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Ein Stadtchronist aus Obsession

Die Tübinger Kulturhalle zeigt Arbeiten aus dem immensen Nachlass des Fotografen Peter Neumann

Zählt man die Negativa mit, dürfte es sich um Hunderttausende von Aufnahmen handeln. Mit so einem gewaltigen Foto-Nachlass hatte es das Stadtarchiv noch nie zu tun und es ist bislang nicht klar, wie der Bestand bewältigt werden soll, zumal der Fotograf Peter Neumann keinerlei Verzeichnisse hinterließ.

21.10.2014
  • Peter Ertle

Eines aber ist sicher: Peter Neumanns fotografisches Werk ist dokumentiertes, stadgeschichtliches Zeitgeschehen auf hohem künstlerischen Niveau. Über das Niveau lässt sich wie immer streiten und es gibt, wie bei jedem Künstler, stärkere und schwächere Arbeiten.

Doch der Charme, fast ist man geneigt zu sagen die Integrität dieses Werks scheint gerade darin zu bestehen, dass Neumann das Motiv, die Menschen, die Stadt im Zweifelsfall über die Kunst stellte. Peter Neumann wurde 1942 als Arbeiterkind in Berlin-Wedding geboren. Zur zeit- und klassenbedingt entbehrungsreichen Nachkriegszeit kam eine schwere Krankheit, die ihn über ein Jahr ans Gipsbett fesselte. Zeitschriften mit Fotos, die ihm seine Mutter brachte, waren die einzige Verbindung nach außen. Eine Heirat war es, die ihn maßgeblich nach Tübingen brachte, maßgeblich, weil es ja auch ein Studium hätte sein können und tatsächlich studierte Peter Neumann hier Physik, ab 1963. 1975 schloss er ab. Die Ehe, aus er eine Tochter hervorging, hatte deutlich weniger lang gehalten. Eine aussichtstreiche Anstellung am Max-Planck-Institut war ebenfalls von kurzer Dauer, Neumann folgte seiner Leidenschaft, etablierte sich als freier Fotograf. Stadtarchiv und Stadtmuseum zählten zu seinen Kunden, desgelichen verschiedene Theater, Galerien, Kunst- und Kulturschaffende. Er war professionell ausgerüstet, kein Aufwand, keine Mühe war ihm zu groß, ob es sich finanziell rechnete war war nie sein erster Gedanke, und meist auch nicht sein zweiter. Vom Inventar des legendären Café Völter bis zum Abzug des französischen Militärs aus Tübingen – er hielt es fest. Doch erst nach Peter Neumanns Tod vor fünf Jahren wurde klar, wie immens sein privater Fotoschatz war: Er fotografierte wie andere Leute atmen, unentwegt und auch gänzlich ohne Auftrag, alles, was ihm begegnete, Mensch und Maus, Baum und Strauch, kleine Stillleben und große Ereignisse, auch Details seines Privatlebens. Die Freibadkarte, das Studienbuch. Auch seine Krankheit dokumentierte er und wo andere Patienten nach einem Glas Wasser fragen, lichtete er die Ärzte ab, die sich nach der OP um sein Bett versammelten. In der Tübinger Kulturhalle, Nonnengasse 19, zeigt nun eine Ausstellung unter dem Titel „Stadtwege“ einen Bruchteil des fotografischen Nachlasses. Noch bis 1. November, dienstags bis freitags 14 bis 18 Uhr, samstags 11 bis 15 Uhr.

Die Tübinger Kulturhalle zeigt Arbeiten aus dem immensen Nachlass des Fotografen Peter Neumann
Ein Ausschnitt aus dem fotografischen Spektrum des Stadtfotografen Peter Neumann: Links: OB Eugen Schmid hebt 1998 in den Ruhestand ab. Oben Mitte: Silbergeschirr aus dem Café Völter. Unten Mitte: Schrift auf dem Hölderlinturm aus dem Jahr 1981. Oben rechts: Jugendbildnis des Tübinger Musikers Thomas Maos. Und rechts unten der Fotograf selbst, Peter Neumann.

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21.10.2014, 12:00 Uhr

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