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Die Wilhelma setzt acht Prozent weniger Tagestickets ab
Stets eine Attraktion für die Besucher, auch im Winter: die Fütterung der Seelöwen. Foto: Manfred Grohe
Tiergarten

Die Wilhelma setzt acht Prozent weniger Tagestickets ab

Der Stuttgarter Zoo verspürt einen Besucher-Rückgang. Direktor Thomas Kölpin führt den Verlust auf schwierige Rahmenbedingungen zurück.

25.01.2017
  • RAIMUND WEIBLE

Sie ist nach wie vor ein großer Besucher-Magnet, die Stuttgarter Wilhelma. Doch das vergangene Jahr verlief enttäuschend. Der Zoologisch-Botanische Garten im Landesbesitz hat 2016 weniger Tages-Tickets verkauft. Im Vergleich zu 2015 ging der Absatz um 8,4 Prozent zurück. Eine Entwicklung, die Direktor Thomas Kölpin nachdenklich macht. Auch der Kostendeckungsgrad ging zurück. Neuerdings liegt er bei 69 Prozent. Früher kam die Wilhelma auf über 70 Prozent.

Für Ernüchterung sorgte auch die automatisierte Zählung der Besucher. Bisher hat die Direktion die Anzahl der Besuche von Jahreskarten-Inhabern geschätzt. Sie ging, wie auch die anderen großen Zoos in Europa, mit jeweils 20 Besuchen pro Dauerkartenbesitzer und Jahr aus. „Dieser Faktor mag früher gepasst haben“, sagt Kölpin, „doch die Rahmenbedingungen haben sich geändert. Als Jahreskarten relativ teuer waren, wurden sie deswegen intensiv genutzt.“ So ermittelte die Wilhelma 2,3 Millionen Besucher im Jahr 2015, 2014 sogar 2,4 Millionen.

Zu hoch geschätzt

Diese Zahlen erwiesen sich als Luftnummern. Inzwischen wird am Eingang jeder Besucher elektronisch erfasst. Somit verfügt der Zoo erstmals über gesicherte Daten. Und mit 1,3 Millionen liegt das 2016 erzielte Ergebnis erheblich unter den Zahlen nach der traditionellen Berechnungsweise, die auf Hochrechnungen basiert.

2016 setzte die Wilhelma 800 000 Tageskarten ab, 700 000 weniger als im Jahr zuvor. Den Rückgang des Tagesticket-Verkaufs führt Kölpin auf verschiedene Faktoren zurück. So seien die Feiertage und Ferien im Frühjahr zu einem großen Teil verregnet gewesen. Der Juni, sonst einer der besten Monate für die Wilhelma, war fast durchgehend ungewöhnlich nass. Warnungen vor großräumigen Unwettern hätten potenzielle Besucher abgeschreckt, obwohl Bad Cannstatt nicht betroffen war.

Doch nicht nur das Wetter, auch Probleme im Umfeld macht Kölpin für den Rückgang verantwortlich. Die Baustellen für den Rosensteintunnel direkt vor der Haustür, die damit verbundenen Straßensperrungen und Unterbrechungen der Stadtbahnlinie U 14 hätten dazu beigetragen, die Menschen zu verunsichern, sagt der Direktor. So hätten viele den Wilhelma-Besuch auf unbestimmte Zeit verschoben.

Möglicherweise spielten noch andere Faktoren eine Rolle. Es fehlten Attraktionen von großer Publizität. So blieb die erhoffte Elternschaft der Eisbären Corinna und Felix aus. Ohne dass Corinna trächtig wurde, verließ Felix im November 2015 den Zoo wieder. Das Eisbärenjunge Wilbär hatte 2009 einen Hype ausgelöst. „So ein Baby zieht natürlich“, sagt Kölpin. Einen neuen Versuch mit Corinna wird es nicht geben. „Sie ist zu alt. Da macht das keinen Sinn mehr“, sagt Kölpin.

Statt Kinderglück gab es im Frühjahr 2016 Ärger. Tierschützer stellten Videos mit einer angeblich verhaltensgestörten Corinna ins Netz.

Kölpin hofft auf ein besseres Jahr 2017. Zwei Neuerungen sollen für Zugkraft sorgen. Die erste ist das neue Haus für kleine Säugetiere, Vögel und fleischfressende Pflanzen. Dieses Haus soll im Sommer eröffnet werden. Das andere ist der Neubau eines Außengeheges für die Schneeleoparden. Es wird vier Mal größer sein als das alte.

Die Löwen kehren zurück

Wenn alles nach Plan geht, könnte gegen Ende des Jahres ein lang gehegter Wunsch der Wilhelma in Erfüllung gehen: die Rückkehr der Löwen. Wenn die Schneeleoparden im Herbst in ihr neues Domizil ziehen und die einzige Tigerin verlegt wird, entsteht reichlich Platz im Raubkatzen-Revier für die „Könige der Tiere“.

Löwen gibt es seit 2008 in der Wilhelma nicht mehr. Mit wie vielen Tieren der Stuttgarter Zoo das Gehege belegen kann, steht laut Kölpin noch nicht fest. Das hänge vom Erhaltungszuchtprogramm ab, sagt er. Zumindest rechnet er fürs erste mit „zwei jungen Männern“. Die Rückkehr der Löwen und andere Weiterentwicklungen machen Kölpin zuversichtlich, dass es mit den Besucherzahlen in Zukunft wieder aufwärts geht. In den nächsten Jahren will er die 1,5-Millionen-Marke schaffen.

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25.01.2017, 06:00 Uhr

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