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Die angespannte Lage bei der Aufnahme von Flüchtlingen hat sich im Kreis entspannt / Neue Stellen ge
Bernd Hamann ist Sozialdezernent beim Landratsamt in Rottweil.
Archivbild: bbm
Atempause – aber für wie lange?

Die angespannte Lage bei der Aufnahme von Flüchtlingen hat sich im Kreis entspannt / Neue Stellen geschaffen

Es ist nur wenige Wochen her, seitdem die Grenzen Osteuropas dicht gemacht wurden. Seither sitzen tausende Flüchtlinge in Griechenland oder vor den Toren der EU fest. Die ersten Boote kentern wieder im Mittelmeer. In Syrien selbst herrscht eine brüchige Waffenruhe. Für die hiesige Region bedeuten die Entwicklungen allerdings eine Phase der Entspannung in der Flüchtlingsarbeit – wie lange diese anhält, weiß keiner.

21.04.2016
  • Benjamin Breitmaier

Kreis Rottweil/Sulz. Erleichterung liegt in seiner Stimme. Der Kreis Rottweil hat es geschafft, vorerst Notfallunterbringung für ankommende Flüchtlinge zu vermeiden. Bis zum heutigen Tag musste keine Halle belegt werden – und die Zahlen gehen derzeit zurück. Bernd Hamann ist Sozialdezernent beim Landratsamt in Rottweil. Hinter ihm liegen nervenaufreibende Monate. „Im November des vergangenen Jahres mussten wir noch von Tag zu Tag entscheiden, ob wir die Hallen aufmachen müssen“, erklärt er. Die Zahl der zugeteilten Flüchtlinge lag damals bei fast 400 pro Monat – zu viel, für die dezentrale Unterbringung. Hamann fuhr nach Stuttgart, um einen Deal mit der Landesregierung auszuhandeln – mit Erfolg. „Sie haben uns Aufschub gewährt“, erklärt der Sozialdezernent. Das Landratsamt durfte für einen kurzen Zeitraum seine Quote an zugeteilten Flüchtlingen um 50 Prozent senken. „Irgendwann kam dann das Ok von Stuttgart und uns fiel ein Stein vom Herzen. Nur so konnten wir es schaffen.“

Jetzt müssen diese „Altlasten“ abgetragen werden. Die Quote der zugeteilten Flüchtlinge liegt aktuell für den April bei 88. Hinzu kommen 74 Personen aus dem Deal vom November des vergangenen Jahres. Die Zahl stellt aber mittlerweile kein derart großes Problem mehr dar, wie noch vor einigen Monaten. „Die nächsten zwei Monate müssen wir auf jeden Fall nicht in die Hallen. Soweit vorausschauen konnte ich schon lange nicht mehr“, erklärt Hamann. Trotzdem sucht der Kreis Rottweil weiter nach leerstehenden Objekten. „Wir mieten an, belegen aber nicht sofort“, erklärt Hamann, denn „ich wage nicht zu sagen, das ist jetzt alles erledigt“.

Aktuell leben etwa 2300 Flüchtlinge im Kreis Rottweil. Zu der Zahl gehören unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, Asylbewerber und anerkannte Flüchtlinge, die Leistungen nach SGB II beziehen. Der Landkreis reagiert auf die Anforderungen mit neuen Stellen, aktuell werden für die Flüchtlingsarbeit für das Jahr 2016 insgesamt 20 Stellen eingeplant.

Doch die Besetzung gestaltet sich schwierig. Hamann: „Der Fachkräftemangel ist nach wie vor belastend.“ Vor allem die Betreuung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen sei schwierig. Seit November ist der Kreis Rottweil für etwa 100 Jugendliche verantwortlich, die vorwiegend bei freien Trägern untergebracht sind. Doch die Einrichtungen sind voll.

Im laufenden Jahr wartet aber auch mehr Arbeit auf die Kommunen. Viele Flüchtlinge werden anerkannt oder erhalten Duldungsstatus. Die Verantwortung geht in dem Fall vom Landkreis auf die Kommune über, die Anschlussunterbringungen zur Verfügung stellen muss, bis sich der anerkannte Flüchtling am Wohnungs- und Arbeitsmarkt zurecht findet.

Um dieser Aufgabe Herr zu werden, steckt Sulz in den Vorbereitungen zur Gründung einer Gesellschaft mit dem Arbeitstitel „Eigenbetrieb soziales Wohnungs- und Baumanagement“. Der Betrieb soll sich um den Ankauf von Objekten kümmern, die sich für eine Unterbringung von sozial schwächer gestellten Bürgern kümmert. Noch vor der Sommerpause soll die Gründung im Sulzer Gemeinderat diskutiert werden. „Im Moment ist es so, dass der Arbeitskreis Flucht und Asyl unterstützt bei der Wohnungssuche und wir auch vermitteln“, erklärt Sabrina Glöckler, Sachgebietsleisterin Bürgerdienste bei der Stadt Sulz. Mit der neuen Gesellschaft soll diese Unterstützung nun institutionalisiert werden.

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21.04.2016, 01:00 Uhr

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