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Roswitha Fischer, einst Wirtin der Weinstube Göhner, ist tot

Die Seele des Betriebs

Tübingen. Gäste umsorgen, danach schauen, dass sie sich wohlfühlen, Wünsche von den Lippen ablesen – das war die Stärke von Roswitha Fischer. Sie war eine der charaktervollen Gastwirtinnen von Tübingen. Am Montag ist die ehemalige Patronin der Weinstube Göhner im Alter von 98 Jahren gestorben.

10.02.2012

Die Aufgabe schien ihr auf den Leib geschrieben. Dabei war es nicht ihr Lebensziel, eine Wirtschaft zu führen. Sie war die Tochter eines Professors in Rottweil, ging selbst aufs Gymnasium. Sie heiratete nach einer kaufmännischen Ausbildung Ernst Fischer senior, der nach dem Krieg in der Regierung des Landes Württemberg-Hohenzollern arbeitete, als Landesdirektor für Ernährung.

Vermutlich hätte er später innerhalb der Landesverwaltung Baden-Württembergs weiter Karriere gemacht, wenn er nicht im Streit mit seinen Vorgesetzten um die Verteilung von Lebensmitteln zurückgetreten wäre. Ein folgenschwerer Entschluss. Denn so wurde aus dem Verwaltungsmenschen Fischer der Gastronom Fischer, der in der Küche am Herd stand und auf praktische Weise für die Ernährung der Bevölkerung sorgte. Und Roswitha Fischer stand im Gastraum und leitete den Service.

Das erstes Wirtshaus, das sie gemeinsam mit ihrem Mann führte, war die große Albvereins-Gaststätte auf dem Gönninger Roßberg. Dort erlebte auch Sohn Ernst Fischer seine Jugendjahre und den Beginn einer fabelhaften Gastronomen-Karriere: Seit Jahren ist der Hirsch- und Rosenau-Patron Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga. „Ich habe einiges von ihr mitbekommen – ganz bestimmt den gepflegten Umgang mit dem Gast“, erinnert sich Ernst Fischer. Seine Mutter, eine begabte Klavierspielerin, setzte sich gern ans Piano und begleitete die singenden Wanderer. Nach der elfjährigen Roßberg-Episode wirtete Roswitha Fischer in der Tübinger Rosenau, von 1966 bis 1972.

Viele ältere Tübinger Wirtshausbesucher kennen sie auch aus ihrer Zeit in der Weinstube Göhner zwischen 1972 und 1982. Sie war die Seele des Betriebs, bei allen Gästen beliebt. Weil sie es verstand, mit jedem Gast, ob Handwerker oder Akademiker, ein angenehmes, einfühlsames Gespräch zu führen. Roswitha Fischer war eine Frau, die ehrlich interessiert war am Wohlergehen ihrer Gäste. Sie wird am Dienstag, 14. Februar, um 11 Uhr auf dem Tübinger Bergfriedhof beigesetzt.

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Die Seele des Betriebs
Roswitha Fischer begleitet ihren Mann Ernst am Klavier. Privatbild: Fischer

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10.02.2012, 12:00 Uhr

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