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Die Magd als Königin

Die Reihe „Musik und Kunst“ im Diözesanmuseum widmete sich dem Marienlob

Das Marienlob in der figürlichen Darstellung und in der Musik des Mittelalters stellten Museumsleiterin Melanie Prange und die Renaissanc-e-Musiker Wilfried Rombach und Thorsten Bleich am Sonntag im Diözesanmuseum vor.

28.10.2014
  • Dunja Bernhard

Rottenburg. Rund 80 Zuhörer kamen zu der vierten Veranstaltung der Reihe „Musik und Kunst“ im Marienmonat Oktober. Der Evangelist Lukas bezeichnete Maria noch als „Magd des Herrn“. Doch nicht nur die Künstler des Mittelalters bedachten die Gottesmutter mit adeligen und königlichen Attributen. Den Kopf einer gotischen Madonna aus dem Bestand des Diözesanmuseums schmückt eine Haube aus mehreren gekräuselten Stofflagen (auf unserem Bild hinten in der Mitte). Diese Kopfbedeckung war im Mittelalter den adeligen Frauen vorbehalten. Der Künstler erhöhte Maria noch zusätzlich mit einer goldenen Krone.

Die meisten Marienbilder sind durch vier Farben geprägt. Gold steht dabei für den Glanz der Sonne. Das Unterkleid dieser Madonna ist rot, die Farbe der Liebe. Der Falten werfende Umgang spiegelte im Blau die Farbe des Himmels wider. Das Weiß der Haube symbolisiert Marias Unschuld.

Die Skulpturen früherer Jahrhunderten wurden immer wieder farblich umgestaltet, sagte Prange. So dass von den Originalfarben schließlich nichts mehr zu sehen war. Um diese wieder herzustellen, trugen Restauratoren später die Farbschichten wieder ab. Zum Teil wurden die Skulpturen auch abgelaugt, so dass heutzutage das Holz durchschimmert. „Nur so ließ sich die ursprüngliche Farbgebung rekonstruieren.“

Maria im göttlichen Hofstaat

Die gotische Madonna ist nicht vollständig erhalten. Es fehlt der rechte Unterarm, „Er war angestückt“, sagte Prange und zeigte auf eine Bohrung im Oberarm. Auch die Arme des Christuskinds fehlen. Die linke Hand könnte eine Weltkugel als Symbol für den Weltenherrscher gehalten haben. Die rechte lag sicher auf Marias Schulter. Maria wendet sich ganz ihrem Sohn zu.

Beim Konzil von Ephesos im Jahr 431 wurde Maria in den göttlichen Hofstaat eingegliedert, sagte Prange. Seitdem wird die einstige Magd thronend und bekrönt wiedergegeben. Auf Gemälden werde sie mitunter in einem Psalter lesend dargestellt und somit als Frau von hoher Bildung.

Als zweite Skulptur hatte Prange die „Madonna auf der Mondsichel“ ausgewählt (rechts im Bild). Der Meister von Weilen schuf sie im 16. Jahrhundert. Sie ist besser erhalten, auch weil sie seltener übermalt wurde. Im Gegensatz zu der Madonna aus dem 14. Jahrhundert, die auf einem Thron saß, steht diese Marienstatue. Wieder dominieren die Farben Rot und Gold. Die Falten des Umhang sind auf der rechten Seite aufwändig gestaltet, während sie links glatt herunter fallen. Diese Technik verleihe der Skulptur noch mehr Plastizität, sagte Prange.

Maria als apokalyptische Frau

Maria steht auf einer halben Mondsichel, die besonders gestaltet ist. Sie zeigt ein Gesicht mit einer Haube. Der Halbmond weise auf die apokalyptische Frau aus der Offenbarung des Johannes hin, sagte Prange. Dort steht über sie im 12. Kapitel: Große Zeichen werden am Himmel geschehen. Die Sonne begleitet sie, und der Mond liegt zu ihren Füßen. Der halbe Mond weise außerdem auf die Vergänglichkeit der Welt hin, so Prange.

Das Jesuskind auf dem Madonnenarm hält einen Apfel in der Hand. Ihm kommt die Rolle des „neuen Adams“ zu. Womit Maria den Part der „neuen Eva“ übernimmt. Der Apfel führt nicht mehr wie beim paradiesischen Baum der Erkenntnis ins Verderben, sondern stellt nun die Frucht vom Baum des Lebens dar.

Beide vorgestellten Skulpturen sind ausgehöhlt. Das weise darauf hin, dass sie in Schreinen von Flügelaltären standen, sagte Prange. „Die Rückseite spielte keine Rolle.“

Der Renaissancemusiker Wilfried Rombacher und der Lautist Thorsten Bleich präsentierten, wie die Komponisten des 15. und 16. Jahrhunderts Maria lobten: Mal lebhaft wie ein Instrumentalstück von Pierre Attaingnant, mal getragen wie verschiedene Fassungen von „Maria zart, von edler Art.“ Rombach agierte dabei mal am Portativ, einer Knieorgel, mal als Tenor.

Manche Texte sahen in der Gottesmutter auch die Frau wie „Dich Frau vom Himmel ruf ich an“ eines unbekannten Komponisten. Wie die Skulpturen im Laufe der Jahrhunderte an Tiefe und Farbe gewannen, so änderte sich auch die Musik. Ausdrucksstärker und melodiös anspruchsvoller als die Renaissancemusik komponierte Claudio Monteverdi sein Marienlob.

Viele Zuhörer nutzten die Gelegenheit, anschließend bei Wein und Gebäck mit den Vortragenden ins Gespräch zukommen.

Die Reihe „Musik und Kunst“ im Diözesanmuseum widmete sich dem Marienlob
Wilfried Rombacher, Tenor und Portativ, und Thorsten Bleich, Laute und Theorbe, musizierten Marienlieder von der Renaissance bis zum Frühbarock. Die Madonnen im Hintergrund stellte Museumsleiterin Melanie Prange mit allen Details und ihren Bedeutungen vor. Bild: Faden

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28.10.2014, 12:00 Uhr

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