Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen




- ab 0 Jahren

Tagblatt-Wertung

Leser-Wertung

rating rating rating rating rating
Film bewerten
rating rating rating rating rating
23.11.2015

Josef Weberknecht zählt nicht zu jenen knuffigen (Film-)Senioren, die sich witzig und altersweise vom Abstellgleis zurück ins blühende Leben manövrieren. Anfangs erleben wir ihn vielmehr als Widerling von Pauker, der vorlauten Schülern mit dem nassen Tafelschwamm Mores lehrt. Nach seinem freiwilligem Rückzug vom pädagogischen Amt will der rüstige Graubart jedoch keinesfalls in spätehelicher Routine versauern. Ein erster Aushilfsjob als Fahrradkurier im glitschigen Prag endet schmerzhaft am Gartenzaun. Besser läuft es in der Leergut-Abteilung eines Supermarkts, wo er die Kundschaft mit ungebetenen Ratschlägen (vor allem in Liebesdingen) beglückt oder belästigt und beiläufig viel Futter für seine erotischen Fantasien sammelt.

Allmählich schlüpft aus dem herrischen Miesepeter ein sympathisch überkandidelter Hansdampf ? was seiner daheim harrenden Ehefrau indes gemischte Gefühle beschert und ein paar andere Weggefährten in zwischenmenschliche Turbulenzen stürzt.

Die Geschichte vom rastlosen Rentner, die der tschechische Oscar-Preisträger Jan Sverak („Kolya?) erzählt, ist vom Grundgerüst kaum aufregender als ein Handlungsstrang aus der „Lindenstraße?. Dafür überzeugt sie mit ihren raffiniert zwischen Bodenständigkeit und humoristischer Überzeichnung austarierten Figuren. Allen voran glänzt Zdenek Sverak, der 71-jährige Vater des Regisseurs, der mit den liebenswerten und griesgrämigen Charakterzügen des Alten virtuos jongliert. Auch die staubtrocken komischen Dialoge treffen meistens ins Schwarze.

Ohne großes Emanzipationspathos, wie es im westeuropäischen Kino vorherrscht, setzen die Sveraks dem agilen Altern ein simpelschönes Denkmal ? und zehren dabei vom abgewetzten Charme typisch tschechischer Alltagskomödien, wie sie vor mehr als 40 Jahren von Leuten wie Milos Forman entwickelt wurden.

Zum Artikel

Erstellt:
23. November 2015, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
7. August 2009, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 7. August 2009, 12:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen?
Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung.