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Sport

Die Radler vom Bahnhof

Bei Sommertemperaturen wimmelt es im und um den Horber Bahnhof herum nur so von Radfahrern. Woher kommen sie und wohin geht’s?

11.08.2018
  • Kathrin Kammerer

Mehr als 80 Kilometer wollen sie heute zurücklegen: Gabi und Udo Gscheidle aus Pfrondorf, und Manuela und Manfred Gimmel aus Ofterdingen. Die beiden Frauen sind Schwestern. Gemeinsam mit ihren Männern starten sie immer wieder zu Radtouren. Den Maintal-Radweg haben sie beispielsweise schon in mehreren Etappen befahren.

Heute bleiben sie aber in der näheren Umgebung: Mit der Kulturbahn um halb 10 sind sie von Tübingen nach Horb gefahren. An Sommertagen wimmelt es besonders in diesem Zug nur so von Radfahrern. Am Horber Bahnhof gibt’s einen kurzen Zwischenstopp und ein Gespräch mit der SÜDWESTPRESSE. „Ich hab’ mir extra freigenommen“, sagt Udo Gscheidle. Von Horb aus geht’s dann mit dem Zug nach Rottweil, und von Rottweil aus wollen die Vier auf dem Neckartal-Radweg zurück nach Tübingen fahren.

„Eigentlich hätten wir in Rottweil noch gerne den Thyssenkrupp-Turm besichtigt. Aber die Wartezeiten sind so lange“, sagt Manfred Gimmel. Also werden die zwei Paare vermutlich nur kurz durch die schmucke Innenstadt fahren. „Mit dem Wetter haben wir Glück“, sagt Gabi Gscheidle. Bei 25 Grad fährt es sich schließlich angenehmer als bei 35 Grad – auch wenn alle Vier von einem Elektromotor unterstützt werden, wie sie mit einem Augenzwinkern zugeben.

Auch Markus Kandler ist mit Rad und Rucksack in Horb aus dem Tübinger Zug gestiegen. Der 23-jährige Student nutzt die Semesterferien und „das prächtige Wetter“ regelmäßig für Sportausflüge, sagt er. Die 37 Kilometer von Horb nach Tübingen (Horb-Rottenburg: 24 Kilometer, Rottenburg-Tübingen: 13 Kilometer) ist er schon häufig gefahren: „Besonders bei so einem Wetter ist das eine super Strecke“, sagt er. Drei Liter Wasser und zwei belegte Wecken hat er im Gepäck: „Das wird reichen.“

Auf dem Bahnhofsvorplatz stehen Christel und Helmut Lehmann. Die beiden sind seit Donnerstag mit dem Rad unterwegs: 230 Kilometer von Esslingen bis nach Häusern bei St. Blasien (Kreis Waldshut). Dort, am Schluchsee, wohnt Christel Lehmanns Bruder. Von Esslingen aus ging’s am Donnerstag zunächst über Tübingen nach Rottenburg: 65 Kilometer am ersten Fahrttag. Christel Lehmann fährt mit einem E-Bike, ihr Mann mit einem antriebslosen Rad. „Der ist geübter als ich“, sagt sie und lacht. Helmut Lehmann hat die selbe Tour vor fünf Jahren bereits gemacht. „Eigentlich wollte ich kein E-Bike, dachte, damit fahren ja nur Omas. Aber das ist dann doch ganz praktisch“, sagt Christel Lehmann.

Am Donnerstag, in Tübingen, gab ihr Rad-Motor plötzlich den Geist auf. Also bugsierten die beiden das schwere Gefährt zum Bahnhof, fuhren mit der Bahn nach Rottenburg und fanden dort „Gott sei Dank“ Hilfe beim Radladen Bayer. Wer schneller fährt? „Ich bin ohne Motor immer hintendran“, sagt Helmut Lehmann. Beim Kaufland neben dem Horber Bahnhof haben sich die beiden mit Wasser und Brezeln eingedeckt. „Hier hab’ ich bei meiner Tour vor fünf Jahren auch ’ne Wurst gegessen“, erinnert sich der Ehemann und lacht.

Die zweite Etappe nach Villingen-Schwenningen zählt 100 Kilometer, am dritten Tag wollen die beiden nochmal 65 Kilometer fahren. Was ihnen bisher am besten gefallen hat? Da sind sie sich einig: „Rottenburg ist ganz toll, verschlafen und schön.“ Von Tübingen seien sie eher enttäuscht gewesen. Ach, und Villingen-Schwenningen soll auch ganz schön sein, verspricht Touren-Experte Lehmann seiner Frau.

Auch Michael Brett nutzt diesen angenehmen Freitag für eine Radtour. Mit dabei: seine beiden Patenkinder Robin (9) und Niklas (7) Renner. Die Eltern der beiden Jungs haben noch keinen Urlaub sagt er: „Also sind sie halt mit’m Dedde unterwegs.“ Alle drei trinken eine kalte Spezi, Niklas nagt am letzten Pizzastück. 20 Kilometer von Vöhringen nach Horb haben sie bereits hinter sich, nach der Pause stehen nochmal rund 10 Kilometer in Richtung Dettingen an. „Da holt uns die Mama dann mit dem Anhänger ab.“. Ist so eine Radtour anstrengend? Die beiden Brüder schütteln die Köpfe. Und wer fährt am schnellsten? Einhellige Entscheidung: Robin. Die Stärke der Räder ist hier ganz hierarchisch verteilt: Niklas, der Jüngste, hat 21 Gänge, Robin hat 27 Gänge und „Dedde“ Michael hat 30.

41115 Radler im Juli

Tübingen hat drei Zählstellen für Radfahrer, eine davon steht in Hirschau auf dem Neckartalradweg. Dort wurden im Juli 2018 im Durchschnitt 1326 Fahrer pro Tag (41115 im Monat) gemessen. Im Juli 2017 waren es durchschnittlich 1145 Fahrer pro Tag (35500 im Monat) und im Juli 2016 waren es 1229 Fahrer pro Tag (38114). Die Hitze der vergangenen Wochen scheint zumindest die Radfahrer nicht verschreckt zu haben. Im Jahr 2017 wurden in Hirschau insgesamt 255810 Radfahrer gemessen.

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11.08.2018, 01:00 Uhr

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