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Großbank der Genossen

Die beiden Zentralinstitute von Volks- und Raiffeisenbanken fusionieren

DZ Bank und WGZ sind die beiden Dachorganisationen des genossenschaftlichen Sektors. Fünf Mal haben sie in der Vergangenheit schon den Zusammenschluss geplant. Dieses Mal soll es klappen.

20.11.2015

Von ROLF OBERTREIS

Frankfurt/Düsseldorf Nach fünf gescheiterten Anläufen im vergangenen Jahrzehnt wollen die Frankfurter DZ Bank und die Düsseldorfer WGZ ihre Fusion Mitte nächsten Jahres beim sechsten Versuch endlich über die Bühne bringen. Gestern unterzeichneten die beiden letzten Zentralbanken des Genossenschaftssektors eine entsprechende Absichtserklärung. Es wäre die größte Bankenfusion in Deutschland seit der Übernahme der Postbank durch die Deutsche Bank vor fünf Jahren.

Wolfgang Kirsch und Hans-Bernd Wolberg, die Vorstandschefs der beiden Institute gaben sich absolut überzeugt, dass die Fusion diesmal klappt. Sie soll zu Einsparungen von 100 Mio. EUR pro Jahr führen. Der mit dem Zusammenschluss verbundene Personalabbau soll moderat ausfallen und werde sehr wahrscheinlich durch natürliche Fluktuation und das altersbedingte Ausscheiden von Mitarbeitern bewältigt werden können, betonten beide Banker.

Mit dem Zusammenschluss, der am 1. August nächsten Jahres nach der Zustimmung der Aktionäre beider Banken, den derzeit knapp 1100 Volks- und Raiffeisenbanken, vollzogen werden soll, entsteht ein Geldhaus mit einer Bilanzsumme von knapp 300 Mrd. EUR und rund 5700 Beschäftigten. Damit ist die neue DZ Bank hinter Deutscher Bank, Commerzbank, der staatlichen KfW und der Hypovereinsbank die fünftgrößte Bank Deutschlands. Im Jahr 2014 erzielten beide Institute zusammen einen Jahresüberschuss von rund 247 Mio. EUR.

Von der Fusion nicht betroffen sind die zum DZ Bank Konzern gehörenden genossenschaftlichen Tochter-Unternehmen, unter anderem die Bausparkasse Schwäbisch Hall, die R+V Versicherung und der Fondsanbieter Union Investment. Mit den Töchtern einbezogen rangiert der neue DZ-Bank-Konzern hinter der KfW auf Platz vier unter den deutschen Großbanken.

Nach Überzeugung von Kirsch und Wolberg bietet der Zusammenschluss nicht nur für die DZ Bank und die WGZ Bank einen hohen strategischen und betriebswirtschaftlichen Nutzen, sondern auch für die Volks- und Raiffeisenbanken. Die unmittelbaren Einsparnisse durch eine verbesserte Marktbearbeitung, die Vermeidung von Doppelarbeiten etwa mit Blick auf die Bankenregulierung beziffern beide auf mindestens 100 Mio. EUR pro Jahr.

"Dabei ist der Personalabbau keine Triebfeder, das ist ein absolutes Nebenthema. Dies ist kein Zusammenschluss auf dem Rücken der Arbeitnehmer", betont Wolberg. Für die Integration der beiden Institute, die in drei Jahren abgeschlossen sein soll, werde jeder Beschäftigte benötigt. Die bisherigen Standorte mit den Zentralen in Frankfurt und Düsseldorf und regionalen Ablegern unter anderem in Berlin, Stuttgart, München, Nürnberg und Dresden sollen erhalten bleiben. Formaler Sitz der neuen DZ Bank wird Frankfurt. Wolfgang Kirsch soll Vorstandschef der neuen DZ Bank werden, Bernd Wolberg Stellvertreter.

Kirsch betont, dass der Zeitpunkt des Zusammenschlusses angesichts der aktuellen Herausforderungen - anhaltende Niedrigzinsen, verschärfte Regulierung oder die wachsende Konkurrenz der FinTechs - gerade jetzt richtig sei. Vor allem im Geschäft mit dem Mittelstand will das neu geformte Institut zulegen. Der Marktanteil in diesem Bereich soll von derzeit 19 Prozent mittelfristig auf 25 Prozent steigen. Noch stärker als bislang will die fusionierte Bank ihren Kunden aus dem Genossenschaftssektor bei deren Geschäften im Ausland unter die Arme greifen.

Die Basis für diese Ziele ist gut, allein schon mit Blick auf die Kostenbasis: Rein rechnerisch muss die DZ Bank derzeit für 1 EUR Umsatz 54 Cent aufwenden, die WGZ Bank sogar nur 43 Cent. Zum Vergleich: Die Deutsche Bank hat 85 Cent Kosten, um 1 EUR zu erwirtschaften.

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Erstellt:
20. November 2015, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
20. November 2015, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 20. November 2015, 12:00 Uhr

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