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Mehr für die Kleinen tun

Die Stadt will bei Kinderbetreuung flexibler werden

Mit der Hilfe von Unternehmen will Rottenburg ein breiteres Angebot bei der Kinderbetreuung anbieten. Darin waren sich gestern Vertreter/innen von Stadt, Gemeinderat und Arbeitgebern einig.

25.09.2012
  • Gert Fleischer

Rottenburg. Das Angebot an Kinderbetreuung ist in Rottenburg während der Hauptzeiten flächendeckend sehr ordentlich. Schlecht dran sind allerdings Eltern, die schon früh um 6 Uhr arbeiten müssen oder abends bis 20 oder 21 Uhr – keine Einzelfälle, wie sich gestern bei einem Treffen in der Mensa des Paul-Klee-Gymnasiums zeigte.

Im Gefängnis fängt die Frühschicht um 6 Uhr an. Personalrätin Brigitte Heyer rechnet mit fünf Kolleginnen, die für ihre Kinder solch frühzeitige Betreuung benötigten. Bei der Hospitalstiftung, wo dominierend Frauen in den Pflegeheimen beschäftigt sind, beginnt der Dienst ebenfalls um 6 Uhr, abends reicht er teilweise bis 21 Uhr, sagte Personalratsvorsitzende Monika Peter.

Von öffentlichen Arbeitgebern ist diesbezüglich mehr bekannt als von privaten. Aber auch dort vermissen die Beschäftigten für ihre Kinder Betreuungsangebote, die zu ihren Arbeitszeiten passen. Das berichtete Marion Trieß, die als Wirtschaftsprüferin und Steuerberaterin bei „Auren“ in Rottenburg viel Kontakt hat zu hiesigen Unternehmen. Sie kennt eine Firma, die aktuell zehn Kinderbetreuungsplätze sucht, allerdings müssten die Kleinen um 7 Uhr gebracht werden können.

Aus dem eigenen Unternehmen weiß Trieß, wie schwierig es ist, junge Fachkräfte zu bekommen. „Oft hapert es an der Kinderbetreuung“, sagte sie. Trieß leitete zusammen mit Katherine Enke von familyNET aus Tübingen und Schulamtsleiter Karlheinz Geppert den Meinungsaustausch. Enke sagte: „Wir vernetzen Unternehmen.“ Das ist das Kernangebot, aber sie sei auch Service-Hotline, wenn ein Betrieb für einen neuen Mitarbeiter schnell einen Kindergartenplatz braucht.

Geppert betrachtet die erwünschten Auskünfte von Arbeitgebern „schon als Teil der diesjährigen Kindergartenbedarfsplanung“. In den Gesprächen wurde gestern klar, dass es nicht um Betriebskindergärten geht. Mit vielfältiger Unterstützung durch die Arbeitgeber sei der Bedarf zielgenauer zu decken. Da könnten beispielsweise private Tagesmütter abends in den Räumen städtischer oder kirchlicher Kindergärten die Spätbetreuung einiger Kinder übernehmen. Auch das Fitness-Studio „Mapet“, das schon seit den neunziger Jahren Kinder der Kunden und von Mitarbeiterinnen im Betrieb betreut, würde seine dafür gebauten Räume anbieten, um Syn ergien zu nutzen.

Gute Gründe sprächen dafür, sagte Enke, dass sich Unternehmen aktiv um Kinderbetreuung kümmern. Nicht nur, dass sie gutes Personal bekommen; die jungen Mütter und Väter haben dann auch weniger Ausfallzeiten, die Ausbildungsinvestition geht nicht verloren, es gibt weniger Fluktuation, die Leute seien motiviert und loyal.

Es gibt eine ganze Reihe von Modellen, wie Kinderbetreuung organisiert werden kann. Eine Stütze dabei ist der Tagespflegeverein des Landkreises, für den Ute Hentschel gekommen war. Er berät und hilft sehr individuell, und er qualifiziert Tagesmütter. Betriebe könnten aber auch Plätze im Kindergarten belegen und somit selbst entscheiden, welche ihrer Mitarbeiterinnen einen Platz für ihr Kind bekommt.

Bei aller Vielfalt spielt das Interesse der Eltern eine starke Rolle. Manche wollen ihr Kind nahe beim Arbeitsplatz betreut haben, andere wohnortnah. Für die Unternehmen gibt es, wie Trieß erläuterte, steuerliche Entlastungen, wenn sie Zuschüsse zur Kinderbetreuung zahlen – zusätzlich zum Gehalt, das ist Bedingung.

Einig waren sich die Versammelten, in den nächsten vier bis sechs Wochen alle Unternehmen in der Stadt anzuschreiben, um deren gesamten Bedarf zu ermitteln. Darauf aufbauend müsse letztlich der Gemeinderat entscheiden. Karl Schneiderhan, CDU-Stadtrat im Sozialausschuss, forderte, an zwei drei Stellen im Stadtgebiet angebotsorientiert offensiv zu werden und eine Betreuung von 7 bis 19 Uhr anzubieten, auch wenn sie nicht gleich voll ausgelastet wäre. „Bedarf wecken, nicht nur decken“, appellierte er. Geppert ließ erkennen, dass er bei allen nachteiligen Erfahrungen der Vergangenheit diese Richtung mitträgt: „Irgendwo sollten wir mal mit so einem Angebot anfangen.“

Die Stadt will bei Kinderbetreuung flexibler werden
Kinderbetreuung vor drei Jahren: Die damals neue Kuschelecke im Evangelischen Kindergarten Ergenzingen. Rechts Simone Klein. Archivbild: Sommer

Ein TAGBLATT-Artikel im Juni, in dem es um weibliche Führungskräfte ging sowie um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, gab Marion Trieß den Impuls zum Versuch, in Rottenburg die Unternehmen zu vernetzen. Ziel: Den verborgenen Bedarf an Kinderbetreuung der Beschäftigten zu ermitteln. Trieß wandte sich an Katherine Enke von der Tübinger Niederlassung der BBQ Berufliche Bildung gGmbH. Enke ist Ansprechperson für das BBQ-Projekt familyNET. Das wiederum erhält über das Land Baden-Württemberg Mittel aus dem Europäischen Sozialfonds ESF und wird unterstützt von Südwestmetall und vom Arbeitgeberverband Chemie.

Zusammen mit familyNET und Trieߑ Arbeitgeber „Auren“ lud die Stadt Rottenburg Arbeitgeber zu dem gestrigen Gespräch ein. 16 Firmen und Organisationen waren präsent, etwa ebenso viele zeigten Interesse, mussten sich aber entschuldigen.

Arbeitgeber in Rottenburg, die familienfreundliche Personalpolitik machen und die Kinderbetreuung betrieblich unterstützen wollen, finden in Katherine Enke die richtige Ansprechpartnerin unter 0 70 71 / 9 65 27 oder per e-Mail an
kenke@bbq-online.de.

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25.09.2012, 12:00 Uhr

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