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Gernot Närger über die Geschichte des Uhland-Denkmals

Die besten Bildhauer bewarben sich

Dank Spenden aus ganz Deutschland wurde Ludwig Uhland 1873 auf den Sockel gehoben, elf Jahre nach seinem Tod. Zum Auftakt des Uhlandjahrs skizzierte Gernot Närger die (Kunst-)Geschichte dieses Nationaldenkmals.

02.04.2012
  • Hans-Joachim Lang

Tübingen. „Der Uhland selber ist eigentlich in einem recht ordentlichen Zustand“, sagte Frieder Miller nach der Jahreshauptversammlung des Schwäbischen Heimatbundes. Im Uhland-Jahr eine tröstliche Nachricht, die im Publikum ob ihrer doppeldeutigen Wirkung mit Schmunzeln quittiert wurde.

An sich hatte Miller die Bronzestatue des Denkmals in der Uhlandstraße gemeint, dessen unmittelbare Umgebung noch Wünsche offen lässt (siehe Kasten). Damit leitete er vor rund 60 Zuhörern im Club Voltaire, dem Versammlungsort, zum Vortrag des Kunsthistorikers Gernot Närger über.

Wie sehr der Tübinger Dichter, Professor und Politiker schon zu Lebzeiten geschätzt, auch verehrt wurde, zeigt sich daran, dass sich eine Woche nach seinem Tod ein Verein gründete, der Spenden für ein Denkmal für Ludwig Uhland sammelte.

Sogar unter Auslandsdeutschen in den USA wurde dafür geworben. Das Spendenergebnis war so üppig, dass man sich bei der Ausschreibung des Wettbewerbs nicht bescheiden zurückhalten musste. Da Freunde Uhlands dem Verstorbenen vorsorglich eine Totenmaske abnehmen ließen, bereitete die plastische Umsetzung kein Problem.

Wirklichkeitsnahes Standbild

Eine prominent zusammengesetzte Jury, keines der Mitglieder stammte aus Tübingen, hatte die Auswahl unter 36 Entwürfen, die im Jahr 1868 in einem Saal öffentlich ausgestellt wurden. Sie entschied sich für den Beitrag eines der bedeutendsten Denkmalskünstler seiner Zeit, des Dresdner Bildhauers Gustav Adolph Kietz, der zuvor schon das Reutlinger Friedrich-List-Denkmal geschaffen hatte.

Kietz hatte ein wirklichkeitsnahes Standbild vorgeschlagen. Es war, im Gegensatz zu manchen anderen Modellen von Kollegen, relativ nüchtern, unpathetisch angelegt. Auf großes allegorisches Beiwerk verzichtete er.

Wie es auch anders hätte kommen können, wesentlich opulenter, illustrierte Kunsthistoriker Närger anhand eines Fotos der im Jahr 1868 ausgestellten Modelle. Darunter noch drei, die mit Preisen bedacht wurden und von Künstlern stammen, die in die Kunstgeschichte eingegangen sind: Josef von Kopf, der zahlreiche Büsten zeitgenössischer regierender Häupter fertigte, Konrad Knoll, der mit einer Reihe von Kolossalstatuen bekannt wurde, und Friedrich Schaper, dessen Entwurf später Grundlage für sein gerühmtes Berliner Goethe-Denkmal wurde.

Realisiert haben die Tübinger das Uhland-Denkmal nicht am Neckartor vor Uhlands Haus, auch nicht auf dem Marktplatz oder vor der Neuen Aula – alles Orte, die in der engeren Diskussion waren – sondern in der noblen Uhlandstraße an einem eigens für diesen Zweck geschaffenen Platz.

Gestaltet hat ihn ebenfalls ein Meister seines Fachs, der Stuttgarter Hofbaumeister Christian Friedrich Leins. Verwirklicht wurde er allerdings etwas bescheidener, beispielsweise blieb die Südwestecke des Platzes unbebaut. Und die viel zitierte Blickachse vom Bahnhof zum Hölderlinturm, an die das Denkmal eingepasst wurde, war hinter Uhlands Rücken bald zugewachsen.

Auch Kietz hievte, in Gemeinschaftsarbeit mit dem Architekten Hermann Nicolai, seinen Uhland auf den Sockel. Das anspielungsreiche Germania-Relief auf der Frontseite des Sockels setzte Närger – mit Beispielen ähnlicher Germania-Darstellungen, etwa in der Frankfurter Paulskirche – in Bezug zur demokratisch-liberalen Volksbewegung. Enthüllt wurde das Monument in Anwesenheit des württembergischen Königs, aber an einem verräterischen Datum. Der 14. Juli 1873 war der Jahrestag des Sturms auf die Bastille, Geburtstag der Französischen Revolution.

Die besten Bildhauer bewarben sich
Das Uhland-Denkmal an der noblen Tübinger Uhlandstraße auf einer 1903 verschickten Ansichtskarte. Der Platz wurde 1959 nach der schweizerischen Partnerstadt Monthey benannt.

Überraschend hat sich die Deutsche Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur (DGGL) entschlossen, sich anlässlich ihres 125-jährigen Bestehens an der Neugestaltung des Platzes der Stadt Monthey, auf dem das Uhland-Denkmal steht, mit 10 000 Euro und fachkundigem Rat zu beteiligen. Dazu will die Stadt noch vor der Sommerpause mehrere gestalterische Varianten erarbeiten. Eine davon soll nach der Sommerpause zusammen mit der DGGL realisiert werden. Zusätzlich will die Stadt für die Sanierung des Denkmals demnächst zu Spenden aufrufen.

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02.04.2012, 12:00 Uhr

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