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Radsport: Steffen Warias ist schwer beeindruckt von den Paralympics

Die ganz andere Hausnummer

Die Medaille wiegt richtig schwer. Schon das Gewicht des Edelmetalls zeugt von der Bedeutung der Veranstaltung, gleichzeitig Anerkennung für eine Spitzenleistung. Dabei ist Steffen Warias ja in Radsportkreisen beileibe kein unbeschriebenes Blatt: Vor zwei Jahren ist der 27-jährige mittlerweile in Basel lebende Derendinger Weltmeister geworden, im Vorfeld der Paralympics in London war er bei mehreren Weltcup-Rennen aufs Siegerpodest gefahren und hatte die Gesamtwertung übernommen.

15.09.2012

Weltmeisterschaften und Weltcup-Rennen gut und recht, sagt das Aushängeschild des Tübinger RV Pfeil, aber die am Sonntag mit einer bombastischen Abschlussfeier beendeten Paralympics in London, das sei schon ein ganz anderes Kaliber.

30 000 Zuschauer säumten die acht Mal zu umfahrende, normalerweise dem Motorsport vorbehaltene Strecke in Brands Hatch, Hubschrauber kreisten über dem Motodrom, Kameras übertrugen das Straßenrennen live in die Wohnstuben. „Die Paralympics – das ist schon noch einmal eine ganz andere Hausnummer“, sagt Warias.

Ausreißversuche gab es am Donnerstag vergangener Woche wenige, erst in der letzten Runde setzte sich dann aber eine fünfzehnköpfige Gruppe ab, Warias mittendrin. Am Ende musste der Deutsche im Sprint nur den Italiener Roberto Bargna ziehen lassen, den Australier David Nicholas hielt er gerade noch in Schach. „Zwei Meter hinterm Ziel war er an mir vorbei“, erzählt der Derendinger, „so hab’ ich eher Silber gewonnen als Gold verloren.“ Am Ende hatte die Spitzengruppe über die 62 Kilometer einen Schnitt von 38 Stundenkilometer hingelegt.

Auch im Behinderten-Radsport, erklärt Warias, macht erst das Team den Spitzenfahrer stark. Die Fahrer mit stärkerer Behinderung wie beispielsweise sein Zimmerkollege und dreifache Medaillengewinner, der nur mit einem Bein tretende Tobias Graf, haben ihrem Teamkapitän den Windschatten geboten und den Weg zu Edelmetall geebnet. Zur Erklärung: Der beinamputierte Graf ist der Kategorie C 2 zugeordnet, der mit Klumpfüßen geborene, damit weniger behinderte Warias ist in der Gruppe C 3.

Warias war überglücklich nach dem Gewinn der Silbermedaille, hatte er sich doch bei seiner ersten Paralympic-Teilnahme nach eher mäßigem Start auf der Bahn und im Zeitfahren selbst ganz schön unter Druck gesetzt. Dem nur 62 Kilogramm leichten Rennfahrer spielte das hügelige Gelände in Brands Hatch in die Karten. „Am Berg hängt mich keiner ab“, sagt Warias selbstbewusst.

In Brands Hatch machten sich letztlich auch die vielen Grundlagenkilometer bezahlt, die Warias seit Ende Oktober des vergangenen Jahres in Trainingslagern, auf Mallorca, in seiner neuen Schweizer Heimat und mit den Pfeil-Kollegen im Tübinger Revier abgestrampelt hat: Zwischen 10 000 und 15 000 Kilometer waren es wohl, schätzt der Silbermedaillengewinner, der mit 18 Jahren erstmals aufs Rennrad stieg, aber erst seit drei Jahren auf höchstem Niveau Rennen fährt.

Gestern wurde Warias, Chemiker von Beruf, von den Kollegen im Basler Pharmaunternehmen mit einem kleinen Sektempfang überrascht, am Montag schon hatten ihn Freunde am Flughafen in Basel mit einem Spruchband empfangen. Und heute werden besonders viele Radler vom RV Pfeil vor der obligatorischen Samstagsausfahrt den prominenten Vereinskollegen hoch leben und die Medaille kreisen lassen.

Steffen Warias, der kurioserweise zusammen mit der Luftgewehr-Schützin und Olympiateilnehmerin Beate Gauß am Tübinger Carlo-Schmid-Gymnasium das Abitur gemacht hat, gehen trotz des jüngsten Erfolges die Ziele nicht aus: Wenn er die Form hält, will er auch 2014 in Rio dabei sein. Und den Brasilianern traut er durchaus zu, die Londoner Spiele der Superlative noch zu toppen.

bernhard schmidt

Die ganz andere Hausnummer
Dieser Erfolg wiegt richtig schwer: Für Rad-Rennfahrer Steffen Warias, vor zwei Jahren immerhin schon Weltmeister geworden, ist der Gewinn der Silbermedaille bei den Paralympics in London die vorläufige Krönung der sportlichen Karriere.Bild: dpa

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15.09.2012, 12:00 Uhr

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