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Die Queen wird 90 und hat ihr ganzes Leben in den Dienst der Krone gestellt
"Lang möge sie regieren"

Die Queen wird 90 und hat ihr ganzes Leben in den Dienst der Krone gestellt

20.04.2016
  • HENDRIK BEBBER

Der kleine Prinz George nennt sie "Gan-Gan", aber offiziell heißt seine Uroma "Elizabeth II., durch Gottes Gnade Herrscherin des Vereinigten Königreiches von Großbritannien und Nordirland und ihrer anderen Reiche und Territorien, Haupt des Commonwealth". Im Standesamtsregister ist sie noch schlicht als Elizabeth Alexandra Mary eingetragen, geboren am 21. April 1926 um 2:40 Uhr. Als Eltern werden der Herzog und die Herzogin von York genannt. Bei der Geburt rückte das Baby automatisch nach ihrem Onkel Edward und ihrem Vater auf die Nummer drei in der Thronfolge.

Das änderte sich schlagartig 1936, als König Edward VIII. den Thron räumte, um die geschiedene Amerikanerin Wallis Simpson heiraten zu können. "Bedeutet das, dass du einmal Königin wirst? Ach, du Ärmste", sagte die damals sechsjährige Prinzessin Margaret nach der Krönung des Vaters, König Georg VI., zu ihrer geliebten Schwester Lilibet. Tatsächlich war die unbeschwerte Kindheit Elizabeths vorbei, und sie wurde systematisch auf ihre künftige Rolle vorbereitet. An ihrem 21. Geburtstag gelobte sie, ihr "ganzes Leben - ob es kurz oder lang sein wird - in den Dienst der Nation zu stellen".

Es ist ein langes Leben geworden. Auch mit 90 ist die Queen putzmunter. Unverdrossen trabt sie mit Kopftuch und Reithosen durch den Park von Windsor wie einst als dreijähriges Mädchen auf dem Pony, das ihr Vater ihr geschenkt hatte. Nur: "Ich bin jetzt mehr eine Schönwetter-Reiterin und mag es nicht, nass und kalt zu werden", bemerkt die Queen nun leichthin zur Last der Jahre. Ihre enge Beziehung zu Pferden ist geblieben. Öffentlich zu sehen ist sie beim Rennen in Ascot, wenn Elizabeth aus dem Häuschen gerät, weil einer ihrer Gäule gewonnen hat.

Die Queen schätzt es wohl, dass ihre Pferde sich ebenso wenig von ihrem hohen Amt beeindrucken lassen, wie ihre Corgi-Hunde. Als ein Pony die Möhre einfach ausspuckte, mit der die Königin es nach dem Austritt belohnen wollte, lachte sie nur: "Sie ist eine Primadonna!" Lachen musste sie auch, als Prinz Charles zu ihr sagte: "Wenn du 90 wirst, kenne ich dich schon 68 Jahre." Daraus kann man wieder schließen, dass sie nicht an einen Rücktritt zugunsten ihres Sohnes denkt, der - nebenbei gesagt - auch den Rekord des ältesten Thronfolgers in der britischen Geschichte gebrochen hat. Schließlich hatte sie schon bei ihrem 75. Geburtstag betont, dass sie einen "Job fürs Leben" hat.

Wie ihre Präsenz und Würde schätzen die Untertanen ja den trockenen Humor ihrer Herrscherin. Als sie einmal in großer Garderobe mit der funkelnden Tiara auf dem Haupt vor der Tür des Prunksaals im Buckingham-Palast stand, fragte sie einen Lakaien: "Glauben Sie, dass wirklich jemand da drinnen ist, wenn wir die Tür öffnen?" Die scheinbare Sorge war grundlos, als die Fanfaren schmetterten und 600 Gäste beim Einzug der Queen applaudierten. "Wir sind sehr gut mit Pomp und Zeremonien", sagt Prinz William zu dem königlichen Brimborium, das die Amerikaner anerkennend die "Buckhouse Show" nennen. "In der ganzen Welt werden wir dafür bewundert, wie wir das abziehen."

