Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Sie leben den Film vor

Die Tübingerin Fabienne Renaud ist Teil einer Langzeit-Dokumentation über junge Mütter

Der einschneidendste Abschnitt im Leben von Fabienne Renaud wurde schon in zwei Filmen dokumentiert. Ihre Biografie ist ungewöhnlich, denn mit 15, also gerade selber der Kindheit entwachsen, wurde sie Mutter. Nun ist sie 21, lebt immer noch in Tübingen, macht hier ihre Ausbildung und ist ihrem Sohn Valentin eine liebevolle und konsequente Mutter.

19.11.2014
  • Ulla Steuernagel

Tübingen. Teenie-Schwangerschaften sind ein Problemthema. Wer die 21-jährige Fabienne Renaud mit ihrem fünfeinhalbjährigen Valentin sieht, erfährt jedoch: Sie müssen sich nicht immer zum Sozialdrama entwickeln. Valentin, der schon vor zwei Jahren mit seiner Mutter in die TAGBLATT-Redaktion kam, ist eine muntere kleine Quasselstrippe. Aber nicht nur Valentin geht es, abgesehen von aktueller Angina und Husten, gut, auch seine Mutter sagt: „Ich bin total zufrieden mit allem.“

Zwei neunzigminütige Dokumentarfilme liefern Anhaltspunkte dafür: Die Regisseurin Cornelia Grünberg begab sich in eine filmische Langzeitstudie. „Vierzehn“ hieß der erste Teil ihrer Dokumentation, in der sie vier schwangere Teenies bis kurz nach der Geburt begleitete. Vier Jahre später entstand „Achtzehn“, der, wie einst sein Vorgänger, beim Filmfest Frauenwelten gezeigt wird. Zwei weitere Dokumentationen sind noch über die Kinder geplant: Die erste entsteht demnächst, die zweite soll die Kinder dann in dem Alter zeigen, in dem ihre Mütter schwanger wurden.

Fabienne und Valentin Renaud haben sich an die Kamera in ihrem Leben gewöhnt und werden sie also auch so schnell nicht mehr los. Die Tübingerin lieferte in dem biografischen Quartett bisher den positivsten Stoff. Sie macht in Teilzeit die Ausbildung zur Bäckereifachverkäuferin und ist seit einem Jahr ganz altmodisch verlobt mit Mehmet, den Valentin mit dem türkischen „Baba“ anspricht.

Das Paar, das sich kennenlernte, als Valentin ein halbes Jahr alt war, will im nächsten Jahr heiraten. Noch aber leben Mutter und Sohn, wenn auch in eigener Wohnung, im gleichen Haus wie Renauds Eltern. Und nicht nur wegen der besseren Betreuungssituation für Valentin. Das Verhältnis zwischen den Renaud-Generationen scheint vertrauensvoll und unverkrampft. „Wann ist bei denen mal Action?“, hätten sich schon Mitarbeiter in den hinteren Reihen der Produktion beschwert. Fabienne Renaud reagiert darauf achselzuckend: „Wir sind doch keine Schauspieler. Wir leben.“ Valentin stellt währenddessen das neue Familienmitglied, einen Mini-Chihuahua namens Altan, vor. „Das ist ein echter Hund“, sagt er stolz. Valentin hat nicht nur einen Blick für Echtes, er hat auch schon einen für die Zeit. „Es ist vier Uhr“, sagt er plötzlich. So klein und schon die Uhrzeit lesen können, staunt die Journalistin. „Nicht immer!“ entgegnet der Junge. Allerdings ist ihm klar, dass er schon oft Verwunderung auslöste: „Ich rede wie ein Erwachsener.“

Er sollte weniger reden, ermahnt ihn die Mutter, schon der noch nicht auskurierten Halsentzündung wegen. Valentin verlegt sich fortan brav aufs Telefonieren mit der Polizei.

Wie schnell gewöhnt man sich eigentlich an ein Filmteam, das im eigenen Leben herumsteht? „Manchmal sind sie nur einen Tag, manchmal drei Tage da“, sagt Renaud. Irgendwann merke man es gar nicht mehr. Sie hat sich allerdings ausbedungen, ihre Auftritte im Film vor der Veröffentlichung auch zensieren zu können. Sind ihr die Beziehungsgespräche mit dem Freund nicht manchmal zu privat fürs große Kino? „Ich pass schon auch auf, was ich sag“, antwortet sie. Bei der Geburt im ersten Teil wollte sie auf keinen Fall eine Kamera dabei haben. „Das war für mich ein absolutes No-Go.“ Aber dass sie ihrem Freund im Film androht, wenn er je eine Andere hätte, könne die sich gleich einen Grabstein bestellen? „Dazu steh’ ich“, sagt sie ohne zu zögern. „Wir sind beide sehr eifersüchtig!“

Die Tübingerin Fabienne Renaud ist Teil einer Langzeit-Dokumentation über junge Mütter
Fabienne Renaud mit Sohn Valentin und Hündchen Altan. Bei ihnen läuft derzeit alles rund.Bild: Metz

„Achtzehn“, der Film über Teenie-Mütter von Regisseurin Cornelia Grünberg, dokumentiert, wie sich vier junge Frauen in unterschiedlichen Lebensumständen in ihre Mutterrolle einfinden. Da ist Lisa, die in ihrer Großfamilie auf Hawaii lebt und mit 18 schon drei Kinder von verschiedenen Männern hat. Laura, die mit Schule, Panikattacken und vor allem ihrer „Schwiegermutter“ kämpft. Und Steffi, die heftig gegen die eigene Mutter rebelliert. Keine lebt mit dem Vater des Kindes zusammen. Der Schwerpunkt des Filmes liegt auf den Beziehungen, über die wirtschaftliche Situation der Frauen erfährt man wenig. Der Film, den Cornelia Grünberg und Fabienne Renaud am Samstag, 16 Uhr, im Tübinger Studio Museum vorstellen, ist aber allemal sehenswert.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

19.11.2014, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Die Kommentarfunktionalität wurde für diesen Artikel deaktiviert.

Kino Suche im Bereich
nach Begriff
Anzeige