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Die Stunde des Präsidenten
Foto: afp/vladimir simicek
Zur Person Andrej Kiska

Die Stunde des Präsidenten

Ernst sieht Andrej Kiska in die Fernsehkameras. Die Hände des slowakischen Präsidenten umklammern das kleine Rednerpult, als suchten sie Halt in den schwersten Tagen, die die junge Slowakische Republik seit ihrer Gründung 1993 durchleidet.

06.03.2018
  • HANS-JÖRG SCHMIDT

Bratislava. Eine Woche hat sich Kiska zum Mord an dem Enthüllungsjournalisten Jan Kuciak und seiner Verlobten zurückgehalten. Jetzt verlangt er eine grundlegende Regierungsumbildung oder Neuwahlen. Die Antwort von Premier Robert Fico: „Nein.“ Doch Kiska bleibt bei seinem Verlangen, macht es öffentlich und trifft den Nerv vieler Slowaken.

Die slowakischen Zeitungen danken es Kiska. „Er hat begriffen, was auf dem Spiel steht für die Slowakei, auch international, während sich Premier Fico mit seinen Getreuen uneinsichtig in einer Art Bunker verbarrikadiert, abgehoben von der Wirklichkeit“, heißt es in zahlreichen Kommentaren. Und die Autoren sprechen von der „Stunde des Präsidenten“. Sie verbinden damit indirekt den Wunsch: Kiska möge bitte weitermachen.

Ob er das tun wird, ist offen. Der 55-Jährige ist vor einem halben Jahr erneut Vater geworden. Jedes Wochenende ist er, wenn es ging, von Bratislava zu seiner Familie gereist. Diese Reisen sind ein heikles Thema. Die Fahrt mit dem Auto dauert sechs Stunden. Kiska steht jedoch die Flugbereitschaft zur persönlichen Verfügung, was ihm zu Beginn seiner Amtszeit ausdrücklich von Innenminister Robert Kalinak – dem engsten Vertrauten von Premier Fico – zugesichert wurde. Seit kurzem verlangt nun Kalinak, dass der Präsident die Flüge aus seiner eigenen Tasche bezahlt. Die Rechnung belaufe sich bisher auf eine Million Euro.

Vorwurf des Landesverrats

Kiska könnte diese Summe locker bezahlen. Mit seinem Bruder gründete und leitete er Institute für Kleinkredite. Die Institute verkaufte er für mehrere Millionen Euro an eine einheimische Bank und wurde Wohltäter. Er gründete unter anderem eine Organisation, die kranken Kindern und deren Eltern zugute kommt. Mit eigenem Geld finanzierte er als Seiteneinsteiger seinen Wahlkampf 2014 um das höchste Amt im Staat. Er gewann klar gegen Premier Robert Fico. Beide mögen sich seither – vorsichtig formuliert – nicht sonderlich.

Mit welch harten Bandagen da gekämpft wird, macht eine Fernsehrede von Fico deutlich: Kiskas Erklärung müsse „jemand außerhalb der Slowakei“ geschrieben haben. Das ist nicht weniger als der Vorwurf des „Landesverrats“. Und der könnte Kiska das Amt kosten. Hans-Jörg Schmidt

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06.03.2018, 06:00 Uhr

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