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Das Modehaus klimafreundlicher gemacht

Die Weippert-Inhaber ließen sich gründlich beraten und investierten in energiesparende Technik

Mit fast nur der Hälfte der zuvor verbrauchten Energie kommen Beleuchtung, Klimatisierung und Lüftung im Rottenburger Modehaus Weippert aus, seitdem es nach ökologischen Kriterien modernisiert wurde. Um mindestens 24 Tonnen reduziert sich der Jahresausstoß des klimaschädlichen Gases CO2.

28.04.2016
  • Gert Fleischer

Rottenburg. Das Geschäft an der Königstraße ist Rottenburgs größtes Modekaufhaus. Vor 70 Jahren gründeten Emil und Elfriede Weippert das Unternehmen, damals in der Bahnhofstraße 13. Nimmt man die Vorläufergeschäfte Kuhn und Schneider hinzu, reichen die Wurzeln 115 Jahre zurück. Nach Tochter Doris Meergans und ihrem Mann Jürgen Meergans sind seit einigen Jahren Ulrich und Ingrid Meergans Geschäftsführer des in dritter Generation inhabergeführten Modehauses Weippert.

Jede Generation prägte das Geschäft nicht nur in der Warenpräsentation; die Jüngsten machten es nun mit der energetischen Sanierung. Fördermittel, die es dafür gibt, erleichterten die Entscheidung, so viel Geld zu investieren. Denn die Berechnung, wann sich solch eine Umstellung amortisiert, also durch anderweitige Ersparnis selbst finanziert hat, ist bei schwankenden Energiepreisen besonders unsicher. Ziemlich gewiss ist der Nutzen für die Umwelt.

Eineinhalb Jahre planten die Inhaber zusammen mit Beratungsfirmen und Ingenieuren. Über den Einzelhandelsverband gelangte Ulrich Meergans, 45, zur Reoptima GmbH in Leonberg, die sich auf energetische Optimierungen in Industrie, Gewerbe und kommunalen Unternehmen spezialisiert hat.

Speziell in Modegeschäften sind massenhaft Strahler eingebaut, um die Ware optimal zu präsentieren. Da soll es nicht einfach nur hell sein, sondern die Farben sollen möglichst originalgetreu erscheinen und es soll auch immer wieder Spannung entstehen durch den Wechsel von Hell und Dunkel. Sehr trendy sind derzeit Shops, die ganz dunkel sind und in denen vor schwarzem Hintergrund allein die Waren in gleißendes Licht gesetzt werden – so wie es teilweise auch in Museen gemacht wird. Das wollten Ingrid und Ulrich Meergans ihrer Kundschaft nicht zumuten.

LED-Licht galt in den Anfangsjahren als extrem stromsparend, aber bleich und kalt in der Anmutung. „Wegen der Lichtfarbe haben wir lang mit der Umstellung gewartet“, erzählt Ulrich Meergans. Die Menschen sollten sich wohl fühlen. Inzwischen ist die LED-Technik so ausgefeilt, dass sie hohe Lichtstärke („Power-LED“) und alle Lichtfarben bietet, und das sogar steuerbar. Dafür ist die Stromersparnis nicht mehr so extrem, aber mit 40 Prozent sehr beachtlich.

Noch vor zweieinhalb Jahren sei ihm von der Umstellung der im Einzelhandel üblichen, für brillante Farbwiedergabe bekannten Halogen- und CDMT-Strahler (Halogen-Metalldampflampen) abgeraten worden, berichtet Meergans. Die Geduld habe sich gelohnt, sagt er nun zufrieden: „Das Licht ist sehr ehrlich. Die Farben unserer Ware sind äußerst realistisch. Es macht Spaß, sich in diesem Licht aufzuhalten.“

Weitere Einsparungen, die häufig unbeachtet bleiben, hat das Modehaus Weippert durch die weitaus höhere Lebensdauer der LED-Leuchtmittel. „Wir wechseln keine Leuchtmittel mehr“, sagt Meergans; „früher musste der Hausmeister fast jeden Tag Halogenlampen austauschen.“

Licht und Luft sind jetzt angenehmer für alle

Die Beschäftigten, die Stunden oder einen ganzen Arbeitstag in Kunstlicht verbringen, entlaste das neue Licht. Ebenso wichtig für ihr Wohlbefinden sei die Luftqualität. Die neue Lüftungsanlage tausche die gesamte Innenluft pro Stunde zweieinhalb Mal komplett aus. Die dafür notwendige Technik habe früher ein halbes Stockwerk beansprucht, jetzt komme sie mit zwei mal zwei Metern Standfläche aus. Die neue Anlage habe einen wesentlich besseren Wirkungsgrad bei der Wärmerückgewinnung: Bevor die Raumluft ins Freie geblasen wird, entzieht ihr der Wärmetauscher 80 Prozent der Wärme und heizt damit bei Bedarf die von außen einströmende Frischluft so auf, dass Kunden und Mitarbeiter nicht unter Zugluft leiden. Es gibt auch keine Gebläsegeräusche mehr.

