Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Jugendliteratur als großes Kino

Die Tribute von Panem vor dem Finale

Aus Mega-Bestsellern der Jugendliteratur werden häufiger Kino-Blockbuster. Im Fall von "Die Tribute von Panem" ist daraus aber sogar richtig gutes Kino geworden - weil alle Zutaten stimmen.

17.11.2015
  • MAGDI ABOUL-KHEIR

"Es kommt das Ereignis, auf das die Welt gewartet hat." Es klingt nicht eben bescheiden, was da im Trailer vom "The Hunger Games - Mockingjay, Teil 2" geschrieben steht. Aber die Macher der Film-Saga, die nun abgeschlossen wird, haben keinen Grund zur Bescheidenheit. Es mag sich um die Adaption einer Jugendbuch-Reihe handeln, doch hat sie Maßstäbe gesetzt: in Sachen Qualität und auch Erfolg. Und so kommt nun tatsächlich das Kino-Ereignis, auf das viele weltweit gewartet haben.

Für alle anderen: "The Hunger Games" sind eine Roman-Trilogie der Amerikanerin Suzanne Collins. Die Bücher wurden allein in den USA 65 Millionen Mal verkauft und in Deutschland unter dem Titel "Die Tribute von Panem" ebenso zu Bestsellern. Die Filme haben bisher mehr als 2,3 Milliarden Dollar eingespielt, und das gewaltige, finstere Finale der Saga - aus drei Büchern wurden vier Filme - kommt nun am Donnerstag in die Kinos.

Um was es geht? In naher Zukunft ist aus dem zerstörten Nordamerika der Staat Panem worden. Das Kapitol regiert brutal das verarmte Volk. Jährlich veranstaltet das Regime "Hungerspiele": Je ein Mädchen und ein Junge aus den zwölf Distrikten müssen in einem modernen Gladiatorenkampf antreten. Nur eine oder einer überlebt. Als ihre kleine Schwester Prim für die Spiele ausgelost wird, meldet sich die 16-jährige Katniss freiwillig. Mit Pfeil und Bogen kämpft sie in der Arena; auch gegen Peeta, der ihr einmal das Leben gerettet hat und der in sie verliebt ist.

Katniss und Peeta überleben - auch indem sie dem Kapitol die Stirn bieten. Der sinistre Herrscher Präsident Snow aber veranstaltet neue "Hungerspiele": Alle bisherigen Gewinner müssen erneut antreten. Mit der der Zeit wird klar, dass Katniss Teil eines größeren Plans ist, eines Aufruhrs gegen das Kapitol. Sie wird zum Gesicht der Rebellion und führt die Distrikte in den Kampf gegen die Tyrannen.

Angelehnt an den japanischen Erfolg "Battle Royale", bietet die Geschichte Spektakel und Spannung, Action und Drama; ein Liebesdreieck fehlt nicht, aber um Politik und Psychologie geht's eben auch. Vor allem aber hat Suzanne Collins Charaktere aus Fleisch und Blut geschaffen, die echte Identifikation ermöglichen - nicht zuletzt, weil Katniss Ich-Erzählerin ist. Das ist erstklassige, fesselnde Jugendliteratur mit mehr Substanz als etwa "Twilight" von Stephenie Meyer.

Bemerkenswert ist, wie ambivalent und düster es zugeht. Auch die "Guten", die Revolutionäre, greifen zu allen Mitteln. Katniss erkennt, dass sie nur ein Rädchen in einer Propaganda-Maschine ist. Und es ist geradezu verwegen, welche Figuren Collins sterben lässt. Am Ende der "Hunger Games" mag es einen Funken Hoffnung geben, aber der Preis, der für die Freiheit gezahlt wurde, ist hoch. "Alles war gut" wie bei "Harry Potter"? Eher nicht.

Und die Filme? Die sind kompetentes, kraftvolles Kino - es ist aber Jennifer Lawrence als Katniss, die den größten Anteil am Mega-Erfolg haben dürfte. Als die Schauspieler gecastet wurde, war sie gerade, 21-jährig, durch das Indie-Drama "Winter's Bone" als Geheimtipp für einen Oscar nominiert worden und hatte in der Comic-Verfilmung "X-Men" erste Blockbuster-Erfahrung gesammelt. Seitdem hat sie eine atemberaubende Karriere hingelegt, in der sie die Balance zwischen ambitioniertem Kino und großem Entertainment hält. Für die Beziehungskomödie "Silver Linings" gewann sie den Oscar, in Filmen wie "American Hustle" stellt sie ihre Wandlungsfähigkeit unter Beweis.

Mit 25 ist sie einer der größten Stars und gilt als eine der besten Darstellerinnen der Welt, demnächst dreht sie mit Spielberg und Aronofsky. Ihr kometenhafter Aufstieg und ihre Klasse haben die "Hunger Games"-Filme noch größer gemacht als sie es ohnehin sind.

Glänzend besetzt sind auch die Nebenrollen der Saga. Das reicht vom charismatischen Donald Sutherland als erzböser Präsident Snow bis zum freigeistigen Woody Harrelson als Katniss' Mentor Haymitch. Julianne Moore, Elizabeth Banks und Stanley Tucci haben auch in kleineren Parts immer wieder große Auftritte. Selbst Josh Hutcherson und Liam Hemsworth, die Katniss' Galane darstellen, sind mehr als nur die übliche Dekoration. Als der großartige Philip Seymour Hoffman, der den Strippenzieher Plutarch Heavensbee spielt, im Februar 2014 an einer Überdosis verstarb, war das eine Tragödie; die meisten seiner Szenen hatte er aber schon abgedreht. Das Ende der "Hunger Games" sind auch für ihn ein würdiger Abschied.

Die Tribute von Panem vor dem Finale
So fing alles an: Jennifer Lawrence als Katniss in "Die Tribute von Panem". Foto: Studiocanal

Die Tribute von Panem vor dem Finale
Vor dem großen Finale: Katniss Everdeen und ihre Mitstreiter auf dem Weg zum Kapitol.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

17.11.2015, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Die Kommentarfunktionalität wurde für diesen Artikel deaktiviert.

Kino Suche im Bereich
nach Begriff
Anzeige