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Die Zukunft des Wohnens
17 Mio. EUR hat die Fertighaus-Welt in Günzburg gekostet, die am heutigen Samstag eröffnet wird. Jährlich soll sie 50?000 Besucher anlocken. Foto: Bildquelle

Die Zukunft des Wohnens

Das Eigenheim produziert mehr Energie als es benötigt, lädt das Elektroauto und kann kommunizieren. Die Vision ist teilweise schon Wirklichkeit.

08.10.2016
  • ALEXANDER BÖGELEIN

Ulm. Die Zukunft des Wohnens hat begonnen. Vor drei Jahren hatte das Zukunftsinstitut unter Leitung des Forschers Matthias Horx neun zentrale Trends bis zum Jahr 2025 beschrieben. Etliche sind schon jetzt Wirklichkeit oder stehen vor dem Durchbruch. „Dazu gehört auch das Thema Smart Home“, sagt Johannes Schwörer, der Präsident des Bundesverbandes Deutschen Fertigbau. Das Thema wird zwar schon seit mehr als einem Jahrzehnt auf der Messe Cebit als Trend ausgerufen. Viele Verbraucher sahen aber keinen Sinn darin, Geld auszugeben, um vom Sofa aus Jalousien und Heizung zu steuern.

Doch die Einstellung zu dieser Technik wandelt sich. „Der stärkste Impuls geht von der Unterhaltungselektronik aus“, sagt Schwörer. „Moderne TV-Geräte sind Computer, die mit dem Internet verbunden sind und mit denen man über Wlan und Bluetooth kommunizieren kann. Und sie haben Kameras, die melden, was sich im Raum tut.“ Für ihn ist klar: „Künftig läuft die Haussteuerung über den Fernseher Das gibt einen Riesen-Run.“

Doch auch große US-Konzerne drängen auf den Markt. Sowohl Google mit „Home“ als auch Amazon mit „Echo“ haben kabellose Rundum-Lautsprecher herausgebracht, die über einen sprachgesteuerten Assistenten verfügen: Google Assistant und Amazon Alexa lernen hinzu, beantworten Fragen, erledigen Aufgaben und steuern andere Geräte.

Eigenheim als Ladestation

„Schon jetzt wächst der Smart-Home-Markt in Deutschland rasant“, sagt Joachim Bühler, Mitglied des High-Tech-Branchenverbandes Bitkom. Die Steuerung der Haustechnik übers Internet sei mittlerweile nicht mehr nur etwas für Technikbegeisterte, sondern auch für Kostenbewusste. Künftig werde auch die Kommunikation zwischen Auto und Haus zunehmen. So werden Heizung oder Backofen während der Fahrt eingeschaltet.

Das sieht Schwörer auch so. Ohnehin arbeitet die Fertighausbranche seit Jahren an energieeffizienten Lösungen und an der Verzahnung zur E-Mobilität. Der Hintergrund: Die Mehrzahl der Fertighäuser sind heute Plus-Energie-Häuser, sie verbrauchen weniger Energie, als sie erzeugen. Wer im Jahr 2016 sein Eigenheim erstellt, gleichgültig ob als Fertighaus oder als Massivbau, sollte zumindest Leerrohre für den Anschluss einer Photovoltaik-Anlage und einen Batteriespeicher legen lassen, inklusive Lademöglichkeit für E-Fahrzeuge. Ein solches System sei heute für rund 20 000 EUR zu haben. Die Lithium-Ionen-Batterie sei nur so groß wie ein Kühlschrank. „Den Strom, den das Haus tagsüber erzeugt, können die Bewohner abends nutzen“, sagt Schwörer.

Auch dieses energieautarke Wohnen gehört zu den Mega-Trends, die das Zukunftsinstitut ausgemacht hat, ebenso wie das Wohnen in Zonen. Starre Grundrisse haben ausgedient. Große Räume werden zunächst als Büro und Wohnzimmer, später bei Bedarf als Kinder- und Gästezimmer genutzt. Bei den Grundrissen der Fertighäuser, so Schwörer, sei Flexibilität schon heute ein wichtiges Kriterium. Das liege auch an neuen Lebensformen wie zum Beispiel Patch-Work-Familien.

Ein großes Thema für die Branche ist der Mangel Bauland, der auch die Preise steigen lässt. Mittlerweile, so Schwörer, seien beispielsweise in Ludwigsburg Quadratmeterpreise von 600 EUR keine Seltenheit. Das seien früher Preise gewesen, die man aus Stuttgart gekannt habe.

Dass potenzielle Hauskäufer ihr neues Eigenheim virtuell per Datenbrille erkunden, würde Verbandschef Schwörer zwar begrüßen. Denn das würde die Vertriebskosten deutlich verringern. Doch Bauinteressierte wollten sich in dem Haus bewegen, ein Gefühl für den Raum bekommen. Türen, Fenster und anderes anfassen. Daher bleiben Musterhäuser vorerst das wichtigste Vertriebsinstrument.

Um den süddeutschen Markt besser abzudecken, hat der Branchenverband BDF in Günzburg 17 Mio. EUR in eine neue „Fertighaus-Welt“ investiert, in der sich 17 Aussteller präsentieren.

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08.10.2016, 06:00 Uhr

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