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Weltsport

Die großen Skandale wirken nach

Glaubwürdigkeitskrise und die Folgen: Mit Reformen versuchen Verbände, Vertrauen zurückzugewinnen.

03.01.2017
  • DPA

Lausanne/Zürich. Affären und Skandale, Betrug und Korruption, dazu das unfassbare russische Doping-System: Die großen Weltverbände des Sports sind wie nie in Misskredit geraten. Mit Reformen und Führungswechseln versuchen die Weltverbände, Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen. Ist es gelungen?

„Der Schaden ist immens und in letzter Konsequenz noch nicht wirklich abzusehen“, sagte Dagmar Freitag, Vorsitzende des Sportausschusses des Bundestages. „Da muss man schon genau hinsehen. Was auf dem Papier steht, ist nur das eine.“

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) und sein Präsident Thomas Bach sind durch die Berichte von Richard McLaren zum Doping in Russland unter Druck geraten und auch 2017 weiter in Zugzwang. Auf den Weltverband der Leichtathletik (IAAF) warf der gewaltige russische Sportbetrug einen dunklen Schatten – doch nicht nur der.

Wie auch beim Fußball-Weltverband Fifa brachten kriminelle Verfehlungen von Spitzenfunktionären die Dachorganisation in Verruf. Bei der IAAF war es Ex-Präsident Lamine Diack und sein Clan, der den Verband als Selbstbedienungsladen missbrauchte und offenbar Millionen Dollar auch für Doping-Vertuschung kassierte. In der Fifa hat die Allmacht des früheren Präsidenten Joseph Blatter Korruption und Bereicherung begünstigt.

Fifa und IAAF reagierten mit dem Austausch des Führungspersonals, Reformen und neuen Strukturen. „Ich stehe zu all meinen Entscheidungen“, sagte der neue Fifa-Präsident Gianni Infantino, der seit seiner Wahl im Februar 2016 skeptisch betrachtet wird. „Natürlich lernt man aus gewissen Entscheidungen, wie man gewisse Dinge besser machen könnte in Zukunft“, sagte Infantino.

Hat er aus der Kritik an einer Reise im Privatjet eines Oligarchen nach Moskau, fragwürdige private Ausgaben oder der Diskussion um die zwar nicht regelwidrige, aber wenig transparente Ernennung von Fatma Samoura zur Generalsekretärin der Fifa gelernt?

Anrechnen muss man Infantino, dass er versucht, die Fifa professioneller zu managen. Die Anzahl der Council-Sitzungen wurde auf drei pro Jahr reduziert. Annehmlichkeiten wie Fahrservice in Luxuskarossen in Zürich wurden gestrichen, Entscheidungsprozesse rationalisiert. Das Erneuerungsprogramm trägt den Namen Fifa 2.0.

Auch IAAF-Präsident Sebastian Coe musste nach Aufdeckung des Korruptionsskandals um Vorgänger Diack und dem groß angelegten Doping in Russland um seine Reputation kämpfen. Schließlich war der smarte Lord aus England lange Jahre Diacks Vizepräsident gewesen – will aber nichts von den Umtrieben des Senegalesen und seiner Clique gewusst haben. Durch die Suspendierung des Leichtathletik-Verbandes Russlands und dem damit verbundenen Bann für die Olympischen Spiele in Rio sowie mit überzeugenden Reformen, die im Dezember verabschiedet wurden, hat Coe seinen Kritikern einige Argumente genommen. „Zumindest bei der IAAF habe ich die begründete Hoffnung, dass Sebastian Coe verstanden hat, dass er sein sehr ambitioniertes Reformvorhaben auch gegen Widerstände durchsetzen muss“, sagte Dagmar Freitag. Erst dann werde die Leichtathletik die Chance auf „eine glaubhafte Rückkehr“ zu den Werten des fairen Sports haben. „Soweit scheint mir die Fifa noch nicht zu sein.“ dpa

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03.01.2017, 06:00 Uhr

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