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Die Walter-Erbe-Realschule wird mit der Französischen Schule zusammengelegt

Die letzte Realschulklasse in der ganzen Stadt

2016 wird das dreigliedrige Schulsystem in Tübingen Geschichte sein. Nachdem die Walter-Erbe-Realschule zum Herbst wieder nur einzügig ist, wird die letzte Realschule Tübingens künftig mit der Französischen Schule zusammengelegt.

06.07.2015
  • Angelika Bachmann

Tübingen. Das vierte Jahr in Folge wird es an der Walter-Erbe-Realschule in Derendingen nur eine fünfte Klasse geben. 25 Schüler haben sich zum kommenden Schuljahr dort angemeldet. Weder die Stadtverwaltung noch das Staatliche Schulamt glauben an eine künftige Trendwende.

Und auch das Lehrerkollegium nicht. Dieses hat, nachdem in den vergangenen Jahren vehement um Schüler geworben wurde, resigniert. Die Gesamtlehrerkonferenz der Walter-Erbe-Realschule habe den Antrag gestellt, einen Schulverbund mit der Französischen Schule zu bilden und die Schulen innerhalb von zwei Jahren zusammenzulegen, sagte Roland Hocker, Leiter des Staatlichen Schulamts Tübingen, bei einer Pressekonferenz.

Für die Schüler der Walter-Erbe-Realschule bedeutet das: Wer im September in die fünfte Klasse eingeschult wird oder eine höhere Klasse besucht, kann die kommenden Schuljahre im Realschulzug durchlaufen und den Realschulabschluss machen. Im Herbst 2016 wird die Walter-Erbe- bereits in die Französische Schule integriert sein. Neue Realschulklassen wird es dann nicht mehr geben.

Zwei Schulen, zwei Lernkulturen

„Wir haben gute Möglichkeiten, das jetzt in geordnete Bahnen zu lenken. Wir haben Zeit, es gut zu organisieren“, sagte Tübingens Erste Bürgermeisterin Christine Arbogast. Man wolle das Beste aus beiden Schulen zusammenführen, betonten Arbogast und Uta Schwarz-Österreicher, Leiterin des Fachbereichs Schule der Tübinger Stadtverwaltung. „Wir erwarten Vorteile von dieser Lösung“, so Schwarz-Österreicher. Die Französische Schule brauche dringend kompetente Lehrkräfte für den Aufbau der Sekundarstufe 1. Die Walter-Erbe-Realschule sei ihrerseits mit den geringen Schülerzahlen in ihren Angeboten in den höheren Klassen sehr eingeschränkt.

Die Eltern wurden am Freitag von den Schulleitungen informiert. Es habe erste Reaktionen gegeben, sagten die Elternbeiratsvorsitzenden Julia Keßner (von der Walter-Erbe-Realschule) und Rainer Drake (von der Französischen Schule). Potenziellen Fragen der Eltern stehen aber bislang noch wenig konkrete Antworten gegenüber.

Ob die Walter-Erbe-Realschule „einfach geschluckt“ wird, wie manche befürchten? Oder ob sie ihre Stärken, etwa in der Berufsorientierung, in die Französische Schule einbringen kann? Wie das funktioniert, wenn die reformorientierte Französische Schule mit einer Realschule zusammenfinden soll? Dieser Prozess soll ab Herbst extern moderiert und begleitet werden, sagte Schwarz-Österreicher zu.

Der Rektor der Französischen Schule, Ralf Weber, wird Rektor des Schulverbunds sein. An der Walter-Erbe-Realschule sei die Situation ohnehin schwierig gewesen, da sowohl der Schulleiter als auch die stellvertretende Schulleiterin dauerhaft erkrankt seien, sagte Arbogast. Seit Dezember 2014 führt Friederike Leist als dienstälteste Kollegin zusammen mit einem kommissarisch bestellten Konrektor einer anderen Realschule das Kollegium.

„Ich weiß, wie Realschulen ticken“, sagte Weber. Er sei selbst ursprünglich Realschullehrer und Konrektor an der Realschule in Pliezhausen gewesen. Er wisse deshalb, dass im Schulverbund „unterschiedliche Lernkulturen“ zusammenfinden müssten. Er sehe das aber als Herausforderung an.

Was das für den Schulbau und die Raumplanung bedeute, dazu könne man im Detail derzeit noch nichts sagen, so Arbogast. Auch das müsse der Zusammenführungsprozess der kommenden Monate zeigen.

Von den sieben staatlichen Realschulen im Landkreis bleibt mittelfristig nur noch eine übrig: Die Kreuzerfeld-Realschule in Rottenburg hat sich entschieden, Realschule zu bleiben (nachdem ursprünglich geplant war, ebenfalls Gemeinschaftsschule zu werden). In Tübingen sind bereits die Realschule der Geschwister-Scholl-Schule und die Albert-Schweizer-Realschule in Gemeinschaftsschulen überführt. Die Friedrich-List-Realschule in Mössingen ist von Herbst 2015 an Gemeinschaftsschule. Die Maria-Sybilla-Merian-Realschule auf dem Dußlinger Höhnisch wird umgewandelt, ebenso wie die Graf-Eberhard-Realschule in Kirchentellinsfurt, aus der eine Graf-Eberhard-Schule als Gemeinschaftsschule geworden ist. Darüber hinaus gibt es noch die kirchliche Mädchen-Realschule St. Klara in Rottenburg. Realschulabschlüsse sind überdies an Werkrealschulen möglich.

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06.07.2015, 12:00 Uhr

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