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Platz zum Chillen und Spielen im Tübinger Badeparadies

Die Stadtwerke wollen ihr Freibad um 2,6 Hektar erweitern

Das Tübinger Freibad soll schöner, geruhsamer, aber auch noch lebhafter werden – und dazu vor allem größer: Die Stadtwerke wollen ihr Badeparadies in den Weilheimer Wiesen um über ein Drittel auf dann sieben Hektar erweitern. Wenn sich die Anwohner auf der anderen Neckarseite nicht querlegen, soll der neuen Liege- und Spielbereich bereits im Sommer 2016 fertig sein.

26.11.2014
  • Sepp Wais

Tübingen. Dass das städtische Freibad dem wachsenden Andrang an den Kassen bald nicht mehr gewachsen sein würde, darauf hat man sich im Tübinger Rathaus schon vor sechs Jahren eingestellt. Damals legten die Stadtplaner dem Gemeinderat ein Gesamtkonzept für die Sport- und Freizeitanlagen in den Weilheimer Wiesen vor, das eine Erweiterung des Freibad-Geländes in südwestlicher Richtung vorsah.

Die Stadtwerke wollen ihr Freibad um 2,6 Hektar erweitern
Mit der Erweiterungsfläche wird das Tübinger Freibad um über ein Drittel größer – und die Hobby-Kicker bekommen einen neuen 60 mal 100 Meter großen Bolzplatz.

Bald darauf haben sich die Stadtwerke die für die Expansion nötigen Felder gesichert. Der größte Teil der Erweiterungsfläche – 24 052 Quadratmeter – gehörte der Stadt. Sie trat ihre Grundstücke für 360 000 Euro an ihre Tochtergesellschaft ab. Dazu besorgten sich die Stadtwerke noch zwei private Parzellen mit zusammen 2279 Quadratmetern. Mit diesem Zugewinn von über 2,6 Hektar soll das Freibad-Areal nun auf voller Breite um 220 Meter in südwestlicher Richtung verlängert werden. Inzwischen wissen Stadtwerke und Stadtverwaltung auch schon sehr genau, wie die Erweiterungsfläche gestaltet und genutzt werden soll. Am Dienstagabend stellten sie das auf zwei Millionen Euro veranschlagte Projekt bei einer Bürgerinformationsveranstaltung im Technischen Rathaus vor.

Das vom Uracher Büro Fritz-Planung erarbeitete Konzept sieht keine neuen Plansch- und Schwimmbecken vor. Aus gutem Grund meinte Frank Raible, der Bäder-Chef bei den Stadtwerken. Zum einen kosteten die Becken beim Bau wie später beim Unterhalt den ohnehin defizitären Badebetrieb eine Menge Geld. Und zum anderen ginge es – zumal an hitzigen Tagen – im Freibad an Land noch enger zu als im Wasser. Deshalb habe man sich bei der Erweiterung von Anfang an darauf konzentriert, den Trubel an Land zu entzerren, also die Ruhezonen zu vergrößern und das Sportangebot auszuweiten.

Tatsächlich tun sich den Sportlern im erweiteren Freibad (siehe dazu die Planskizze auf der zweiten Lokalseite) ganz neue Spielräume auf. Allerdings müssen sie dafür einen längeren Anmarsch in Kauf nehmen.

Liegestühle im Sand und Hängematten im Hain

Um die Ruhezone im zentralen Bereich zu vergrößern, werden die Ballspielplätze ans südwestliche Ende der Expansionsfläche ausgelagert. Wer von dort zurück ins Wasser will, kommt auf dem zentralen Fußweg an mehreren Ruhebereichen vorbei. Rechts des Weges platzieren die Planer eine Sandinsel mit Liegestühlen und einen Hain mit Hängematten. Linkerhand sollen eine mit einem kleinen Erdwall eingesäumte „Oase der Ruhe“ und nebenan ein „Sinnes- und Fitnesspfad“ angelegt werden.

Die 30 Zuhörer, die zur Plan-Präsentation gekommen waren, beschäftigten vor allem zwei Fragen. Zum einen wollten etliche Fußball- und Rugbyspieler wissen, was aus ihrem abgewetzten Bolzplatz hinterm Freibad wird – und freuten sich dann zu hören, dass sie 220 Meter weiter einen neuen Rasenplatz bekommen. Nicht ganz so leicht war die größere Fraktion im Publikum zufriedenzustellen. Dabei handelte es sich um Anwohner der Rappenberghalde, die – in Sorge um ihre Tag- und Nachtruhe – deutlich machten, dass sie nicht noch mehr Krach vom anderen Neckarufer abkriegen wollen.

Diese Angst suchte ihnen Tim von Winning mit dem Verweis auf die Ergebnisse eines Lärmgutachtens (siehe Kasten) zu zerstreuen. Der Chef der Tübinger Stadtplaner brachte die Kernbotschaft der Expertise auf die kurze Formel: „Die Erweiterung des Freibads wird die Situation für die Anwohner nicht verschlechtern, sondern eher verbessern.“ Damit verband er die Hoffnung: „Ich würde mich sehr freuen, wenn wir Sie heute davon überzeugen könnten, dass Sie nichts zu befürchten haben.“

Die Sorge hinter Winnings Vorfreude: Die Stadtwerke wollen schon im Sommer 2015 mit dem Ausbau loslegen und ein Jahr später damit fertig sein. Dieser Zeitplan ist aber nur dann realistisch, wenn es ohne Bebauungsplan geht. Und ohne Bebauungsplan wiederum geht es wohl nur, wenn von den Anwohnern keine Einsprüche kommen.

Um die Anwohner jenseits des Neckars zu beruhigen, hat die Backnanger Firma Soundplan ihrer schalltechnischen Untersuchung den „worst case“ zugrunde gelegt: einen Spitzensonntag mit 8000 Badegästen plus einem Sicherheitszuschlag von 800 weiteren Besuchern, die nicht kommen und gehen, sondern sich in voller Stärke im Freibad tummeln. Die Modellrechnung mit diesen Zahlen ergab, dass die Emissionen des heutigen Freibads die Richtwerte in der Wohn anlage gegenüber und im Camping-Platz geringfügig überschreiten. Verteilt man die 8800 Badegäste auf die größere Fläche des erweiterten Freibads, sieht das Ergebnis so aus: Dort, wo die Anwohner heute etwas zu viel Lärm abkriegen, wird es etwas ruhiger. Dafür steigt der Lärmpegel weiter draußen an der Rappenberghalde leicht an, bleibt dort deutlich unter dem Richtwert – im „worst case“!

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