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Die gute Küche für Gesellschaften

Da war er wieder. Der Duft von überbackenem Käse, von Hackfleisch, Zwiebeln, Auberginen, Zucchini und Tomaten, von Olivenöl, Knoblauch, von Petersilie und Salbei. Und mit ihm war sie wieder da – die Erinnerung an den großen, mal mehr und mal weniger üppig beladenen Tisch in der Münzgasse 13, an dem sich bei den Mahlzeiten fast immer mehr Menschen drängten, als erwartet worden waren. Das war in der zweiten Hälfte der Siebziger kurz nach der Besetzung des Hauses, das vom Uni-Institut zum Wohnheim wurde.

05.01.2015
  • Renate Angstmann-Koch

Ich lebte mit neun anderen aus der Sponti-Szene in einer Wohngemeinschaft im zweiten Stock, wo die Zimmertüren regenbogenfarben gestrichen waren und der große Esstisch in Rot. Ganz oben wohnten vorwiegend Biologen, im ersten Stock Leute vom SZ, dem Sozialistischen Zentrum, die mir geradezu furchteinflößend belesen und analytisch vorkamen. Bevor im Haus eine vierte Küche eingerichtet wurde, wirtschafteten bei ihnen auch noch die Bewohner des so genannten „Trakts“ im Hinterhof mit.

Für die Versorgung mit Lebensmitteln war im zweiten Stock reihum ein Zweierteam zuständig, das bei Tengelmann oder – der Sonderangebote wegen stets um die Mittagszeit – auf dem Wochenmarkt einkaufte. Von dessen Geschick, sparsam zu wirtschaften, und seinem Ehrgeiz am Herd hing es ab, wie das Essen schmeckte. Das Budget war fast immer zu knapp, der Einkauf reichte gerade so über den Tag. Unvergesslich der Rübensaft, der als Brotaufstrich diente – es gibt Schlechteres.

Nur zwischen den Jahren war der Kühlschrank prall gefüllt. Die pflichtschuldig zu Heiligabend aufgesuchtenn Eltern gaben ihren Kindern Lebkuchen, Brötle, Schinken, sogar Gänse und Truthähne mit zurück. Weil an solchen Tagen nur wenige Leute im Haus waren, wurde für alle zusammen gekocht.

Das „Schlaraffenland“, das „Kochbuch für Gesellschaften“ aus dem Wagenbach-Verlag, stand damals in jeder WG-Küche. Zu einer Zeit, als die meisten Hausfrauen Päckles-Soßen und Dosengemüse für das Non-plus-ultra hielten und Olivenöl noch als minderwertig galt, warb das Buch für frische Zutaten, erläuterte auch kompliziertere Küchentechniken und führte Rezepte auf, die man bestenfalls vom Urlaub jenseits der Alpen oder vom Hörensagen kannte. Das Kochbuch war lange vergriffen. Jetzt wurde es im Faksimile neu aufgelegt. Es lohnt sich noch immer. Erst recht, wenn mit dem Duft beim Nachkochen auch Erinnerungen wiederkehren.

Die gute Küche für Gesellschaften

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05.01.2015, 12:00 Uhr

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