Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Vorbote für noch Größeres

Die Uni feierte den ersten deutschen Lehramtsstudiengang Chinesisch

Aus Berlin kam der chinesische Botschafter, aus Bejing ein früherer Vize-Außenminister, der Direktor der Wolfenbütteler Herzog-August-Bibliothek hielt die Festrede. Rund 500 Gäste hatten im Festsaal der Uni Grund zum Feiern.

26.10.2012
  • Hans-Joachim Lang

Tübingen. „Die chinesische Welt erschließt sich nicht allein über die Sprache“, sagte gestern Nachmittag Bibliotheksdirektor Prof. Helwig Schmidt-Glintzer, nachdem vor ihm Nikola Lutz und Armin Sommer ein fernöstliches Duo für Baritonsaxophon und Percussion der Komponistin En‘en Song aufgeführt hatten. Aber der Festredner hatte nicht unbedacht seinem Vortrag den Titel gegeben: „Wer Chinesisch lernt, dem steht die Welt offen.“

Also doch die Sprache. Denn ein neues lehramtsqualifizierendes Studienangebot galt es zu feiern, den deutschlandweit ersten Lehramtsstudiengang Chinesisch. Und wenn Rektor Bernd Engler recht behält, wird dies nur der Vorbote sein für etwas noch Größeres: ein China-Institut an der Universität Tübingen.

Shi Mingde, der chinesische Botschafter in Deutschland, stellte schon mal in Aussicht, dass die Botschaft der Eberhard-Karls-Universität beim weiteren Aufbau des Studiengangs beistehen werde. Er erinnerte daran, dass seit 1876 eine große Zahl von Chinesen zum Studium nach Deutschland gekommen sei, „viele davon mit großem Einfluss“. Nicht zuletzt auch Qiao Guanhua (1913 bis 1983), der in Tübingen promovierte und von 1974 bis 1976 chinesischer Außenminister war. Dessen Sohn, auch er in der Außenpolitik verankert, war beim gestrigen Festakt zugegen.

Der Wind der Erneuerung

„Wenn der Wind der Erneuerung weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen“, deklamierte Margret Ruep, Ministerialdirektorin im Kultusministerium, eine chinesische Weisheit, ohne damit ein Plädoyer für die Windkraft halten zu wollen. Die Beziehungen mit China hätten sich rasant entwickelt. Für 2015 sei in Baden-Württemberg die erste schriftliche Abi-Prüfung geplant. Chinesisch-Lehrer mit Tübinger Abschluss werden den Ausbau beschleunigen. Dass zunehmend Chinesischkenntnisse in der Wirtschaft von Vorteil sind, unterstrich die Anwesenheit einiger Unternehmer im Saal, IHK-Präsident Christian O. Erbe und Pumpenfabrikant Karl Schlecht in der ersten Reihe.

Festredner Helwig Schmidt-Glintzer hält es für wichtig, China aus dessen kultureller Tradition zu verstehen – so wie sich China seinerseits „immer wieder seiner Identität vergewissere“. Dabei spiele die chinesische Sprache eine Schlüsselrolle.

Mit allen Konsequenzen: „Nur wer mit dem Chinesischen umgehen kann, wird auf Dauer mit China erfolgreich in Beziehung treten können.“ Keineswegs könne man sich mit der Annahme hinausreden, dass in absehbarer Zeit viele Chinesen zumindest Englisch, vielleicht noch andere Zweit- und Drittsprachen beherrschen werden. „Bei US-amerikanischen Firmen“, so Schmidt-Glintzer, „ist inzwischen der Nachweis eines Chinesisch-Zertifikats für die Besetzung von Spitzenpositionen in China Standard.“

Der Wolfenbütteler Bibliotheksdirektor betonte die Bedeutung von China-Kompetenz für Europa und warb dafür, sich mit der Sprache auch Elemente der fernöstlichen Kultur anzueignen. So wie man auch nichtvon dem Europäer oder von dem Amerikaner reden könne, müsse man auch die Vielfalt Chinas im Blick behalten. „Diese kann regional, religiös oder auf andere Weise geprägt sein.“ Die Sprache erschließe diese Vielfalt, mehr noch: „Sie eröffnet erst den Zugang in solch reiche geistige Traditionen wie den Zen-Buddhismus, die daoistischen Spekulationen über die Ordnung und den Lauf der Welt und eine der umfangreichsten literarischen Überlieferungen der Menschheit.“

Die Uni feierte den ersten deutschen Lehramtsstudiengang Chinesisch
Es ist vollbracht: Margret Ruep, Ministerialdirektorin im baden-württembergischen Ministerium für Kultus, Jugend und Sport, sowie Universitätsrektor Bernd Engler präsentieren die gerade unterzeichnete Vereinbarung, wonach die künftigen Absolventen des neuen Studiengangs ins Referendariat übernommen werden. Bild: Metz

Die Abteilung für Sinologie und Koreanistik des Asien-Orient-Instituts der Universität Tübingen richtet einen neuen Bachelor sowie Master of Education Sinologie/Chinesisch ein. Damit wird die Basis für den Aufbau der Lehrerinnen- und Lehrerausbildung für Chinesisch als gymnasiales Schulfach und die Weiterentwicklung der Fachdidaktik für Chinesisch geschaffen. Absolventinnen und Absolventen des Studiengangs mit Hauptfach Chinesisch und einem zweiten Schulfach können – dank einer Ausnahmegenehmigung des baden-württembergischen Kultusministeriums – in das Referendariat übernommen werden und erhalten so die Chance auf eine Anstellung im Schuldienst. Der neue Studiengang hat deutschlandweit Modellcharakter.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

26.10.2012, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball