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Die Spur verläuft im Nirgendwo
Schwieriges Unterfangen: Polizisten suchen im Wald nach Spuren im Mordfall Bögerl. Foto: dpa
Mordfall Bögerl

Die Spur verläuft im Nirgendwo

Mitten in der Nacht wird ein Tatverdächtiger festgenommen. Dann aber ergibt ein DNA-Test keinen Treffer. Nun ist der Mann wieder auf freiem Fuß und die Suche geht weiter.

07.04.2017
  • ERWIN BACHMANN

Die Enttäuschung bei den Ermittlern sitzt tief. Die über Nacht entstandene Hoffnung, den Mordfall Maria Bögerl nach fast sieben Jahren doch noch aufklären zu können, sie ging so schnell wie sie gekommen war. Ein am Mittwochabend in Königsbronn (Kreis Heidenheim) festgenommener Mann musste gestern wieder auf freien Fuß gesetzt werden, nachdem feststand, dass sich der gegen ihn gerichtete Verdacht per DNA-Analyse nicht erhärten ließ.

Noch am Tag zuvor hatte alles darauf hingedeutet, dass Bewegung in den spektakulären Kriminalfall kommt. Die heiße Spur hatte der 47-Jährige dabei praktisch selbst gelegt. Im Juli vergangenen Jahres hatte er im nordrhein-westfälischen Hagen, wo er sich wegen einer medizinischen Behandlung aufhielt, betrunken zwei junge Leute angesprochen und ihnen laut Polizei erklärt, dass er Maria Bögerl im Mai 2010 erstochen habe. Als Grund gab er an, die Bankiersfamilie gehasst zu haben. Die beiden Passanten nahmen seine Ausführungen mit dem Handy auf und brachten die Ermittler so auf seine Spur.

Acht Monate nach diesem Vorfall, an diesem Mittwochnachmittag, nahm der Fall nun scheinbar eine spektakuläre Wendung. Mit einem Fahndungsaufruf ging das Bundeskriminalamt an die Öffentlichkeit. Nur Stunden später wurde die Fahndung auch über die ZDF-Fernsehsendung „Aktenzeichen XY“ ausgestrahlt, die von 5,6 Millionen Zuschauern gesehen wurde. Während und nach der Sendung meldeten sich über die Studio-Hotline rund 180 Anrufer, die der Polizei Informationen zum Fall Bögerl zukommen ließen. Um die 60 Zeugen gaben an, die Stimme erkannt zu haben.

Schon zuvor hatten mehrere Zeugen aufgrund der Stimmaufnahme einen in Königsbronn wohnenden Mann identifiziert, auch wenn das veröffentlichte Phantombild kaum Ähnlichkeit mit dem Gesuchten aufwies. Er wird als einfach strukturiert und bisweilen verwirrt beschrieben, der des öfteren in einem Tarnanzug in den heimischen Wäldern herumstreift und selbst erfundene Wehrspiele absolviert. Im November 2016 soll er sich in stationärer psychiatrischer Behandlung befunden haben.

Der Zugriff am Mittwoch erfolgte schnell: Noch vor Mitternacht wurde der Gesuchte in seiner Wohnung festgenommen. Er leistete keinen Widerstand und wurde nach Ulm in Polizeigewahrsam gebracht, wo er die ganze Nacht über vernommen wurde. Dabei räumte er ein, im Sommer letzten Jahres in Hagen gewesen zu sein, bestritt aber jede Beteiligung an der Entführung und Ermordung Maria Bögerls.

Eine DNA-Probe sollte Klarheit bringen. Doch nur wenige Stunden später die Ernüchterung: Die DNA des Mannes stimmt nicht mit dem vor sieben Jahren im Auto Maria Bögerls sichergestellten Erbgut überein. Der Mann wurde wieder auf freien Fuß gesetzt.

Zwar suchten Experten auch in seiner Wohnung noch nach möglichen Spuren, doch das Ergebnis war auch hier negativ, wie Pressestaatsanwalt Armin Burger auf Anfrage mitteilte. Dem Nachrichtenmagazin „Focus“ sagte der Königsbronner: „Ich bin wieder frei, ich bin aus dem Schneider, das ist bewiesen.“

Bleibt die Frage, warum sich die Ermittler erst nach acht Monaten entschieden haben, mit dieser vermeintlich heißen Spur an die Öffentlichkeit zu gehen. Staatsanwalt Burger erklärte, dass man keinesfalls untätig gewesen sei, sondern mit der Stimmenaufzeichnung und später auch mit dem Phantombild intensive Ermittlungen betrieben habe. Unter anderem habe man Meldeämter abgegrast und Akten der Rentenversicherung durchforstet.

Und jetzt? „Wir ermitteln weiter,“ sagt Ulms Polizeipressesprecher Uwe Krause, der es auch als einen Erfolg sieht, dass man diese Spur abschließend klären konnte. Jetzt gehe es darum, auch andere Hinweise abzuarbeiten und auf ihre Relevanz hin zu prüfen, die im Zuge dieser Öffentlichkeitsfahndung eingegangen seien. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft gibt es auch weitere Ermittlungen im Umfeld des freigelassenen Mannes. Diese Arbeit wird von der beim Polizeipräsidium Ulm eingerichteten Ermittlungsgruppe gemacht, die aktuell auf die frühere Soko-Stärke von 20 Mann hochgefahren worden ist und in dieser Struktur auch die nächsten Tage weitergeführt wird.

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07.04.2017, 06:00 Uhr

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