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Royals

Die Residenz der Queen bröckelt

Der berühmte Buckingham-Palast in London ist marode. Die Renovierung wird zehn Jahre dauern und Unsummen verschlingen.

24.11.2016
  • JOCHEN WITTMANN

London. Der Putz bröckelt. Die Fenster schließen nicht dicht, und es zieht. Wenn das Wetter schlecht ist, muss das Personal schon mal Eimer aufstellen, um die Regentropfen von der Decke aufzufangen. Der Buckingham-Palast, die Londoner Residenz von Queen Elizabeth II., braucht dringend eine Generalüberholung. Seit den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts sind zum Beispiel die elektrischen Leitungen oder Wasserrohre nicht mehr modernisiert worden. Jetzt hat der Palast angekündigt, ab nächsten April ein umfassendes Renovierungsprogramm aufzulegen. Kostenpunkt: 369 Millionen Pfund, umgerechnet ca. 430 Millionen Euro. Nicht jeden Untertanen erfreut das.

Die Aufgabe ist immens. Zehn Jahre wird die Gebäudesanierung dauern, aber die Queen muss nicht ausziehen, denn es soll Flügel für Flügel abgearbeitet werden. Begonnen wird mit dem Ostflügel, den alle Welt als die Fassade des Palastes mit dem berühmten Balkon kennt. Dann renoviert man im Uhrzeigersinn weiter. Rund 100 Meilen an elektrischen Kabeln müssen verlegt, gut 30 Meilen an Wasserrohren ausgetauscht und 30 000 Quadratmeter Dielenbretter erneuert werden. Hinzu kommt die Modernisierung von 152 Toiletten, gut 2500 Heizkörpern und 6500 Steckdosen. Im Jahr 2025, freut sich Tony Johnston-Burt, der „Master of the Queen's Household“, habe man dann „einen Palast, der bis 2067 tipptopp ist.“

Um das Projekt zu finanzieren, hat die Regierung der Queen eine satte Gehaltserhöhung gewährt. Sie erhält den sogenannten „Sovereign Grant“, der 15 Prozent der Profite der Kronbesitztümer ausmacht. Über die nächsten zehn Jahre soll sie 25 Prozent bekommen, also statt der bisherigen rund 40 Millionen künftig um die 70 Millionen Pfund (über 82 Millionen Euro), im Jahr. Das ist eine Erhöhung von 66 Prozent. Kein Wunder, dass Protest laut wird.

„Der Gesundheitsdienst bricht zusammen, unsere Straßen wimmeln von wohnungslosen Jugendlichen, und tausende Familien müssen sich von Tafeln ernähren“, donnerte der „Mirror“, ein eher republikanisch gesinntes Blatt. „Und da präsentiert uns die reichste Familie im Land eine Rechnung von 369 Millionen Pfund, um ihr Haus aufzubretzeln.“ Auch der Labour-Abgeordnete Alex Cunningham versteht nicht, dass in Zeiten der Austerität so viel Geld für die Royals da ist. „Die Königliche Familie hat einen riesigen Reichtum, und ich weiß nicht, welche Art von Selbstbeteiligung sie bei diesem Projekt macht.“ Eine Petition im Internet, „Zwingt die Royals zu zahlen“, konnte binnen 24 Stunden mehr als 50 000 Unterzeichner versammeln.

Die Proteste laufen insofern ins Leere, weil der Buckingham-Palast, im Unterschied zu privaten Residenzen wie Sandringham oder Balmoral, der Queen nicht gehört. Es ist ihr Amtssitz, den sie und andere Mitglieder der Königlichen Familie nutzen, um Empfänge zu geben und Gäste zu bewirten – immerhin im letzten Jahr rund 130 000 Menschen. Die Instandhaltung des unter Denkmalsschutz stehenden Gebäudes ist keine Privatsache, sondern Aufgabe des Staates. Allerdings ist der Ärger verständlich vor dem Hintergrund, dass im letzten Jahr noch das Preisetikett für ein zehnjähriges Renovierungsprogramm nur auf 150 Millionen Pfund veranschlagt wurde.

Mit der Inflationsrate ist der Anstieg der Kosten nicht zu erklären. Man habe mehr und mehr Missstände entdeckt, hieß es seitens des Hofes. Der königliche Haushaltschef Tony Jonstone-Burt argumentierte, dass eine Renovierung billiger käme, weil man „einen viel teureren und katastrophalen Gebäudeschaden in den kommenden Jahren“ verhindern würde. Außerdem könne man nach der Renovierung den Palast für zahlende Gäste länger offenhalten. Schon jetzt sind es 550 000 Besucher im Jahr, die es sich umgerechnet 27 Euro kosten lassen, die Prunkräume zu besichtigen. In Zukunft sollen es wesentlich mehr werden.

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24.11.2016, 06:00 Uhr

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