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Geschützte und geschätzte Ansicht

Die Tübinger Neckarfront

TÜBINGEN. Die bekannteste der Tübinger Stadtansichten ist die Neckarfront. Mit dieser dem Neckar zugewandten Silhouette verbindet jeder Ortskundige das malerische und romantische Tübingen. Schon die alten Kupferstecher wählten die Neckarfront bevorzugt als Motiv, ließen sich doch durch sie die wesentlichen Merkmale der Stadt Tübingen, ihre Bedeutung als Universitäts- und zweite Residenzstadt Württembergs sowie ihr Charakter, zum Ausdruck bringen.

09.09.2006
  • Antje Zacharaias, Stadtarchiv Tübingen

Bereits die Bauschau-Protokolle vom Ende des 18. Jahrhunderts belegen, dass den Verantwortlichen die Bewahrung des Stadtbildes beim Haupteingangstor besonders wichtig war. Zu Anfang des 20. Jahrhunderts verhinderte Oberbürgermeister Haußer eine Bebauung der Zwingergärten hinter den Häusern der Neckar- und Bursagasse, die auf der inneren Stadtmauer aufsitzen. Seit 1960 ist die Neckarfront als Ganzes durch eine eigene Ortsbausatzung und seit 1979 zusätzlich durch die Stadtbildsatzung geschützt.

Der Tübinger Fotograf Paul Sinner hat seit den 1860er Jahren mehrfach die Neckarfront mit seiner Kamera festgehalten. Die hier gezeigte Aufnahme aus dem Stadtarchiv ist vermutlich im Sommer 1872 entstanden. Heute wie damals wird das Ensemble von der Stiftskirche überragt, deren Turm 1932 umfassend renoviert und durch vier steinerne Evangelistensymbole des Bildhauers Fritz von Graevenitz bestückt wurde.

Stadtwohnung des Abtes

Rechts von der Stiftskirche, etwa auf gleicher Höhe, fallen drei Gebäude auf: zunächst die ehemalige Lateinschule bzw. bis 1860 das Gymnasium (heute Grundbuchamt und Notariate), dann zwei weitere auf dem Areal des früheren Bebenhäuser Pfleghofs. Das rechte davon, das über dem steil abfallenden Mühlgraben steht, diente einst dem Bebenhäuser Abt als Stadtwohnung. Im 19. und 20 Jahrhundert diente es als Kameralamt und Staatliches Liegenschaftsamt. Das mittlere Gebäude, zuletzt „Buchhalter- und Amtsdienerswohnung“, wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts abgerissen.

Unten am Eingang zur Neckargasse stehen noch zwei Pfeiler des Neckartores, Reste jener neuen Toranlage, die nach Abbruch des mittelalterlichen Torturms, zusammen mit dem Neckartorhaus (hinter dem rechten Pfeiler) 1807 fertiggestellt wurde. Der Neckartorwart kassierte hier für die Stadtverwaltung von den ein- und ausfahrenden Wagen das Weg- oder Pflastergeld. Im Frühjahr 1886 musste das Häuschen zusammen mit den Pfeilern dem Bau der Mühlstraße weichen.

Eine der Mühlen, der die Mühlstraße ihren Namen verdankt, war die Neumühle. Von dieser Getreidemühle ist auf dem Sinner-Foto allerdings nur das Dach zu sehen, da sie von einem neu erbauten und deshalb noch nicht verputzten Fachwerkanbau neben dem Torwarthäuschen verdeckt wird. Direkt gegenüber am Neckar liegt die Walkmühle der Tuchmacher, die seit 1780 mit dem Zwingerturm der ehemaligen Stadtbefestigung verbunden war. Infolge einer Luftmine, die im September 1944 im Bereich des Neckartores große Schäden verursachte, stehen anstelle der Mühlengebäude heute Häuser aus den 1950er Jahren.

Das Gasthaus zum Neckarmüller wurde erst 1991/92 errichtet, nachdem eine Bürgerinitiative erfolgreich ein Großbauprojekt, nicht aber den Abriss der alten Neckarmüllerei verhindern konnte. In dem 1800 erbauten Wohnhaus der Familie Müller war von 1844 bis 1962 eine Wirtschaft betrieben worden.

Direkter Fußweg

Während auf dem Sinner-Foto die steinerne Neckarbrücke aus dem Jahr 1489 zu sehen ist, fließt der heutige Stadtverkehr über den Neubau von 1900. Dieser wurde zu Beginn der 1950er Jahre verbreitert. Seit dieser Zeit gibt es außerdem einen direkten Fußweg von der Eberhardsbrücke in den Zwingel, wo man entlang der Stadtmauer und den Zwingergärten bis zum Hölderlinturm gehen kann.

Die Tübinger Neckarfront
Der Tübinger Fotograf Paul Sinner hat diese Neckarfront-Ansicht vermutlich im Jahr 1872 festgehalten.

Die Tübinger Neckarfront
Die neue Neckarbrücke wurde in diesem Jahr 106 Jahre alt.

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09.09.2006, 12:00 Uhr

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