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Verlierer und Disqualifizierte bekommen Lebertran

Die Verbindung Igel richtet in diesem Jahr das Tübinger Stocherkahnrennen aus – das mittlerweile sechzigste

In zwei Wochen findet das 60. Tübinger Stocherkahnrennen statt. Die heiße Phase begann am Mittwochabend: Im Haus der letztjährigen Verlierer, der Verbindung Igel, wurden die Startplätze ausgelost.

22.05.2015
  • Michael Sturm

Tübingen. Die Stühle reichten am Mittwochabend nicht aus: Knapp 120 Vertreter der Starter am diesjährigen Stocherkahnrennen kamen ins Haus der nichtschlagenden Verbindung Igel. Es waren jedoch nicht alle Teams vor Ort – wer nicht kam, muss nun beim Start zur Strafe in die letzte Reihe.

Die diesjährigen Ausrichter wollen in diesem Jahr streng sein. Organisationschef Christoph Haug wies darauf hin, dass man vorhabe, Teams zu disqualifizieren, die zum einen nicht rechtzeitig, also bis 13 Uhr, im Startbereich seien. Außerdem wolle man Mannschaften aus dem Rennen nehmen, die vorhätten, absichtlich zu verlieren – um die obligatorische abendliche Feier austragen zu können: „Das wollen wir nicht haben, das ist dem Publikum gegenüber unfair“, betonte Haug. Eine Maßnahme zur Abschreckung: Neben den Verlierern des Rennens lasse man auch die disqualifizierten Mannschaften Lebertran trinken.

Haug weiß, dass dies eine echte Strafe ist: Letztes Jahr saß er im Verlierer-Kahn und hatte ein Glas mit Lebertran zu leeren: „Wir waren alle tapfer und haben es bis zum Ende durchgezogen.“ Lohn für den letzten Platz: Die Verlierer veranstalten das dem Rennen folgende Fest. Eintritt und Konsum bringen jedoch beträchtliche Einnahmen. Spätestens seitdem das Rennen auch für Nicht-Verbindungen geöffnet wurde, gab es Manipulationen – das Fest war organisiert, das Team musste nur als letztes ins Ziel kommen.

„Wir wollten nicht verlieren“, betont Haug. Man habe einen guten Startplatz in der ersten Reihe gehabt. Doch vor dem Nadelöhr zwischen Eberhardsbrücke und Neckarinsel brach die Stocherstange der Igel, die fortan nur noch mit den Händen paddelnd vorwärts kamen – mehr schlecht als recht.

Zurück zu den Renn-Regeln: Mit acht Leuten werden die Teams als vollständig gewertet, „in welchem Zustand auch immer“, so Haug. Abgesehen von der Stocherstange und Knieschonern seien Hilfsmittel nicht zugelassen, „auch keine Bierkiste“. Dann wurde es spannend: Die Auslosung nahte. Eine Stimme von hinten setzte noch zur Bemerkung an: „Letztes Jahr wurden die Nummern sechs und neun vertauscht.“ Haug, mit Bestimmtheit in der Stimme: „Das wird diesmal nicht passieren!“

In diesem Jahr starten 46 Teams, je 20 in den ersten beiden Startreihen, der Rest dahinter. Die Mannschaften wurden nach Alphabet aufgerufen, danach zog Losfee Lukas die eingeschweißten Nummern aus einem silbernen Pokal. Gelächter brandete auf, als die zunehmend irritierter dreinblickende Losfee anfangs nur Nummern über 30 zog. „Ich würd’ sagen, das ist ’ne neun“, sagte er, als er die Startnummer der Verbindung Borussia herausfischte. „Vordere Reihe, Mitte links, nicht zu weit am Rand. Das ist schon gut“, meinte deren Vertreter Maximilian Siebert. Weniger Glück hatten die Kahnickel: Nummer 19. „Im Busch, rechts. Ganz schlecht“, befand Elias Schiele. „Das wird ein kniffliger Start“, ergänzte Mitpaddlerin Judith Kieninger, „aber unser Stochermeister macht das schon. Go, Simon!“ Mit der 40 noch weiter hinten und ganz außen: Die Landsmannschaft Ghibellinia. „Man kann was draus machen. Aber es kommt auf die Form des Stocherers an“, so Maximilian Rudlstorfer.

Die Igel stochern in diesem Jahr nicht mit. Alle werden irgendwo an der Strecke gebraucht. Sie richten, vermutlich erstmals in der Geschichte des Rennens, einen Infostand ein. Da können sich irritierte Ortsfremde erkundigen, worum es beim aufgeregten Kahn-Kuddelmuddel in dieser so beschaulich wirkenden Stadt eigentlich geht.

Die Verbindung Igel richtet in diesem Jahr das Tübinger Stocherkahnrennen aus – das mittlerweile
Augen zu und durch: Die Verbindung Igel, hier im Bild, verlor letztes Jahr das Stocherkahnrennen – die Besatzung des Verliererkahns kippte sich daraufhin ordentlich Lebertran hinter die Binde.Archivbild: Faden

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22.05.2015, 12:00 Uhr

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