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Poetikdozentur

Die Termine der Vorlesungen stehen fest

Sie zählen zu den viel gelesenen deutschsprachigen Autoren. Sie sind Österreicher. Sie sind oft unterwegs, manchmal auch gemeinsam – und nicht nur metaphorisch, sondern wirklich auf Reisen: Christoph Ransmayr und Raoul Schrott. Vom 10. bis zum 14. Dezember teilen sie sich die Tübinger Poetikdozentur – täglich gibt es dann einen Vortrag.

29.11.2012
  • Peter Ertle

Tübingen. Die Poetikdozentur hat stets eine Dramaturgie, und zwar noch bevor sie beginnt: Erst werden die Namen bekannt, dann der Zeitraum der Dozentur, dann die genauen Termine der Vorlesungen und schließlich die Themen und Titel der Vorträge. Wir stehen jetzt bereits am vorletzten Punkt, das heißt, die Termine stehen fest. Wir verknüpfen dies mit einer nochmaligen Vorausschau auf die nahende Dozentur, bei der es Dorothee Kimmich wieder gelungen ist, zwei Hochkaräter der deutschsprachigen Literatur zu engagieren.

Der eine hat soeben ein Buch veröffentlicht, das zu den aktuell meistbesprochenen der Szene zählt. Neulich erst watete Christoph Ransmayr zusammen mit „Druckfrisch“-Moderator und Literaturkritiker Denis Scheck in der Kanalisation Wiens, ein interessanter Ort, um sich über Ransmayrs „Atlas eines ängstlichen Mannes“ zu unterhalten. Denn das Abgelegene, Andere findet sich manchmal ganz nah, wie der Autor weiß.

Manchmal liegt es aber auch ganz fern, räumlich fern. Der Roman, der Ransmayr vor Jahrzehnten schlagartig bekannt machte, einer der ersten Bände der damals von Hans Magnus Enzensberger gegründeten „Anderen Bibliothek“ hieß „Die letzte Welt“. „Letzte“ kann ja sowohl räumlich die entlegenste, zeitlich die finale wie auch die jüngst zurückliegende Welt bedeuten. Damals ging es um Ovid. Heute um tatsächliche Reisen, Begegnungen, Entdeckungen. „Ich sah“, so lautet das Zauberwort des Beginns im „Atlas eines ängstlichen Mannes“, so heben die Geschichten an.

Ein anderer Wanderer, Reisender, und einer, mit dem Ransmayr schon öfters unterwegs war, ist Raoul Schrott. Ransmayr war schon mal unter Jürgen Wertheimers Ägide anlässlich eines Literaturen-Forums zur Fußball-WM 2006 in Tübingen. Raoul Schrotts Auftritte in Tübingen sind zahlreich und immer extrem gut besucht, lange Schlangen beim Bücherfest sind die Regel.

Das mag auch daran liegen, dass Schrott ein ausgesprochener Plauderer ist, begabt mit der Fähigkeit, Schweres leicht und Kompliziertes durchschaubar zu machen. Bei seiner letzten Bücherfest-Lesung lag das Buch zwei Stunden vor ihm, zwei Mal blätterte er kurz darin, davon abgesehen sprach er frei. Schrott reklamiert für sich den Gestus eines eigenwilligen Universalgelehrten. Dass dies neben Anerkennung auch Kritik von Seiten der Wissenschaft erntet, ist vorprogrammiert. Die Beiträge Raoul Schrotts dürften allerdings eine längere Halbwertszeit haben als viele Beiträge seiner Kritiker.

Falls keine spontanen Änderungen auftreten, werden sie leider keine Vorlesung gemeinsam bestreiten. Was ja nicht heißt, dass Berichte von gemeinsamen Reisen bei den Ausführungen zur Poetik ausgeschlossen sind (übrigens: Ransmayr war auch schon mit Reinhold Messner unterwegs). „Hören wir doch kurz hinein in das Werk Ransmayrs, diesmal in „Die Verbeugung des Riesen“:

„Und dann? Was geschah dann? Und weiter?. . . Wenn einer zu erzählen beginnt, muss er solche und ähnliche und unzählige andere Fragen zu beantworten imstande sein und muss doch nach jeder Antwort immer neue Fragen an sich und die Welt richten. Aber länger, viel länger als er jemals antworten, sprechen und erzählen wird, muss er wohl stillhalten und schweigen und den Menschen bloß zuhören und ihre Lebensläufe, ihre Wohnungen, ihre Wege, Felder und Schlachtfelder, Vorgärten und Müllhalden bloß betrachten, bis er sich endlich erheben und so etwas wie „Es war“ . . . „es war einmal“ sagen kann.

Die Termine der Vorlesungen stehen fest
Raoul SchrottBilder: Agentur

Die Termine der Vorlesungen stehen fest
Christoph Ransmayr

Vorlesungen Christoph Ransmayr:

Montag, 10.12
Dienstag, 11.12.
Mittwoch, 12.12.

Vorlesungen Raoul Schrott:

Donnerstag, 13.12.
Freitag, 14.12.

(Alle Vorlesungen um 20.15 Uhr im Audimax der Neuen Aula)

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29.11.2012, 12:00 Uhr

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