Die Anlage für die Klimatisierung steht auf dem Dachboden (siehe großes Foto). Weil nicht das Dach zwischen oder unter den Sparren gedämmt ist, sondern die Decke unterhalb des Dachbodens, kann die Klimaanlage relativ unauffällig Luft ansaugen oder ausblasen, ohne dass es dafür unschöner An- und Aufbauten auf dem Dach in der Rottenburger Altstadt bedurfte.

Von dieser Anlage, dem Herz der gesamten Lüftungstechnik des Modehauses, führen die Luftkanäle in die Stockwerke darunter und wieder zurück. In den Etagen erfolgt die Verteilung über die Deckenkonstruktion. Im Keller steht die Gasheizung. Heizen und Kühlen erledigt die Anlage über das Medium Luft, automatisch abgestimmt auf die jeweiligen Zustände in den einzelnen Etagen. Auch die Tanzschule Gayer, die im Weippert-Gebäude ihre Räume hat, profitiert von der neuen Anlage.

Wenn schon Umbau, dann sollte auch aktuelles Shop-Design Einzug halten. Deshalb ließen die Inhaber ihr Untergeschoss auf Rohbau-Zustand entkleiden, um ihm anschließend Loft-Charakter zu verleihen, also das Flair einer Lager- oder Fabrikhalle. „Es ist unglaublich, was sich im Lauf von 40 Jahren an Kabeln ansammelt“, berichtete Ulrich Meergans vom Erlebnis, als die Handwerker die Deckenverkleidung lösten. Nun gibt es keine abgehängte Decke mehr, sondern die betonblanke Rippen-Decke der Rohkonstruktion. Der Boden wurde mit einem neuen, polierten Estrich ausgestattet ohne weitere Auflage.

Den Stromverbrauch nahezu halbiert

Die ersten Erfahrungen nach dem energetischen Umbau geben Ingrid und Ulrich Meergans das Gefühl, richtig investiert zu haben. Der Strombezug ging in den Monaten Mai und Juni – das sind für das Modehaus Monate mittleren Verbrauchs – im Jahresvergleich 2015 zu 2014 von 15000 auf 7800 Kilowattstunden zurück. Das ist – ohne Berücksichtigung der jeweiligen Temperaturen – eine Verbrauchsreduzierung von 48 Prozent. Damit verringert das Unternehmen zugleich die Produktion des Klimakiller-Gases CO2 um -zig Tonnen. Nach dem Rechner des Bundesumweltamts wären es 24 Tonnen pro Jahr, nach dem des Internationalen Wirtschaftsforums Regenerative Energien (IWR) wären es 51 Tonnen.

Bundesamt bezahlt bis zu 8000 Euro des Beratungshonorars

Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) bietet Energieberatungen an für kleine und mittlere Unternehmen (KMU), also die so genannten mittelständischen Betriebe. Es will durch qualifizierte und unabhängige Beratung Informationsdefizite abbauen und den Selbstständigen dazu verhelfen, Energiesparpotenziale im eigenen Unternehmen zu erkennen und Energieeinsparungen zu realisieren.

Die Energieberatung soll wirtschaftlich sinnvolle Energieeffizienzpotenziale bei Gebäuden, Anlagen und im Nutzerverhalten aufzeigen. Ziel ist es, die Umsetzungsquote der aufgedeckten Einsparpotenziale zu erhöhen. So kann laut BAFA „ein wesentlicher Beitrag zur Energiesicherheit in Deutschland und zum Klimaschutz geleistet werden“.

Die geförderten Energieberatungen sind hochwertige Energieaudits im Sinn der EU-Energieeffizienzrichtlinie. Für KMU kann eine Beratung von der BAFA mit 80 Prozent der entstehenden Kosten und maximal 8000 Euro gefördert werden. Antragsberechtigt sind KMU der gewerblichen Wirtschaft und des sonstigen Dienstleistungsgewerbes sowie Angehörige der Freien Berufe mit Sitz und Geschäftsbetrieb in Deutschland, die weniger als 250 Leute beschäftigen und einen Jahresumsatz von nicht mehr als 50 Millionen Euro oder eine Jahresbilanzsumme von nicht mehr als 43 Millionen Euro haben. Quelle: BAFA

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28.04.2016, 01:00 Uhr

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