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Kommentar

Die Uni erwartet ein heißer Herbst

Im kommenden Wintersemester werden an der Uni Tübingen so viele Studierende eingeschrieben sein, wie noch nie zuvor. Mit dem doppelten Abiturjahrgang in Baden-Württemberg wird zum ersten Mal in der Geschichte der Tübinger Uni die Marke von 27 000 Studierenden geknackt, so die Prognose der Hochschulverwaltung. Immerhin, Anfang der 90er Jahre, waren schon einmal annähernd so viele immatrikuliert. 26 000 Studierende verzeichnete damals die Studentenstatistik.

13.06.2012

Der Unterschied zu heute: Damals blieben viele junge Leute nach ihrem Abschluss oder Studienabbruch an der Uni eingeschrieben, weil man damit billiger krankenversichert war und günstiger in Konzerte kam. Obendrein galt eine hohe Semesterzahl nicht als karriereschädlich. Als im Herbst 1998 erstmals die Langzeitstudiengebühr von 1000 Mark kassiert wurde, kollabierte die Studentenzahl dann auf den realen Kern von knapp 20 000.

Seither hat sich der Studienalltag erheblich verändert. Die 27 000 Studierenden, die im Wintersemester die Seminarräume füllen werden, haben einen hochverdichteten Lehrplan und die Absicht, ihr Studium in der Regelstudienzeit durchzuziehen. Sie brauchen nicht nur einen Platz in der Studentenkartei. Sie brauchen einen realen Sitzplatz im Hörsaal.

Seit mehreren Jahren bereiten sich die Landesregierung und die Universitäten mit dem Programm „Hochschule 2012“ auf den doppelten Abiturjahrgang vor, vielleicht so gründlich wie in keinem anderen Bundesland. Dennoch: Wo immer man nach den Vorbereitungen für das kommende Wintersemester fragt, erhält man Antworten mit Begriffen wie „Kristallkugel“ und „Sofortmaßnahmen“.

Denn weil man erst Ende September weiß, wie viele Studenten sich für welches Fach an welcher Universität einschreiben, bleiben gerade mal zwei bis drei Wochen, um mit konkreten Zahlen Notfallpläne für besonders überlastete Fächer umzusetzen. Die Zeiträume sind absurd kurz, klagen alle Beteiligten. Da rächt sich umso spürbarer, dass es nach mehreren Jahren (!) immer noch nicht gelungen ist, das Anmeldeverfahren an den Hochschulen bundesweit zu koordinieren.

Doch Studenten wollen nicht nur lernen. Sie wollen essen, wohnen, feiern. Dafür gibt es jedoch keine Ausbauplanung – ein fatales Versäumnis. Die Mensa in der Wilhelmstraße ist bereits jetzt an der Grenze ihrer Kapazität. Und der Streit, ob die Mensa saniert oder neu gebaut werden soll, zieht sich bereits so lange hin, dass egal welche Lösung für den jetzt erwarteten Ansturm zu spät kommt. Für den Wohnungsmarkt gibt es erst recht keine Ausbauplanung. Die Folgen sind leicht ausrechenbar: Die Mieten werden weiter steigen, noch mehr Studenten werden noch weitere Wege pendeln müssen.

Es hilft nichts, darauf zu spekulieren, diese Probleme drei Jahre auszusitzen. Die Landesregierung und die Uni-Verwaltungen gehen davon aus, dass die Studierendenzahlen längerfristig so hoch bleiben – auch über den doppelten Abiturjahrgang hinaus.

Angelika Bachmann

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13.06.2012, 12:00 Uhr

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