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Die "iKreativität" fehlt
Tim Cook mag ein guter Chef sein. Aber für Apple mit dem angebissenen Apfel im Logo scheint ihm der richtige Biss und der Einfallsreichtum zu fehlen. Foto: afp
Apple liefert nichts Neues mehr - Weltweiter Smartphone-Markt stagniert

Die "iKreativität" fehlt

Was ist nur mit Apple los? Warum liefert der einstige High-Tech-Innovator nicht mehr? Geld ist immer noch genug da. Doch die Ideen fehlen.

29.04.2016
  • THOMAS VEITINGER

Ulm. Huawai, Xiaomi, Oppo, ZTE, Vivo. Nie gehört? Kein Wunder: Chinesische Handys spielen bei uns keine große Rolle. Anders als in Asien, Mittlerer Osten und Afrika, wo etwa Oppo 18,5 Mio. Geräte verkauft und mit seinem "R9" sogar iPhones hinter sich lässt. Genau das ist auch ein Grund, warum Apples Verkäufe nun eingebrochen sind: Die Chinesen sparen.

Apple-Chef Tim Cook hat das Dilemma kommen sehen und im Januar vor der "turbulenten Situation" im bevölkerungsreichsten Land gewarnt. China bleibt für das Unternehmen mit dem angebissenen Apfel im Logo der wichtigste Wachstumsmarkt. Durch den Börsencrash und weniger Wachstum hat das bevölkerungsreichste Land Schluckauf und in vielen Unternehmen rumpelt es gehörig. Der weltweite Smartphone-Markt stagniert.

Apple trifft es besonders hart. In Deutschland kostet das teuerste iPhone 1075 EUR, für das - hierzulande nicht käufliche - Oppo-Flaggschiff wären dagegen nur 450 EUR fällig. Die Amerikaner setzen auf hohe Preise. Eine Strategie, die aufging - bis jetzt die Gewinne einknickten. Das für Analysten wichtige Kurs-Gewinn-Verhältnis von Apple liegt unter dem des Baumaschinenhersteller Caterpillar: Old Economy schlägt High-Tech. Der Status des wertvollsten Unternehmens der Welt musste kurze Zeit sogar an Google abgegeben werden - welche Schmach zum 40. Geburtstag. Die Börse ist enttäuscht und pessimistisch.

Apple verdient zwar nach wie vor viel und sitzt auf einem riesigen Berg von Geld. Doch die einstige Technik-Avantgarde scheint nicht recht zu wissen, was es damit anstellen soll. Das scheint das Hauptproblem zu sein.

Symbol für das Dahindümpeln ist Cook selbst. Seine Produktvorstellungen werden immer zahmer und lahmer. Der 2001 gestorbene Mitbegründer Steve Jobs gab sich kantiger, verlangte den Angestellten laut Biografen oft alles ab. Durch Jobs Kreativität und Unerbittlichkeit entstanden standardsetzende Produkte wie das Abspielgerät iPod, das Tablet iPad, der Musikdienst iTunes - und das Handy iPhone. Letzteres macht heute etwa zwei Drittel des Umsatzes aus. Wenn Apple nicht aufpasst, ist es auf dem Weg zum "One-Trick-Pony": Es beherrscht nur eine Sache richtig gut. Das kann hochrentabel sein, macht aber zugleich auch extrem anfällig.

Apples Computer-Uhr ist zwar mit geschätzten 12 bis 13 Mio. verkauften Exemplaren die Nummer 1 in der Branche. Wie viel Geld damit verdient wird - geheim. Apples Musik-Streaming-Angebot? Erfolgreich - aber nichts besonderes. Die neuen iPads - haben andere auch. Das neue kleinere und günstigere iPhone SE - keine Innovation.

Bleibt das Auto, an dem 1000 Menschen unter dem Codenamen "Titan" arbeiten sollen. Es dürfte noch lange dauern, bis ein Elektro-Fahrzeug mit Apfel-Logo auf der Motorhaube auf die Bühne rollt.

Apple tastet sich auf neue Geschäftsfelder vor. Aber die Innovationen liegen auf dem Niveau der Konkurrenz. Samsung kann nicht mehr, verdient aber gut, wie neue Zahlen zeigen. Die Südkoreaner sind breiter aufgestellt, verkaufen Chips und Fernseher. Gerüchte über ein iTV dagegen bleiben Gerüchte. Es gibt auch kein iPhone für Musik-Fans, das bessere Musikqualität liefert. Oder eine der derzeit gehypten Brillen für virtuelle Realität, die Samsung bietet. Es gibt nichts wirklich Neues mehr, keine Überraschung, keine "iKreativität". Der Apfel bekommt braune Druckstellen.

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29.04.2016, 06:00 Uhr

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