1997 war es mit der Bewunderung für das britische Königshaus nicht weit her. Doch die Queen überwand die größte Popularitätskrise ihrer Regierungszeit. Von der Massenpresse war sie damals als "gefühlskalt und volksfremd" verdammt worden, weil sie sich nicht der kollektiven Trauerhysterie nach dem Tod von Prinzessin Diana unterwarf. Doch die Queen sah schnell ihren Fehler ein und korrigierte dieses Bild mit einer bewegenden Gedenkrede an die schwierige Schwiegertochter und verneigte sich vor ihrem Sarg.

Als ihr Palast halb abbrannte, Eheskandale den Ruf der Familie ruinierten, das Parlament über die königlichen Finanzen mäkelte und sie dazu eine schwere Grippe plagte, erschien die Königin dennoch zum Staatsbankett der Londoner City und seufzte nur über das "schreckliche Jahr", das sie durchgemacht hatte. Mit ihrer Makellosigkeit neutralisiert sie all den Klatsch und die Skandale, die sich um die Mitglieder ihrer Familie drehen. Ihr trockener Humor hielt auch die Regenbogenpresse auf Distanz: "Ich fürchte, wir müssen umziehen", kommentierte sie die peinliche Sicherheitspanne im Buckinghampalast, als ein geistesgestörter Eindringling stundenlang auf ihrer Bettkante saß.

Die schwierigen Zeiten sind zum 90. Geburtstag der Queen längst vergessen. Seit der Traumhochzeit von William und Kate und der Geburt von George und Charlotte erfreut sich die "Firma" heute einer ungeheuren Popularität. Der einst so ungestüme Prinz Harry hat sich zum Kriegshelden und Entwicklungshelfer gemausert und wurde zum Aushängeschild der modernen Monarchie. Die Queen gilt als Symbol nationaler Einheit. Sie hat schon die Regierungserklärungen von zwölf Premierministern verlesen, die unter ihr gedient haben, und steht mit ihren gerade mal 1,63 Metern Körpergröße über allem Parteiengezänk und dem politischen Unmut der Briten. Selbst die wenigen Monarchiegegner geben zu, dass die Königin "einen guten Job macht" - und den auch noch lange machen soll.

Lila leuchtende Niagarafälle und ein Mega-Straßenfest

Feierlichkeiten Der eigentliche Geburtstag am morgigen Donnerstag wird – auch wenn es der 90. ist – eher unspektakulär: Elizabeth wird einen Touristenpfad durch Windsor eröffnen. Allerdings sollen die Niagarafälle der Queen zu Ehren am Abend ihres Geburtstags leuchten. Am 21. April um 22 Uhr Ortszeit (22. April, 4 Uhr morgens MESZ) würden die Wasserfälle 15 Minuten lang lilafarben angestrahlt, sagte eine Sprecherin der Verwaltung der Niagarafälle. Kanada ist eine konstitutionelle Monarchie und gehört zum Commonwealth, Queen Elizabeth II. ist offiziell Staatsoberhaupt. Den Auftakt zu den großen Feierlichkeiten bildet ein viertägiges Spektakel im Park bei Schloss Windsor (12. bis 15. Mai). 1500 Menschen, darunter Schauspieler, Tänzer und Musiker, sollen das Leben der Queen in Szene setzen. Die Show wird live im Fernsehen übertragen. Mit dabei sein werden auch die australische Sängerin Kylie Minogue, der Tenor Andrea Bocelli und der Singer-Songwriter James Blunt. Der Höhepunkt der Festivitäten ist für den 10. bis 12. Juni in London geplant – samt Militärparade und einem Mega-Straßenfest. beb/eb

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20.04.2016, 06:00 Uhr

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