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Die Whisky-Rebellion von Kentucky

Mitarbeiter haben erfolgreich für bessere Bedingungen gekämpft

22.10.2016
  • DPA

Clermont. Es ging nicht ums Geld, sondern um „Mangel an Respekt“ und „Work-Life-Balance“: Sechs Tagen wurden zwei Bourbon-Destillerien des Whisky-Herstellers Jim Beam im US-Bundesstaat Kentucky bestreikt. Rund 250 Angestellte hatten die Arbeit niedergelegt, nachdem monatelange Vertragsverhandlungen zwischen Unternehmen und Gewerkschaft keine Einigung brachten. Der Streik hat letztere nun doch herbeigeführt. Gestern Abend verkündete die Unternehmensleitung der Presse, die Mitarbeiter hätten ein neues Vertragsangebot akzeptiert. Der Streik sei beendet.

Jim Beam, nach Branchenführer Jack Daniels aus Tennessee eine der meistverkauften Whisky-Marken, gibt sich gerne als gemütliches Traditionsunternehmen. „Die Beam-Familie hat eine lange Geschichte, die Dinge auf ihre eigene Art zu machen“, heißt es in der folkloristischen TV-Werbung. Es wird der Eindruck vermittelt, als gehe es bei der Bourbon-Produktion noch genauso gemächlich zu, wie vor über zwei Jahrhunderten.

Zu dieser beschaulichen Selbstdarstellung wollte der Streik überhaupt nicht passen. Die Belegschaft in den Destillerien in Clermont und Boston klagte über Überarbeitung und fühlte sich im Stich gelassen. „Vor allem fordern wir eine bessere Work-Life-Balance und eine Rückkehr zu den familiären Werten und dem Erbe, auf dem die Marke Jim Beam basiert“, sagte Jannelle Mudd, Mitarbeiterin und Präsidentin der örtlichen Gewerkschaftsvertretung, dem „Wall Street Journal“.

Seit Gründung des Unternehmens 1795 ist viel passiert. Damals begann Johannes Jakob Böhm, ein Sohn deutscher Einwanderer, der sich in Jacob Beam umbenannte, in Clermont mit der Bourbon-Herstellung. Generationen von Beams machten das Getränk weltberühmt. 2014 wurde das Unternehmen für 13,6 Mrd. Dollar vom japanischen Whisky-Riesen Suntory geschluckt. Der Deal sorgte bei patriotischen US-Kunden für viel Empörung. Auch auf die Firmenkultur wirkte sich die Übernahme aus, etwa durch einheitliche Arbeitskleidung – in Japan normal, in Kentucky nicht.

Am Lohn lag es nicht

Ins Schema eines Traditionsunternehmens, das von einem Großkonzern ausgepresst wird, passt der Fall aber nicht. Das Geld sei nicht das Problem, erklärte noch vor kurzem Gewerkschafterin Mudd. Vollzeitkräften seien im Schnitt 23 Dollar pro Stunde angeboten worden. Der Mindestlohn in Kentucky liegt bei 7,25 Dollar. Doch die Arbeitsbelastung bringe die Angestellten ans Limit. Zum Teil seien Zwölfstundenschichten an sechs oder sieben Wochentagen Usus. „Alle von uns arbeiten hart und haben ein besseres Leben verdient.“

Der Hauptgrund, dass bisherige Vertragsangebote abgelehnt worden seien, sei „eine Atmosphäre mangelnden Respekts“ gegenüber den hart arbeitenden Gewerkschaftsmitgliedern gewesen, sagt Mudd. dpa

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22.10.2016, 06:00 Uhr

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