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Die Spur führt nach Stuttgart

Die heute 90-jährige Anna Zweig gehörte im Zweiten Weltkrieg zu den PRIMOSA-Beschäftigten

Die Schulranzen-Firma PRIMOSA, die während und nach dem Zweiten Weltkrieg in Eutingen in der „Sonne“ produzierte, ist der Ableger einer Stuttgarter Firma.

22.03.2012

Von Rainer Sattler

Eutingen. In unserer Ausgabe vom vergangenen Samstag berichteten wir, wie im Zuge der „Fahndung? nach Exponaten für eine Ausstellung zum Eutinger Schulfest im Juli die Spurensuche recht erfolgreich war. Ein alter Schulranzen aus Hartpappe fand sich im Bestand von „Heimat & Brauchtum?. Was man noch aus der Erinnerung wusste war die Tatsache, dass im Saal des Gasthauses „Sonne? in den Kriegsjahren und auch danach bei der Firma PRIMOSA solche Schulranzen und auch Koffer aus dem gleichen Material hergestellt wurden.

Das war für junge Frauen und auch für Kriegerwitwen eine ebenso seltene wie willkommene Gelegenheit, einen Beitrag zum Familieneinkommen zu erarbeiten. Genaueres über die seinerzeitige Fabrikationsfirma wusste niemand mehr. Auch in den Gemeindeakten fanden sich keine Hinweise.

Da half der Zufall weiter. In einem Schuhkarton von Familienbildern fand sich ein kleines Foto mit einer Gruppe Frauen und zwei Männern drauf. Erkennbar auf der Aufnahme war auch, dass eine der Frauen ein Schild mit einer Aufschrift vor sich hielt. Das Foto allerdings hatte ein so kleines Format, dass die Schrift erst mit der Lupe zu entziffern war. PRIMOSA stand da drauf sowie der Hinweis „Sonne?. Die intensive Betrachtung der fast 70 Jahre alten Fotografie brachte die Erkenntnis, dass es sich beim Standort der Aufnahme um den ehemaligen Verandavorbau des Eutinger Schützenheimes handelt, in unmittelbarer Nähe der „Sonne? gelegen.

Das Studium der Gesichter war letztlich erfolgreich. Eine Person konnte mit Sicherheit identifiziert werden: Anna Stöhr ist als junge Frau unzweifelhaft zu erkennen, jetzt Anna Zweig. Sie ist Jahrgang 1921, lebt glücklicherweise noch. Sie kann fast nichts mehr sehen, ist aber im Kopf noch vollkommen klar, konnte sich auf Anfrage noch an einige Umstände aus jener Zeit erinnern. Die PRIMOSA ist nach Meinung von Anna Zweig so ziemlich bei Kriegsbeginn nach Eutingen gekommen, als Produktionsfiliale einer Stuttgarter Firma; sie bestand auch noch einige Zeit der Nachkriegsjahre. Neben Frauen aus Eutingen waren auch welche aus Göttelfingen und Vollmaringen beschäftigt. Die Gründe weiß Anna Zweig nach so langer Zeit auch nicht mehr, sie erinnert sich jedoch daran, dass die PRIMOSA zuletzt im Saal der „Linde? produziert hat ? vornehmlich schwarze „Lackkoffer? und Brotbeutel.

Die weitere Spurensuche führte in die Landeshauptstadt. Da gab es noch in den Sechzigern die „Koffer-Ecke? in der Königsstraße, welche wohl mit der PRIMOSA irgendwie verbunden war. Sie soll nach der Zerstörung durch Bomben wieder aufgebaut worden sein.

Weshalb der Bezug zu Eutingen bestand? Willi Schaupp, heutiger Besitzer der ehemaligen „Sonne? weiß noch, dass der einstige Firmengründer Leunert aus Dornhan stammte. Schaupps Großmutter kam ebenfalls aus Dornhan, das könnte die Verbindung erklären. Die „Koffer-Ecke? in Stuttgart gibt es nicht mehr, etwa um 1980 haben sie die heutigen Besitzer von der Gründerfamilie übernommen, ihr Geschäft ist heute im Breuningerland und seit kurzem im Leo Center in Leonberg etabliert. Dort endet die Spurensuche zum Thema PRIMOSA. Der alte Schulranzen und die ebenso alte Fotografie bleiben als einzige Erinnerung.

Ein Teil der PRIMOSA-Beschäftigten bei der Gruppenaufnahme vor dem Schützenhaus; die Exponate werden bei der Schulausstellung zu sehen sein. Links im Bild mit der hellen Schürze Anna Zweig, damals noch Anna Stöhr. Archivbild

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Erstellt:
22. März 2012, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
22. März 2012, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 22. März 2012, 12:00 Uhr

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