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Derzeit geht‘s an die Wurzeln

Die neue Ehrensenatorin Cornelia Ewigleben wirbt für wandlungsfähige Museen

In zahlreichen Kooperationsprojekten zwischen dem Landesmuseum Württemberg und dem Museum der Uni Tübingen setze Cornelia Ewigleben sich für eine museumspraktische Vermittlung der kulturellen Schätze Württembergs ein, lobte Rektor Bernd Engler. Jetzt verlieh er ihr die Ehrensenatorinnenwürde.

09.12.2014
  • Hans-Joachim Lang

Tübingen. Noch ist das Kollegium der jetzt 34 Ehrensenatoren an der Eberhard-Karls-Universität ein Herrenclub, Cornelia Ewigleben ist erst die dritte Frau. In den Museumsleitungen der Landeshauptstadt gehört sie dagegen zur Mehrheitsfraktion. Denn vier von fünf Stuttgarter Museen, zählte die Laudatorin Ingrid Hamm in der Feierstunde am Freitagabend auf, werden von Frauen geführt. „In ihren Händen“, spitzte die Geschäftsführerin der Robert-Bosch-Stiftung zu, „liegt das kulturelle Erbe Württembergs“. Und gleich mehrfach war in der Schlosskapelle wie auch beim anschließenden Empfang im Rittersaal die Rede davon, wie liebevoll die Kontakte mit dem Badischen Landesmuseum in Karlsruhe gepflegt werden: Vergangenen Juli übernahm Eckart Köhne dort die Leitung – er ist ihr Ehemann.

„Bewegt und erfreut“ quittierte die frisch ernannte Ehrensenatorin die vielstimmigen Lobesworte, charakterisierte sich selbst als „Museumsfrau mit Leidenschaft und Überzeugung“, hob allerdings auch hervor, dass „Museumsarbeit vor allem Teamarbeit“ sei. Als ihre Aufgabe sieht sie es, „das reiche kulturelle Erbe sichtbar zu machen“. Wissenschaftliche Begleitung hält sie für grundlegend. „Bei der Erforschung von fast jedem unserer Objekte ist die Universität Tübingen der geborene Partner“, warb Ewigleben. Gerade die Expertise aus den „kleinen Fächern“ der Uni werde hoch geschätzt. Damit nicht genug: „Die Universität Tübingen und das Landesmuseum Stuttgart sind gute Partner, und wir sehen es als Ansporn und Verpflichtung, den eingeschlagenen Weg nicht nur weiterzugehen, sondern auch auszubauen.“

Zuvor, im Gespräch mit dem TAGBLATT, wies die Wissenschaftliche Direktorin des Landesmuseums Württemberg darauf hin, dass von den rund 150 Mitarbeitern ihres Hauses zehn Prozent Wissenschaftler aus den Bereichen Archäologie, Kunstgeschichte und Empirische Kulturwissenschaften seien. „Sie halten oft Lehrveranstaltungen an der Universität, umgekehrt arbeiten auch viele Studierende für ihre Abschlussarbeiten an den Museumsobjekten.“ Nicht selten müssen sie dazu nicht eigens nach Stuttgart fahren, sind doch seit den 1980er Jahren etwa 800 Stuttgarter Objekte als Leihgaben in der Ägyptischen Sammlung des Unimuseums auf dem Schloss vertreten. Außerdem gibt es noch die Außenstelle Waldenbuch, in deren volkskundlichen Abteilungen die hiesigen Empirischen Kulturwissenschaftler Anschauungsmaterial finden.

Im Gespräch hat sich die eloquente Museumsleiterin schnell in Begeisterung geredet und bezieht auch die dezentrale (und ursprünglich aus der Not geborene) Konzeption des Tübinger Uni-Museums ein. „Ich bin immer wieder erstaunt über die Vielzahl der Sammlungen an den Fakultäten“, sagt sie, „das ist ganz hervorragend, wenn die nun an das Licht der Öffentlichkeit kommen.“

Ohnehin gibt es für Cornelia Ewigleben keine starre Vorstellung von Museum. „Die Gesellschaft ändert sich stetig, damit auch das Museum. Wir sind in einem ständigen Prozess des Wandels und der Entwicklung.“ Sie wartet nicht ab, wer, beziehungsweise gar, ob überhaupt jemand ins Museum kommt, sondern fächert die Angebote breit und schneidet sie auf einige Zielgruppen zu. „Seit 2010 hat das Landesmuseum als eines der wenigen Häuser des Landes ein Kindermuseum für Kinder zwischen vier und zehn Jahren.“ Gerne möchte sie „verstärkt Menschen mit Einschränkungen einbeziehen“.

Eine permanente Herausforderung bleibt die Erforschung der riesigen Bestände. Derzeit laufen schon die Vorbereitungen für eine Ausstellung im Jahr 2016, die am historischen Ort im Schloss an die Wurzeln des Landesmuseums greift: die Kunstkammer der württembergischen Herzöge. Sie gehört zu den bedeutendsten Kunstkammern in Europa und wird derzeit in einem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanzierten Projekt erschlossen und rekonstruiert.

Die neue Ehrensenatorin Cornelia Ewigleben wirbt für wandlungsfähige Museen
Cornelia EwiglebenBild: Mellenthin

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09.12.2014, 12:00 Uhr

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