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In leuchtend frischen Farben

Die Stuckdecke der Hauskapelle wird saniert

Die Hauskapelle ist für Regens Andreas Rieg der wichtigste Raum und spirituelle Mittelpunkt des Priesterseminars. Derzeit wird der historische Altarraum der ehemaligen Karmeliterkirche aus dem 13. Jahrhundert restauriert.

01.09.2012
  • martin zimmermann

Rottenburg. Selten kommt man einer Kirchendecke so nah wie derzeit im Priesterseminar. Ein Baugerüst füllt den gesamten Innenraum der Kapelle. „Von hier oben erkennt man erst, wie die Künstler damals gearbeitet haben. Auch die kleinen Fehler und Unsauberkeiten, denn man hatte damals ja noch nicht die technischen Möglichkeiten wie heute“, sagt Restaurator Hansjörg Zierau.

Seit der letzten Restaurierung vor zwanzig Jahren hat der Kerzenrauch Spuren hinterlassen. Vieles ist vergraut. Die Risse in den Stuckarbeiten, die noch aus der Zeit des Wiederaufbaus der Kirche nach dem Stadtbrand von 1735 stammen, treten dunkel hervor.

Nun wird der barocke Deckenstuck mit seinen Zierblumen, Schnörkeln und Zierranken erst einmal mit Putzschwämmen gründlich gereinigt. Große Risse werden vorsichtig ausgebessert, an manchen Stellen wird reversible Mineralfarbe dünn aufgetragen. Die Devise ist dabei, so wenig Farbe wie möglich zu verwenden, „um nicht alles zuzuschmieren“, so Zierau. „Wir machen mehr Dreck weg als Farbe drauf“, sagt der Restaurator.

Im Rahmen eines Berufspraktikums darf auch seine 16-jährige Tochter Stella bei der Restaurierung helfen. Die Schülerin des Reutlinger Albert-Einstein-Gymnasiums findet die Arbeit während der Sommerferien „anstrengend, aber wenn man die Veränderung sieht, auch lohnend“.

Für den Mössinger Architekten Ernst-Martin Rempfer, der seit 1995 immer wieder Restaurierungen im Priesterseminar durchführt, ist die Kapelle wegen ihrer Baugeschichte besonders interessant. „Ursprünglich war das ja der Altarraum der Kapuzinerkirche. Der Stuck wurde durch die Mauer plötzlich abgetrennt“, erzählt er.

Tatsächlich geht die Mauer durch die Blüte einer Zierblume mitten hindurch. Diese Mauer wurde nach der Aufhebung des Karmeliterklosters 1806 gebaut, um den Chor vom Schiff zu trennen. Im Schiff der ehemaligen Kirche wurden nach Gründung des Bistums Wohnungen für die Domherren gebaut. Heute befinden sich dort das Diözesanmuseum und die -bibliothek. Erst 1899 wurde im Chor der ehemaligen Klosterkirche die Hauskapelle des Priesterseminars eingerichtet.

Nachdem die Renovierungsarbeiten am Stuck weitgehend abgeschlossen sind, beginnt für Restauratorin Claudia Zerlaut und ihre Kollegen die Restaurierung der Fresken, die in den 1930er Jahren von Wilhelm Geyer gemalt wurden. Die Werke des expressionistischen Kirchenkünstlers galten den Nazis als „entartete Kunst“. In der nicht öffentlich zugänglichen Hauskapelle konnte der Stuttgarter, der nach dem Krieg auch die Fenster im Dom gestaltete, sein öffentliches Malverbot umgehen.

Restauratorin Zerlaut muss an den Rändern der 75 Jahre alten Fresken erst einmal Proben nehmen. Damit kann sie feststellen, ob der Künstler damals wirklich in den nassen Putz malte, „al fresco“, wie es im Italienischen heißt. „Es kommt vor, dass der Putz doch schon angetrocknet war, und die Farbe darauf puderig ist. Dann muss man sie zusätzlich festigen“, erklärt Zerlaut.

Zum 7. September soll die Renovierung der Kapelle abgeschlossen sein. Dann beginnt für Regens Andreas Rieg ein neuer Kurs, in dem sieben Alumnen aufs Priesteramt vorbereitet werden. „Ich erhoffe mir dann ein neues Raumgefühl in der Kapelle“, sagt Rieg.

Info Ein Regens ist der Leiter eines bischöflichen Seminars, seine Schüler werden Alumnen genannt.

Die Stuckdecke der Hauskapelle wird saniert
„Wir machen mehr Dreck weg als Farbe drauf.“ Restauratorin Claudia Zerlaut reinigt den vergrauten Stuck an der Kapellendecke, dem ehemaligen Altarraum Karmeliterkirche, mit einem Spezialschwamm. Bild: Zimmermann

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01.09.2012, 12:00 Uhr

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