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Kickers gewinnen ihr erstes Spiel an der Kreuzeiche 3:1 (2:1) gegen Regenburg

Die blauen Fans fremdeln noch im Nest des roten Erzrivalen

Gerne sind sie nicht in Reutlingen. Daraus machen die Fans der Stuttgarter Kickers kein allzu großes Geheimnis. Megafonansage eines blau-weißen Fan-Anpeitschers kurz vor Spielbeginn: „Ich weiß, dass ihr alle kein Bock habt in Reutlingen zu spielen. Aber kommt zu uns rüber und unterstützt die Jungs!“ Gerd Andrae, Fanbeauftragter des Drittligisten, räumt nach Schlusspfiff ein: „Die Fans haben die neue Heimat noch nicht so gut angenommen. Viele kommen aus Prinzip nicht nach Reutlingen.“

03.08.2014

Von ibrahim naber

Reutlingen. Ohne Frage: der vorübergehende Stadionumzug ist eine außergewöhnliche Situation für die Fans der Stuttgarter Kickers. Man sagt oft, Heimat sei kein Ort, sondern ein Gefühl. In diesem Falle muss dieser Satz umgeschrieben werden. Für die Kickers-Fans wird Reutlingen immer auch ein Ort bleiben. Ein Ort, der mit vielen Erinnerungen an brisante Derbys gegen den heimischen SSV verbunden ist. An der Kreuzeiche wurde man als Blauer über Jahre nur angefeindet. Und nun, plötzlich, ist man zuhause bei Feinden. Im Nest des roten Erzrivalen.

2700 Zuschauer haben den Kickers-Auftakt am Samstag verfolgt, davon rund 200 Fans aus Regensburg. Der Klub aus Degerloch kalkuliert mit einem Saisonschnitt von rund 3500 Besuchern. Insgesamt war die Besucherzahl also enttäuschend. Auch wenn das von den Verantwortlichen am Ende keiner so recht zugeben wollte. Kickers-Sportdirektor Michael Zeyer, der bereits vor mehr als zehn Jahren als Spieler des MSV Duisburg in Reutlingen aufgelaufen war, sagte: „Es liegt an uns, dass es noch mehr Zuschauer werden. Wir wollen vor allem noch mehr Reutlinger zum Drittligafußball locken.“ Pressesprecher Hans-Georg Felder hielt fest: „Das Wichtigste am heutigen Tag ist, dass alles ruhig geblieben ist.“

Vor der Partie gab es noch Befürchtungen, dass Fans der Reutlinger „Szene E“ mit Fangruppierungen der Kickers aneinandergeraten könnten. Denn bis heute verbindet die Anhänger der beiden Klubs nun wirklich keine innige Liebe. Dementsprechend groß war auch das Polizeiaufgebot am Samstag. Polizisten auf Pferden und in Kleinbussen bestimmten das Bild vor dem Stadion. Doch Ausschreitungen blieben vorerst aus. Alle Shuttle-Busse aus Stuttgart und Reutlingen konnten problemlos fahren: „Heute blieb es ruhig. Gegen Rostock oder Dresden könnte das aber schon ganz anders aussehen“, sagte ein Kickers-Fan im improvisierten Fanblock auf der Haupttribüne.

Wie kam die Heimspiel-Premiere grundsätzlich bei den Kickers-Fans an? Andreas Beck aus Stuttgart war begeistert: „Die Perspektive von der Haupttribüne ist gigantisch. Man sieht endlich mal alles. In unserem alten Stadion hat man immer nur stückchenweise gesehen.“ Seine Lebensgefährtin Dagmar Sonnenberg sagte: „Die Sitzplätze in Reutlingen sind für Rentner. Das Polizeiaufgebot ist nicht wirklich gastfreundlich. Insgesamt ist es hier okay. Aber wir gehen auch gerne wieder.“

Andere Fans übten noch schärfere Kritik. TAGBLATT-Dialog mit Steffen Lohfink aus Ludwigsburg: „Wie gefällt es ihnen hier in der neuen Heimat?“ – „Soll ich ehrlich sein?“ – „Immer.“ – „Es ist alles total unorganisiert. Die Anreise, das Parken, der Ticketverkauf. Niemand konnte mir sagen, wo es Familientickets gibt. Und die Stimmung ist insgesamt deutlich schlechter!“

Zumindest sportlich konnten die Kickers gegen Regensburg wirklich alle Fans überzeugen. Nach 0:1-Rückstand spielte das Team von Trainer Horst Steffen groß auf, zeigte phasenweise schönen Kombinationsfußball und gewann am Ende mit 3:1. Sandrino Braun setzte mit einem herrlichen Treffer zum 3:1 aus 25 Metern das Highlight des Tages.

Der Auftakterfolg erleichtert nun auch die Arbeit von Markus Buchmann. Der Kickers-Vermarktungschef steht derzeit in Kontakt mit Firmen aus der Region Reutlingen, um neue Sponsorenverträge und Kooperationen abzuschließen. Buchmann: „Wir wollen die Region Reutlingen stärker an die Kickers binden. Wir sind familiär, ein Verein zum Anfassen.“

Die Kickers-Fan demonstrierten vor dem Drittliga-Spiel gegen Regensburg im Reutlinger Kreuzeichestadion gut Laune, haben aber noch einige Akklimatisierungsprobleme an der Wirkungsstätte des einstigen Rivalen. Bild: Ulmer

Das nächstes Drittliga-Heimspielder Stuttgarter Kickers in Reutlingen ist schon am kommenden Samstag (14 Uhr) gegen den FSV Mainz 05 II. Bereits morgen (19 Uhr) geht es gegen die SG Sonnenhof Großaspach auswärts in der Liga weiter. Das DFB-Pokalspiel gegen Borussia Dortmund steigt dann am 16. August in der Mercedes-Benz-Arena in Stuttgart. Dafür sind inzwischen schon rund 20 000 Karten verkauft.

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Erstellt:
3. August 2014, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
3. August 2014, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 3. August 2014, 12:00 Uhr

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