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Tierversuche

Die Suche nach Alternativen

Das Tübinger Max-Planck-Insitut beendet seine Forschung an Affen. Doch ob sie in Zukunft wieder aufgenommen wird, bleibt offen.

17.01.2017
  • MADELEINE WEGNER

Tübingen. Am Max- Planck-Institut für biologische Kybernetik (MPI) in Tübingen laufen zurzeit die letzten Versuche an Affen. Bereits im Frühjahr 2015 hatte der Wissenschaftler Nikos Logothetis nach Anfeindungen durch Tierschützer angekündigt, die Versuche an nicht-humanen Primaten im Jahr 2016 zu beenden. Künftig wolle er nur noch an Nagetieren forschen.

Die meisten Versuche an Affen am MPI sind tatsächlich bereits beendet. Auch die drei noch verbleibenden Studien sollen bis Ende April abgeschlossen sein. Einige der Tiere werden eingeschläfert, um das Gehirngewebe zu untersuchen – das Vergehen entspreche den Versuchsanträgen. Nach einer passenden Einrichtung für die wenigen anderen Tiere sucht das Institut noch.

Die Tübinger Staatsanwaltschaft ermittelt seit zwei Jahren gegen den Institutsdirektor Professor Logothetis und andere für die Tierversuche Verantwortliche. „Das Verfahren liegt in den letzten Zügen“, sagt Sprecherin Tanja Grgic. Die Untersuchungen seien umfangreicher als zunächst gedacht. Auch das bereits mehrfach angekündigte Gutachten soll bis Ende März schließlich vorliegen.

Logothetis stellt in seiner Tübinger Abteilung die Forschung an Affen zwar ein. Doch die Max-Planck-Gesellschaft (MPG), die ihren Sitz in München hat, betont erneut, dass sie an der Forschung mit nicht-humanen Primaten festhalte. „Sie tut dies aus der Überzeugung heraus, dass dies nach wie vor der einzige Weg ist, um zu einem tiefer gehenden Verständnis über die komplexen neurophysiologischen Vorgänge des Gehirns zu gelangen“, heißt es in einer Pressemitteilung.

Das Institut wächst

Die MPG fühle sich zudem durch die jüngsten Erfolgsmeldungen aus der Primatenforschung bestärkt: So sei es Forschern im schweizerischen Lausanne gelungen, mittels eines Hirnchips die Bewegungsfähigkeit bei einem gelähmten Primaten wieder herzustellen.

Die Gesellschaft prüft derzeit, ob es in Tübingen mit der Primatenforschung weitergehen wird. „Wir vergrößern uns“, sagt Beate Fülle, Sprecherin des Max-Planck-Insituts für biologische Kybernetik. So wird auf dem Tübinger MPI-Campus ein neues Gebäude gebaut. Auch werden zwei neue Professuren in der Hirnforschung demnächst besetzt. Ob diese Wissenschaftler mit Affen arbeiten werden, sei noch unklar. Die Personalentscheidung soll spätestens im März öffentlich gemacht werden.

Die MPG will darüber hinaus einen grundsätzlichen Dialog über Tierversuche anstoßen. Sie hat nun ein Grundlagenpapier veröffentlicht. Daraus geht hervor, dass sie Tierversuche generell für unverzichtbar hält. Um das komplizierte Zusammenspiel der Komponenten komplexer Organismen zu verstehen, sei die biologische und medizinische Forschung nach wie vor auf Experimente an Tieren angewiesen, heißt es in der Grundsatzerklärung. „Vernetzte Systeme wie etwa das Immunsystem oder das Gehirn können wir nicht allein durch die Untersuchung ihrer einzelnen Bausteine oder durch vereinfachte Modelle und Computersimulationen verstehen“, sagt der Leiter der Expertenkommission, Wolf Singer.

Außerdem beruhe die Forschung der MPG nicht auf kurzfristigen Nützlichkeitserwägungen, sondern auf dem zu erwartenden Wissensgewinn: Es gehe um den „Wert des Wissens an sich, selbst wenn dieses keine unmittelbare praktische Anwendung findet“.

Die besondere Verantwortung

Die MPG bekennt sich in dem knapp 30-seitigen Papier außerdem „zur besonderen Verantwortung des einzelnen Wissenschaftlers für die Versuchstiere und die mit Untersuchungen an Lebewesen verbundenen ethischen Probleme“. Verschiedene Maßnahmen sollen verstärkt zum Wohlergehen der Tiere beitragen und „eine Kultur der Fürsorge für die Tiere fördern“.

Auch die ethischen Konflikte versucht die MPG in ihrem Grundsatzpapier aufzugreifen: Der erwartete Erkenntnisgewinn eines Experiments müsse gegen die Beeinträchtigung des Versuchstiers abgewogen werden – eine Bewertung, für die es keine universell akzeptierten Maßstäbe gebe. Deshalb, so Singer, müssten Gesellschaften immer wieder neu verhandeln, wie sie mit diesem ethischen Dilemma umgehen wollen.

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17.01.2017, 06:00 Uhr

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