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Neue Mülltonnen

Die Wahrheit liegt im Deckel

Bald bricht im Landkreis Tübingen die schöne neue Müllzeit an. Vorbei die Jahre, in denen es kleine und große Tonnen, runde und eckige, welche aus Plastik und solche aus Metall gab, um den Müll zu entsorgen. Eckig und irgendwie futuristisch geformt ist das neue Modell, schwarz für den Restmüll, grün für den Biomüll. Und es hat Räder.

04.11.2012
  • Uschi Hahn

Die Müllmänner sollen es leichter haben. Sie müssen die Tonnen vom 1. Januar an nicht mehr über die Straße tragen und zum Entleeren hochwuchten. Sie können die Tonnen jetzt bequem bis zum Müllauto rollen, das mit einer Hebevorrichtung ausgestattet ist, in die sich die neuen Normtonnen einklinken lassen.

Deshalb haben die insgesamt 88 500 Behälter, die der Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises bis Ende November ausliefern will, auch eine Mindesthöhe. Das Fassungsvermögen – entscheidend für die Müllgebühren – wird durch einen Einsatz vorgegeben.

Und da wird es interessant. Denn zum Beispiel die 40-Liter-Tonnen, die zum Teil schon ausgeliefert sind, sehen zwar von außen ganz schön groß aus. Klappt man aber den Deckel auf und schaut hinein, kommt einem der Behälter für den Müll ganz schön klein vor. So zumindest ging es einem 56-jährigen Entringer. Der früher in der Kunststoffindustrie beschäftigte Frührentner wunderte sich nicht nur. Er maß nach. Liter für Liter kippte der Mann Wasser in den Mülleimer. Aber mehr als 35 Liter bekam er nicht unter in seiner 40-Liter-Tonne.

Der Entringer war nicht der Einzige, der dieses Experiment anstellte. Das erfuhr er, als er sein Messergebnis schriftlich dem Landratsamt mitteilte. In der postwendend eintreffenden Antwort hieß es nämlich nicht nur, dass es sich bei den 40-Liter-Eimern um Normbehälter handele, die alle nach einer DIN-Norm produziert und auch in anderen Landkreisen verwendet werden. Man pflichtete dem Beschwerdeführer auch bei: Auf den ersten Blick erscheine diese Tonne optisch kleiner, „das stimmt, wir hatten den gleichen Eindruck“. Und so habe man das Volumen selbst nachgeprüft. Das Ergebnis: „Das Fassungsvolumen des Korpus betrug bei unserer Prüfung 35 l, das des Deckels 6 l. Das Deckelvolumen wird mitgerechnet, weil auch dieses Volumen mitgenutzt werden kann.“

Mit dieser Antwort wollte sich der Frührentner aus Entringen nicht zufriedengeben. Er schrieb ein weiteres Mal an den Abfallwirtschaftsbetrieb und machte, unter anderem geltend, dass ein Mülleimer, wie ja schon das Wort sage, ein Eimer sei, der ausschließlich dazu benutzt werde, mit losen Gegenständen befüllt zu werden. Wie aber, fragte der Mann, solle denn auch noch der Deckel befüllt werden? Diese Art von Volumenberechnung könne jedenfalls „auch als versteckte Gebührenerhöhung gesehen werden, schrieb er noch. Die Antwort steht noch aus.

Man darf gespannt sein, ob die sparsamen Schwaben im Landkreis die neuen Tonnen tatsächlich bis über den Rand hinaus mit Müll befüllen, um das mitbezahlte Volumen im Deckel auszunutzen. Dann jedenfalls könnte es schnell vorbei sein mit der schönen neuen Müllwelt. Denn der Berg auf der Tonne purzelt ganz schnell auf die Straße, wenn die Müllmänner die genormten Abfallbehälter erst mal leeren wollen.

Die Wahrheit liegt im Deckel

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04.11.2012, 12:00 Uhr

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