Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Die großen Brummis sollen an die Elektro-Leine
Über Oberleitungen sollen Lkw Strom bekommen. Das wird jetzt bei Berlin getestet. Foto: Bildquelle
Verkehr

Die großen Brummis sollen an die Elektro-Leine

Schwere Lkw könnten schon bald auf der Autobahn umweltfreundlicher fahren: Elektrische Oberleitungen sollen helfen, die Abgase zu reduzieren.

12.04.2017
  • DIETER KELLER

Templin. Leise und weniger ruckelig.“ Barbara Hendricks ist angetan von ihrer ersten Probefahrt in einem Oberleitungs-Lkw. Das sei ein erfolgversprechender Weg, um den CO2-Ausstoß der Brummis zu reduzieren, hofft die Bundesumweltministerin. Auf einer Teststrecke von Siemens in Templin nördlich von Berlin setzt sich die SPD-Politikerin für die Fotografen auf den Fahrerplatz des Mercedes-Benz Actros und demonstriert, dass allein mit dem Betätigen des Blinkers der Stromabnehmer auf dem Dach hoch- und runterfährt, zur Vorsorge nur im Stehen.

Batterien wären zu schwer

Oberleitungen wie bei der Bahn könnten schon bald an allen großen Autobahnen stehen. Allerdings nur auf der rechten Spur und ausschließlich für die großen Laster. Denn für 40-Tonner verbietet sich auf absehbare Zeit der Umstieg auf Elektroantrieb: Die nötigen Batterien wären viel zu schwer und zu teuer.

Der Verkehr hat es als einziger Bereich seit 1990 nicht geschafft, die Umweltbelastung zu senken, und die schweren Lkw sind allein für ein Viertel verantwortlich. Angesichts der deutschen Umweltziele kann das nicht so bleiben: Bis 2030 sollen die Schadstoffe um 40 Prozent sinken und 2050 ganz der Vergangenheit angehören. Also müssen Alternativen her.

Der große Vorteil des Elektroantriebs mit Oberleitung ist der hohe Wirkungsgrad: Alle anderen Techniken von Batterien bis zur Brennstoffzelle nutzen die eingesetzte Energie viel schlechter aus. Daher hält auch Jochen Eickholt, der Chef der Siemens-Mobilitätsaktivitäten, diese Technik für besonders erfolgversprechend.

Im Gegensatz zu den bekannten Oberleitungs-Bussen oder Zügen sind die Lkw nicht ausschließlich auf die Stromleitung angewiesen. Vielmehr haben sie einen Hybridantrieb: Gibt es keinen Strom von oben, schalten sie automatisch auf Batterien oder einen Dieselmotor um. Das ist schon für Überholmanöver nötig, insbesondere aber abseits von Strecken mit Oberleitung. Dann wird der Stromabnehmer auf dem Dach, der nicht viel anders aussieht wie bei einem ICE, automatisch wieder eingeklappt. Das geht im Fahren auch noch bei Tempo 90, auch wenn Lkw gar nicht so schnell fahren dürfen.

Bei der Oberleitungstechnik hat Siemens viel Erfahrung, etwa beim Bau für die Bahn. Seit 2010 hat der Konzern etwa 20 Mio. EUR in die Entwicklung investiert. Das Bundesumweltministerium schoss weitere 16,5 Mio. EUR zu. In Schweden und Kalifornien wird die Technik bereits im Praxisbetrieb erprobt. In Deutschland soll das ab 2018 auf zwei Autobahnabschnitten geschehen. Die Tests bei Frankfurt und Lübeck werden vom Bund und den beteiligten Ländern mit rund 35 Mio. EUR gefördert; derzeit läuft die Ausschreibung. In Hessen wird ein Logistikzentrum in Darmstadt mit dem Frankfurter Flughafen verbunden.

Hendricks geht davon aus, dass sich die Investition bei etwa 3000 Kilometer Autobahnen lohnt. Sie rechnet vor: 1 Kilometer Oberleitungen kosten in einer Fahrtrichtung 1 Mio. EUR. Also müssten 6 Mrd. EUR investiert werden – wenig gemessen an den 270 Mrd. EUR, die bis 2030 im Bundesverkehrswegeplan vorgesehen sind. Für den allerdings ist Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) zuständig, und mit dem hat Hendricks ihre Probleme. Eigentlich wäre er auch dafür zuständig, die Schwer-Lkw sauberer zu machen doch aus seinem Haus ist dazu nur wenig zu hören.

Investition rechnet sich schnell

Die Laster wären zwar teurer als normale Dieselmodelle, wobei sich die Beteiligten nicht auf Zahlen festlegen wollen. Aber im laufenden Betrieb käme das schnell wieder herein: Strom statt Diesel spart auf 100 000 Kilometer 20 000 EUR ein, rechnen die Siemens-Techniker vor. Zudem müssten die Fahrzeuge deutlich weniger gewartet werden.

Als ersten Versuchs-Lkw hat Siemens einen Actros von Mercedes-Benz umgebaut, und in dem nahm auch Hendricks Platz. Das ist etwas pikant, denn Entwicklungspartner ist jetzt der schwedische Nutzfahrzeughersteller Scania, der zum VW-Konzern gehört. Dagegen halten sich die Stuttgarter bisher eher zurück.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

12.04.2017, 06:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball