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Die Royals: Perfekt, aber langweilig
Lupenrein und ohne Flecken: William und Kate mit den Kindern beim Abschied von Kanada. Foto: Getty Images
Adel

Die Royals: Perfekt, aber langweilig

In Kanada haben William und Kate wieder einen tadellosen Auftritt geliefert. Auch sonst läuft es bei den Windsors derzeit perfekt. Das hat System. Von Sven Kaufmann

04.10.2016
  • SVEN KAUFMANN

London. Da blinkte es wieder, dieses royale Zahnpasta-Strahlen in der kanadischen Sonne: Prinz William und Kate haben vergangene Woche den Commonwealth-Staat mit ihrer Charme-Offensive beglückt und einmal mehr einen absolut perfekten Besuch hingelegt.

Egal, wo sie mit ihren Kindern auftauchen – stets verströmen sie einen geradezu klinisch reinen königlichen Glamour und absolvieren routiniert ihr Programm – so präzise wie ein Pilot vor dem Start: Smalltalk mit Kanadas Ministerpräsident Justin Trudeau (44) und Ehefrau bei der Ankunft – check. Herzliches Händeschütteln beim Bad in der Menge – check. Politisch korrekter Besuch syrischer Flüchtlinge und ehemals drogenabhängiger Mütter – check. Abstecher bei den Heiltsuk-Indianern – check. Rund 30 Termine in acht Tagen.

Und die Mode erst: Stil-Ikone Kate war wie immer tadellos gekleidet. Sei es im engen blauen Reisekostüm samt keckem Hütchen oder in kanadisch roter Abendrobe nebst Brilli-Brosche in Ahorn-Form. Perfekt auch der Style als Holzfäller-Lady mit Lederstiefeln. Die Kinder – klein Georgie (3) wie immer in Shorts und Kniestrümpfen, die süße Charlotte (1) im Blümchenkleid – mochte man am liebsten knuddeln. Sie gelten als PR-Geheimwaffe der Queen.

Kleiner Makel: In Victoria demonstrierten ein paar Monarchiegegner gegen den Besuch. Geschenkt. Denn als die Botschafter Großbritanniens am Samstag wieder in den Flieger stiegen, war klar: Ihre Mission, zweifelnde Kanadier für die Monarchie zu erwärmen, ist geglückt. Die Checkliste ist abgearbeitet. Großmutter Elizabeth II., Staatsoberhaupt des flächenmäßig größten Commonwealth-Landes, kann zufrieden sein.

Überhaupt scheint bei den Royals in letzter Zeit alles glänzend zu laufen. Im Gegensatz etwa zu Norwegen, wo die Presse sich über Prinzessin Märtha Louises (44) Scheidung das Maul zerreißt. Oder die PR-Katastrophe in Spanien, wo am 19. Oktober im Korruptionsprozess das Urteil gegen die Königsschwester Infantin Christina (51) und ihren Mann Iñaki Urdangarin (48) fallen soll.

Vorbei mit „Party, Po, Pistolen“

Nein, in Britannien ist die Welt so heil wie Heidi-Land. Kein Harry, der auf Partys strippt. Keine Pippa, die mit Schlagzeilen über Party, Po und Pistolen die Gazetten nährt. Und Charles? Vergessen die Zeiten, in denen er sich mit Diana einen hässlichen Ehekrieg lieferte und unzüchtige Telefonate mit seiner Geliebten Camilla ruchbar wurden.

Stattdessen kümmert sich ein scheinbar geläuterter Prinz Harry sich rührend um Kinder in Afrika, Party-Pippa hat sich mit einem netten Banker verlobt, Charles wirkt mit Camilla wie ein Werbepaar für eine Rentenversicherung. Und über allem thront die altersmilde Queen (90) – beliebter denn je.

Die Royals sind so brav, dass die „Welt“ jüngst schrieb, sie verkörperten die perfektionierte Langeweile. Die „Bunte“ klagte über Kate: „Jedes Outfit makellos: Langsam wird's langweilig“. Man fragt sich: Gibt's denn keine Skandale mehr bei den Windsors? Wo sind die Zeiten in denen Fergie, Diana & Co. öffentlich liebten und litten?

ARD-Adels-Experte Rolf Seelmann-Eggebert witzelt: „Warten wir mal ab, die Kurven steigen und fallen.“ Die letzten Jahre seien ruhig gewesen, weil die Familie mehrere Jubiläen hatte, dazu die Hochzeit eines Thronfolgers und der 90. Geburtstag der Queen. Und es hätten sich zur rechten Zeit Kinder eingestellt. Die Jungen in „der Firma“ seien eingespannt, das derzeit positive Image weiter zu verbreiten. Kate und William etwa hätten eine Aufgabe zu erfüllen: „Sie müssen aufpassen, dass Australien, Neuseeland und Kanada im Commonwealth bleiben“, betont er.

Denn die Queen sei einst nur auf Zuruf „Head of the Commonwealth“ geworden. Es gebe in keiner Verfassung einen Hinweis darauf, wer die Nachfolge antrete. Wenn Charles König werde, sei nicht automatisch klar, dass er die Nachfolge im Commonwealth antrete. Dazu kommt, dass eine Mehrheit der Kanadier zwar die Queen als Staatsoberhaupt behalten möchte, aber die Beibehaltung der Monarchie nach deren Tod ablehnt.

Das erklärt, warum es in jüngster Zeit viele Commonwealth-Reisen gab. Und es lässt den Erfolgsdruck ahnen, unter dem das Paar stehen muss. Dafür liefert die royale Musterfamilie den perfekten Auftritt, dafür mutet man einem Dreijährigen die Rolle einer PR-Geheimwaffe zu. Zwölfmal, schrieb die „Süddeutsche“, sei Prinz George bereits vor die Weltpresse getreten – oder getragen worden. Schwesterchen Charlotte tritt diesen Job nun mit einem Jahr an.

Die Royals fahren also gut mit ihrem Kuschel-Kurs, Skandale brauchen sie für die PR nicht. Seelmann-Eggebert sagt, die Yellow Press fülle auch so die Titel. „Die Royals werden immer fotografiert und gezeigt, ob es Skandale gibt, oder nicht.“

Wem es bei der Friseur-Lektüre trotzdem zu langweilig werden sollte, der muss auf andere Königshäuser wie Spanien schauen. Oder er wartet, bis die Paparazzi wieder einen Riss in der heilen Windsor-Welt entdecken. Seelmann-Eggebert: „Ich wünsche den Jungen alles Glück der Erde, aber in irgendein Fettnäpfchen werden auch sie wieder treten.“

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04.10.2016, 06:00 Uhr

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