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Ein Denkmal ist kein Hundeklo

Die Vorsitzenden des Kultur- und Museumsvereins ärgern sich über gewisse Halter von Vierbeinern

Den beiden Vorsitzenden des Kultur- und Museumsvereins Joachim Lipp und Heinrich Raible platzte am Dienstagmorgen wieder einmal der Kragen, als sie auf dem Weg zum Stadtmuseum am Sebastian-Lotzer Denkmal vorbei kamen. Erneut hat ein Hundebesitzer das Denkmal an der Wintergasse für sein liebes Haustier zum Gassi machen auserkoren.

05.11.2015

Horb. Zwar sucht man Sebastian Lotzers Portraitmedaillon vergebens auf der Rathausfassade, aber dank der Bemühungen des Kultur- und Museumsvereins dürfte dieser Name auch dem letzten Horber Ignoranten mittlerweile ein Begriff sein. Sebastian Lotzer, der als Feldschreiber des Baltringer Haufens die Zwölf Artikel verfasst und damit ein Monument in der Geschichte der Menschen- und Freiheitsrechte geschaffen hat, zählt zu den großen Söhnen der Neckarstadt.

Monument der Menschen- und Freiheitsrechte

Davon zeugt das Lotzer-Denkmal, das im Jahr 2006 an der Kehre der Wintergasse nach viereinhalbjähriger Kugelfuhr um Bildhauer, Standort, Inschrift und Form des Monuments vom Kultur- und Museumsverein errichtet worden ist. Aber jene Hundebesitzer, die das Lotzer-Denkmal an der Wintergasse zum „Hondsbronzer“ umfunktioniert haben, haben sich vielleicht in jene alte Horber Phalanx eingereiht, die dem Verfasser der Zwölf Artikel selbst nach annähernd 500 Jahren immer noch misstrauisch gegenübersteht.

Für die meisten Schwarzen gilt Lotzer aufgrund der klassenkämpferischen Geschichtsklitterung vergangener DDR-Zeiten weiterhin als eine Art Komsomolze oder Revoluzzer und damit als leibhaftiger Gottseibeiuns. Bei den Horber Roten und Grünen, die den Feldschreiber des Baltringer Haufens zumindest einmal aus der Versenkung auf ihr Parteischild gehoben haben, hapert es meist mit seiner souveränen biblisch-evangelischen Gotteserkenntnis.

Verschrien als Gotteslästerer und Lutheranhänger

Genauso tun sich zwischen Graben- und Aischbach die den Prinzipien der Marktwirtschaft verpflichteten Blau-Gelben mit seinen Flugschriften schwer, die schon zu Beginn der Neuzeit die Profitgier mit als Wurzel allen Übels verdammten.

Für die etwas rechtslastigen Horber war die vor rund 500 Jahren erfolgte gemeinschaftliche Erhebung der kleinen Leute zum aufrechten Gang als freie Menschen noch nie ein Thema, zumal nationale Erhebungen für sie offensichtlich nur dann einen Stellenwert besitzen, wenn eine Machtergreifung zur unheilvollen Herrschaft von Arbeitsscheuen über Arbeitslose führt.

Selbst die beiden großen Kirchen tun sich in Horb mit Sebastian Lotzer schwer. Der gute Katholik am Fuße des Schütteberges beäugt ihn argwöhnisch, da er als glühender Anhänger der Reformation nicht auf Seiten der heiligen römischen Kirche gestanden hat. Für den strenggläubigen Protestanten zu Füßen des Kreuzkapellenberges gilt Lotzer indessen als Gotteslästerer, der sich im Kampf für die Sache der Rechtlosen sündhaft mit dem Evangelium bemäntelt hat.

Horb wäre nicht Horb gewesen, wenn sich nicht der ehrbare Gemeinderat im ansonsten völlig verpennten Jubiläumsjahr 1990, in dem man den 500. Geburtstag von Sebastian Lotzer hätte feiern können, hinsichtlich der Namensgebung des Sebastian-Lotzer-Platzes wieder einmal heillos zerstritten hätte. Und weil spätestens in zehn Jahren die Welt vielleicht auch ein bisschen nach Horb schielt, wenn man wahrscheinlich in der Memminger Martinskirche im Beisein des Bundespräsidenten den 500. Geburtstag der Zwölf Artikel feiert, dann sollten doch auch die Horber Hundebesitzer langsam dafür Sorge tragen, dass dieses Denkmal nicht von einem ihrer Lieblinge bepinkelt wird. Auf jeden Fall liegt die Lösung dieses Problems am anderen Ende der Hundeleine.

Die Vorsitzenden des Kultur- und Museumsvereins ärgern sich über gewisse Halter von Vierbeinern
Im Jahr 2006 wurde an der Kehre der Wintergasse vom Kultur- und Museumsverein das Sebastian-Lotzer-Denkmal erstellt, das dank der Unverfrorenheit einiger Horber Hundebesitzer zu einem „Hondsbronzer“ geworden ist. Dabei sollte ein Denkmal alles andere als ein Hundeklo sein.Privatbild

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05.11.2015, 12:00 Uhr

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