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Es gibt nur gute und schlechte Autoren

Die Schriftstellerin Taiye Selasi eröffnet am morgigen Mittwoch in der Alten Aula die Poetikdozentur

Über zwei Wochen erstreckt sich diesmal die Tübinger Poetikdozentur. Der Grund: Die Organisatoren müssen gleich vier global sehr mobile Literaten unter einen Hut bringen. Den Anfang macht am morgigen Mittwoch in der Alten Aula die Autorin Taiye Selasi, die den Begriff „Afropolitan“ geprägt hat.

11.11.2014
  • Wilhelm Triebold

Tübingen. Wobei die 35-Jährige, die mit ihrem Romandebüt „Ghana must go“ (deutscher Titel: „Diese Dinge geschehen nicht einfach so“) einem größeren Lesepublikum bekannt geworden ist, sich allzu einengenden Kategorien lieber entziehen möchte. Als Taiye Selasi vor zwei Jahren das Internationale Literaturfestival in Berlin eröffnete, stellte sie nicht nur das gängige Schubladendenken des internationalen Buchbetriebs infrage, indem sie postulierte: „Afrikanische Literatur gibt es nicht!“ Sie hinterfragte bei der Gelegenheit auch gleich noch das eigene, anhaftende Etikett des „Afropolitans“; des überall (und deshalb nirgends) heimischen, heimatsuchenden Literaturschaffenden afrikanischer Herkunft.

„Ich habe sehr schnell entdeckt“, begründete Selasi damals die nötige Präzisierung, „dass es unsere Existenzform überall auf der Welt gibt.“ Denn in Indien traf sie auf ein „indopolitisches Publikum“ und dabei auf einen geschätzten Kollegen, der ungerührt feststellte: „Es gibt nur zwei Arten von Schriftstellern: gute und schlechte.“

Das ist Taiye Selasi, wie sie inzwischen immer wieder betont hat, enorm wichtig. Sie will zuerst als Romanautorin wahrgenommen (und auch ernst genommen) werden. Die Oxford- und Yale-Absolventin hat zwar mit politischen Kommentaren zu Beginn auf sich aufmerksam gemacht. Doch bedauert sie, wie schnell Literaten – und speziell jene, die mit Afrika verbunden sind oder verbunden werden – auf (außen)politische Statements eingeschworen werden.

Dies seien, beklagt Selasi, „typische Denkmuster: nämlich dass afrikanische Schriftsteller im Grunde Soziologen sind, verkleidet als Künstler.“ Diese einschränkende Sichtweise lehnt sie grundsätzlich ab, selbst wenn sie ein offenes politisches Wort keineswegs scheut.

Als Autorin, soviel Selbstbewusstsein muss sein, tritt sie hinter das Werk zurück. Von Literatur-Nobelpreisträgerin Toni Morrison (und angeblich auch von Salman Rushdie) frühzeitig entdeckt, ermuntert und gefördert, glückte ihr mit der globalisierten, Kontinente überschreitenden Familiensaga „Ghana must go“ gleich der Durchbruch.

Deren Handlung spielt im gehobenen Migrantenmilieu an der US-amerikanischen Ostküste, wohin es einen ghanaischen Erfolgs-Chirurgen samt umtriebig-zielstrebiger Familie verschlagen hat. Eine Geschichte vom Scheitern und wieder Zueinanderfinden, deren autobiografische Grundierung genügend durchschimmert, die dazu auch ein „Wunder an Emotion und Intelligenz, an Härte und Wärme“ darstellt, wie der „Zeit“-Literaturchef Iljoma Mangold schwärmte.

Die Schriftstellerin Taiye Selasi eröffnet am morgigen Mittwoch in der Alten Aula die
In London geboren, in den USA aufgewachsen, ghanaische Wurzeln väterlicherseits und nigerianisch-schottische Ahnen mütterlicherseits: Taiye Selasi.Bild: Poetikdozentur

Mit Taiye Selasi beginnt am morgigen Mittwoch, 12. November, um 20.15 Uhr die Tübinger Poetikdozentur, hinterher gibt’s Brezeln und Wein. Ein Vorlesungstitel liegt nicht vor. Dasselbe gilt bei Nii Ayikwei Parkes, der am Donnerstag, 20. November, um 20.15 Uhr in der Alten Aula die zweite Veranstaltung bestreitet. Parkes ist nicht nur Prosaist und Lyriker, sondern auch Rapper und Poetry Slammer. Sein erster Roman „Die Spur des Bienenfressers“ war auch in deutscher Übersetzung erfolgreich. Eine politisch recht engagierte Autorin ist die indischstämmige Priya Basil, die im Audimax am Montag, 24. November, und Mittwoch, 26. November, jeweils um 20.15 Uhr Vorlesungen halten wird. Am Dienstag, 25. November und am Donnerstag, 27. November, ist dann die länger in Belgien und jetzt in den USA lebende Nigerianerin Chika Unigwe zu Gast. Alle Termine in englischer Sprache mit schriftlichen Übersetzungen.

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11.11.2014, 12:00 Uhr

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