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Ju-Jutsu: Facebook vergoldet die Medaille

Die Tübinger Studentin Romy Korn hat sich in Paris ihren Traum vom Weltmeistertitel erfüllt

Tübingens Universität hat eine Weltmeisterin: Die 26-jährige Romy Korn ist seit zwölf Tagen die weltbeste Ju-Jutsu-Kämpferin in ihrer Gewichtsklasse – auch dank ihrer Facebook-Seite. Für den großen Traum hat das Studium jedoch gelitten.

10.12.2014
  • Moritz Hagemann

Tübingen/Paris. Seit Ende August dieses Jahres hat sich Romy Korn nach dem Vorbild vieler Sportler eine Facebook-Seite zugelegt, hat fast schon 500 Anhänger gefunden. Natürlich will sie diese Fans unterhalten, aber vor allem dient die Seite einem Zweck: der Sponsorensuche. „Es gibt in unserem Sport praktisch keine Geldgeber“, sagt die Weltmeisterin. Deshalb versucht sie auf sich aufmerksam zu machen, sich selbst zu vermarkten. Ein Personal-Trainer aus Stuttgart wurde so auf Korn aufmerksam, wurde ihr Sponsor und machte sie fit für die Titelkämpfe in Paris. „So fit wie jetzt war ich noch nie“, sagt die 26-Jährige, die dank des Trainings ihren Körperfettanteil nochmals reduzieren konnte. In Holzgerlingen wohnt sie bei ihrer Mutter und ihrem Hund, der sie auf den unzähligen Trainingsläufen begleitet.

Denn auf diesen Freitag in Paris war alles ausgelegt. Drei Mal die Woche ist Korn zuletzt nach Würzburg gefahren, wo Bundestrainer Roland Köhler (58) das Training leitet. Zwei Monate vor der WM wurde das Pensum von 8 bis 15 auf 20 Wochenstunden gesteigert. Mit dem Job in einem Fitness-Studio und als Leichtathletik-Trainerin bei der Spvgg Holzgerlingen kam dabei das Studium zu kurz. „Da habe ich jetzt ein schlechtes Gewissen“, sagt Korn, „denn damit verdiene ich später mein Geld.“ Im nächsten Jahr steht das Staatsexamen in Sport und Englisch an. Ju-Jutsu ist schließlich kaum rentabel. Bis auf 1000 Euro für die WM-Nominierung und die Ausrüstung gibt es keine Zuschüsse. Selbst die vielen Reisen müssen die Sportler selbst finanzieren.

Daran wird auch der WM-Erfolg nichts ändern. Korn wurde zwei Tage nach dem Einzeltitel sogar noch Vizeweltmeisterin im Team – und ließ im Finalkampf Teamkollegin Annalena Bauer den Vortritt, „weil sie im Einzel gegen die Russin verloren hatte und zeigen wollte, dass sie es besser kann.“ Doch Bauer verlor. Korn konnte es verkraften, es zählte der Einzelwettbewerb. Auf den hatte sie sich mit Videoanalysen akribisch vorbereitet. Dass es dann zwei Stunden früher als geplant auf die Matte ging, störte die 26-Jährige nicht. Auch das Publikum im Stade Pierre de Coubertin im Pariser Westen war bereit. Die Franzosen seien ein kampfsportverrücktes Volk, in der Stadt waren Plakate aufgehängt und es wurde sogar Eintritt verlangt. „Das ist nicht üblich“, erzählt Korn. „Aber die Halle war voll, so eine Stimmung habe ich noch nie erlebt.“

Korns großes Plus ist ihre Schnelligkeit

Im Auftaktkampf drückte die Mehrheit in der Halle aber nicht Korn die Daumen. Doch die Französin Eva Bisseni hatte keine Chance. Korn meisterte auch das Halbfinale souverän, hatte sogar noch kurz Zeit, ihre Fans über Facebook mit einem „Selfie“ auf dem Laufenden zu halten. Dann das Finale gegen die gleichaltrige Russin Alla Paderina, die neben der nur 69 Kilo schweren Tübinger Studentin deutlich kräftiger daherkommt. Das ist ein Erfolgsrezept der für den Verein Arashi Sindelfingen startenden Korn, die in der schwersten Gewichtsklasse über 70 Kilo antritt: „Ich kann die Gegnerinnen mit meiner Schnelligkeit müde machen.“ So auch Paderina. Es war also geschafft: „Normalerweise freue ich mich richtig, aber das konnte ich erst einmal nicht fassen.“ Auf dem Handy gingen etliche Glückwunsch-Botschaften ein, „auch von Leuten, die ich gar nicht so gut kenne“. Doch selbst die hätten ihren Kampf im Livestream verfolgt: „Das war das nächste, was einfach unglaublich war.“ Sicherlich hatte dies auch damit zu tun, dass Korn diese Online-Übertragung angepriesen hatte. Natürlich: auf ihrer Facebook-Seite.

Die Tübinger Studentin Romy Korn hat sich in Paris ihren Traum vom Weltmeistertitel erfüllt
Ihr Trümpfe sind Schnelligkeit und Beweglichkeit: Diese Qualitäten brachten der Tübinger Studentin Romy Korn (links im Auftaktkampf gegen die Lokalmatadorin Eva Bisseni) in Paris den Weltmeistertitel. Privatbild

Als Weltmeisterin weiß Romy Korn noch nicht, wie es mit ihrer Karriere weitergeht. „Die Motivation ist jetzt erstmal unten“, sagt sie. Der Fokus gilt dem Studium. Fithalten will sie sich trotzdem, diesen Monat aber erst einmal kein Ju-Jutsu mehr betreiben. Schon im März müsste sich sie wieder in Paris für die kommende EM qualifizieren: „Ich weiß noch nicht, ob ich das mache.“ Um neue Reize zu schaffen, sei ein Wechsel in die Gewichtsklasse unter 70 Kilo denkbar. Die ist nämlich, im Gegensatz zur jetzigen über 70 Kilo, Teil der World Games, dem Wettkampf von Sportarten, die nicht olympisch sind. Die finden 2017 im polnischen Breslau statt. Doch dann droht Stress im eigenen Lager: Denn die Gewichtsklasse unter 70 Kilo ist die Domäne von Teamkollegin Annalena Bauer.

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10.12.2014, 12:00 Uhr

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