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Pop

Die Suche nach dem idealen Song

Sascha Ring ist vor allem der Mann hinter „Apparat“. Die waren live in München ein berauschendes Ereignis.

20.04.2019

Von UDO EBERL

Sascha Ring alias Apparat live in München. Foto: Udo Eberl

München. Das wusste man schon: Live ist Apparat, das Solo-Ding von Sascha Ring, eine Band. Wie das in München live in der Alten Kongresshalle nach dem jüngst veröffentlichten, hervorragenden Album „LP5“ möglich sein würde? Ring aber kann sich und sein eigenes Werk inszenieren. Und so erlebten die begeisterten Fans kein „Bad Kingdom“ in Apparat-Gewand oder die moderate Live-Variante einer globalen Berliner Tech-Pop-Erfolgsmaschine, sondern anderthalb Stunden atmosphärisch dichten Zauber mit immer neuen Wendungen.

Natürlich, die Stimme von Sascha Ring: zerbrechlich, voller Melancholie und immer auch sanft umarmend. Vergleiche mit Radioheads Thom Yorke drängen sich auf, doch live werden bisweilen auch ähnliche Gitarren-Loopwände hochgezogen, die Saalwände mit Hall verkleidet. Wunderschöne Melodien in Streicher gebettet, eine Posaune mit warmem Ton, dazwischen kurz jazzige Sound-Splitter und Breakbeats vom Schlagzeuger. Fast alles ist live gespielt, multiinstrumental von vier erstklassigen Musikern an der Seite von Sascha Ring. Violine, Cello, Bass Gitarre, Keyboards, Loop-Maschinen, Effekt-Fliesen auf der Bühne.

Es beginnt mit musikalischer Seligkeit, fokussiert in den Kern der fast unerträglichen Stille hinein. Töne ausspielen, halten für Neue Musik im Pop, durchlässig minimalistisches Kammerflimmern als Grundrauschen einer Suche nach dem idealen Song. All das in spärlich gesetztem, aber intelligent verstrahltem Licht und edlem Sound. Nach einer Stunde zieht Ring an den E-Gitarren härtere Saiten auf. Tief pumpende Techno-Wummerbässe, nach vorn wippende Elektromänner rüsten vor flackernden Sternzeichen und Neon-Symbolen zum finalen Band-Betrieb auf. Wie geschmiert läuft das Getriebe auch als Gitarrenband irgendwo zwischen Art- und Postrock. Apparat zu Hause am privaten Endgerät zu hören, ist ohne Frage eine Wohltat, Apparat aber live ist großes Musiktheater und eine kulturelle Bereicherung.

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Erstellt:
20. April 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
20. April 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 20. April 2019, 06:00 Uhr

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