnen
Regisseur Oliver Schroeder (Mitte) und die „Provis“, feiernd.

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17.07.2012, 12:00 Uhr

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