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Historie in Messing gestanzt

Die ersten Tafeln für den Geschichtspfad am Neckar sind fertig

Am 21. Juli 2013, also ziemlich genau in einem Jahr, soll der Rottenburger Geschichtspfad eröffnet werden. Dafür werden 25 Messingtafeln mit den wichtigsten Rottenburger Daten aus 90 000 Jahren ins Pflaster der Neckarpromenade eingelassen.

18.07.2012
  • hete henning

Rottenburg. Die Vorlage für den Geschichtspfad fand Ute Drews, Vorstandsmitglied der Bürgerstiftung Rottenburg, im Urlaub in Neuseeland (mehr dazu in nebenstehendem Kasten). Die Bürgerstiftung griff die Idee auf: 25 Messingtafeln im Pflaster der Neckarpromenade zwischen dem Haus Edelmann und dem Haus am Nepomuk sollen an wichtige Daten und Personen der Rottenburger Stadtgeschichte erinnern. Das Spektrum reicht von der steinzeitlichen Neandertaler-Siedlung im Lindele über das römische Sumelocenna und Tuchherstellung, Gerbereien sowie den Weinbau im 14. und 15. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Eugen Bolz und Bischof Joannes Baptista Sproll finden ebenso Erwähnung wie Sebastian Blau.

Mit geschätzten Kosten von 50 000 Euro allein für die Messingtafeln ist der Geschichtspfad das bislang größte Projekt der 2010 gegründeten Bürgerstiftung. Die 20 000 Euro, die die Verankerung der Tafeln im Pflaster kosten soll, übernimmt nach Auskunft von Gerold Ruggaber, ebenfalls Vorstandsmitglied der Bürgerstiftung, die Stadt, die die Neckarpromenade ohnehin modernisieren will. Die Eröffnung des Geschichtspfades ist am 21. Juli 2013 im Rahmen der Heimattage vorgesehen. Der Tag steht unter dem Motto „Rottenburg macht Kunst“.

Prägnante Texte ganz ohne Trennstriche

Fünf der 25 Tafeln hat der Rottenburger Künstler Roger Aupperle bereits fertiggestellt. Buchstabe für Buchstabe der kurzen Texte stanzt er dafür mit Hammer und Punzen (das sind Stahlstifte mit Prägelettern an der Spitze) ins Messing. An den Texten, so Drews und Ruggaber, werde bis zum Schluss gerungen; sie sollen kurz und prägnant sein und außerdem ohne Trennstriche auskommen. Stadthistoriker Dieter Manz, Kulturamtsleiter Karlheinz Geppert, Stadtarchivar Peter Ehrmann, der ehemalige Leiter des Landesdenkmalamtes Hartmut Reim und Stadtführerin Ursula Kuttler-Merz stellten die Daten zusammen.

Die Tafeln, sagt Vorstandsmitglied Martina Dorn, seien mehr als nackte Information. Durch die Handarbeit, das edle Material sowie das geschwungene Messingband, das die einzelnen Tafeln quasi als Zeitachse miteinander verbinden soll, seien sie „an sich schon Kunst“. Damit die Bürgerstiftung auch das Geld hat, um den Künstler zu bezahlen, bauen Ruggaber, Dorn und Drews auf Spender und Sponsoren. 5000 Euro haben sie bereits beisammen, weitere 5000 sind angekündigt; die restlichen 40 000 Euro fehlen noch.

Bei der Geld-Akquise, die jetzt verschärft anlaufen soll, unterscheidet die Bürgerstiftung zwischen Spendern, die eine Zuwendungsbestätigung bekommen, und Haupt- sowie Premiumsponsoren, für die es eine Sponsoringvereinbarung mit Rechnung und Umsatzsteuerausweis gibt. Für die Mindestspende von 300 Euro werden die Spender auf der Webseite des Geschichtspfades genannt, ab 1700 Euro wird der Name auch auf der Sponsorentafel am Neckar verewigt. Unternehmen, die mehr als 3000 Euro für den Geschichtspfad springen lassen, können als Premiumsponsoren unter anderem bei der Einweihung zusätzlich einen Infostand aufbauen.

Info: Die Bürgerstiftung hat die Kontonummer 200 86 39 bei der Kreissparkasse Tübingen (BLZ 641 500 20) beziehungsweise 750 741 007 bei der Volksbank Herrenberg-Rottenburg (BLZ 603 913 10). Weitere Infos unter www.buergerstiftung-rottenburg.de

Die ersten Tafeln für den Geschichtspfad am Neckar sind fertig
Martina Dorn (links), Ursula Drews und Gerold Ruggaber mit drei der ersten fertigen Geschichtstafeln. Das Messing wurde nach der Beschriftung ähnlich wie der Deckel eines Schuhkartons gefaltet. Die hinten offenen Kästen sollen mit Beton ausgegossen und dann mit Dübeln im Pflaster verankert werden.Bild: Eisele

Die Idee für den Rottenburger Geschichtspfad stammt aus Neuseeland. Ute Drews, Vorstandsmitglied der Bürgerstiftung entdeckte dort auf einer Seepromenade in Wanaka viele nebeneinanderliegende Tonplatten, auf denen wichtige Ereignisse der Geschichte festgehalten sind, etwa „1913 – Captain Scott got to Southpole“ (Captain Scott erreichte den Südpol).

Mit der Entscheidung, die Rottenburger Daten in Messing zu stanzen, orientiert sich der Künstler Roger Aupperle, der die 25 Tafeln für die Neckarpromenade herstellt, an den „Stolpersteinen“ des Künstlers Gunter Demnig aus Köln. Demnig erinnert in über 500 Städten in Deutschland und ganz Europa mit seinen in Messing geprägten und in Bürgersteige eingelassenen Stolpersteinen an die Vertreibung und Vernichtung der Juden, der Zigeuner, der politisch Verfolgten, der Homosexuellen, der Zeugen Jehovas und der Euthanasieopfer im Nationalsozialismus.
Einer der Rottenburger Geschichtssteine soll an Albert, Ferdinand, Jenny und Rosa Horkheimer sowie an Sofie Berlizheimer erinnern, die 1942 beziehungsweise 1941 deportiert wurden.

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18.07.2012, 12:00 Uhr

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