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20 000 Liter Apfelsaft wird‘s geben

Die neue Apfelsaftherstellungsanlage in der Altheimer Moste ist schon nach kurzer Zeit ein Renner

Die neue Apfelsaftherstellungsanlage in der Altheimer Moste „ist wunderbar angekommen“, freut sich Moster Rainer Scherrmann.

09.10.2010
  • Rita Ott

Altheim. Allein in den letzten Septembertagen hat er 4000 Liter Apfelsaft abgefüllt – und dabei geht’s jetzt erst richtig los mit der Apfelernte; zwischen 18 000 und 20 000 Liter werden es am Ende sein, schätzt Scherrmann. Und das ist „nur“ der Apfelsaft, der Most kommt noch dazu.

Seit dem 1. Oktober herrscht Hochbetrieb in der Altheimer Moste und so „läuft’s einen Monat lang voll Power durch“, weiß der Moster aus Erfahrung. Er kann sich kaum retten vor Anfragen, selbst an seinem eigentlich freien Tag nimmt er deshalb noch Aufträge an. Wer jetzt mosten oder Apfelsaft machen will, muss meist schon eine Woche auf einen Termin warten.

Dass die neue Apfelsaftherstellungsanlage so gut angenommen wurde, dürfte nicht nur den Moster freuen. Denn die Rechnung, dass mehr Leute Äpfel lesen und die heimischen Streuobstwiesen für viele wieder einen höheren Stellenwert bekommen und gepflegt werden, geht auf: es kommen viele Neukunden, so Rainer Scherrmann, oft junge Familien, die 4 bis 5 Zentner Obst bringen und daraus nur Saft machen lassen.

Das reine Mosten ist dabei nicht weniger geworden, die Liebhaber dieses ur-schwäbischen Getränks sind geblieben. Es kann höchstens vorkommen, dass einer, der zum Mosten kommt, die Anlage sieht und kurzerhand beschließt, zehn Pack Saft abfüllen zu lassen. „Dann machen wir das halt schnell“, erzählt Scherrmann. „Das geht ganz einfach, weil ich zweigleisig fahren kann“.

Zweigleisig bedeutet, man kann in der Altheimer Moste parallel mosten und Apfelsaft machen.

Am Anfang läuft alles wie gehabt: Die Äpfel und anderes Obst werden von den Leuten angeliefert, gemahlen und dann auf der Presse zu Saft gepresst. Dieser Saft fließt dann in eine große Wanne, von der aus er entweder direkt in die Mostfässer abgefüllt wird, um ihn zu Most gären zu lassen. Oder er wird über eine Literanzeige in Behälter im Mosteanbau abgepumpt, um ihn zu Apfelsaft weiterzuverarbeiten. Dort wird der Saft kurz zwischengelagert, die Anlage hochgefahren, bis der Durchlauferhitzer die richtige Temperatur hat. Und dann geht alles ganz schnell: Mittels einer weiteren Pumpe wird der Saft in die Anlage gezogen, wo 1 Liter Durchlauf innerhalb von 15 Sekunden erhitzt wird auf 75 bis 80 Grad Celsius. Dann braucht der heiße Apfelsaft nur noch abgefüllt zu werden: ein lebensmittelechter Kunststoffbeutel wird direkt am Zapfhahn befestigt und prall gefüllt mit dem leckeren und noch heißen Saft aus den eigenen Äpfeln. Der Beutel ist aus Polypropylen, „so wie Tupperschüsseln, dem reinsten Kunststoff, den es gibt“, erwähnt Hans-Jürgen Swierczinski beiläufig. Die Beutel, jeder versehen mit einem eigenen Zapfhahn, werden jetzt in die Papp-Boxen gestellt – Bag-in-Box heißt dieses System, das einen Riesenvorteil gegenüber Tetra-Packs hat: selbst angebrochen ist der Saft noch bis zu drei Monate haltbar, dank des Vakuums. Ungeöffnet kann man die Big-Box zwei Jahre lang aufheben.

Den Saft von den Kunden selbst abfüllen zu lassen, wie ursprünglich geplant, funktioniert nicht. „Man muss ständig die Temperaturanzeige im Auge haben, damit sie nicht absinkt“, erklärt der Moster. Am Preis ändert sich dadurch aber nichts: für eine 5-Liter-Box muss nur der Selbstkostenpreis von 2,50 Euro gezahlt werden, eine 10-Liter-Box (sie wird eher seltener verlangt) kostet demnach 5 Euro. Weggeworfen wird übrigens nichts: den Trester, der nach dem Pressen übrig bleibt, holen Heinz Wehle für sein Wildgehege und Jäger für das Wild im Wald – auch die Rehe mögen Äpfel, selbst wenn es nur noch der Teil ist, den der Mensch übrig lässt.

Mosterei und Apfelsaftherstellung – für Moster Rainer Scherrmann bedeutet das natürlich mehr Arbeit, auch wenn beides parallel läuft. Spaß macht ihm das Ganze augenscheinlich trotzdem – man sieht ihn stets mit einem freundlichen und lachenden Gesicht. Wenn es eng wird, bekommt er Unterstützung von seinem Sohn Daniel und seiner Frau Kornelia, die die Kunden auch einteilen. Zurzeit laufen im heimischen Büro die Telefone heiß, und wenn die Beiden sehen, dass viel los ist, kommen sie in die Moste und helfen mit. „Wir sind ein Familienbetrieb und es läuft alles Hand in Hand“, betont Rainer Scherrmann.

Die neue Apfelsaftherstellungsanlage in der Altheimer Moste ist schon nach kurzer Zeit ein Renner
Vorsicht: der Saft ist heiß! Moster Rainer Scherrmann mit der Box (rechts) und der Kundschaft an der Altheimer Apfelsaftmostanlage.Bild: ria

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09.10.2010, 12:00 Uhr

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